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Formel E: Technik erklärt

— 06.06.2017

So grün ist die Formel E

Die Formel E will für ökologischen Rennsport stehen und geht dabei auch viele andere innovative Wege. Doch wie ökologisch ist sie wirklich? Ein Techniker des deutschen Teams Abt Schaeffler Audi Sport klärt auf.

Die Formel E schwimmt gegen den Strom – und das mit Strom! Als erste Formel-Serie mit reinen Elektromotoren geht die Meisterschaft technisch neue Wege. „Die Batteriekapazität pro Fahrzeug beträgt 28 Kilowattstunden – das entspräche bei einem Verbrenner einem Verbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer“, erklärt Gregor Gruber (28), einer der Techniker von Schaeffler, wo in Zusammenarbeit mit Audi der E-Motor für das Abt-Team entwickelt wird.

„Der E-Motor ist also viel effizienter, hat einen Wirkungsgrad von 95 Prozent. Mit einem Benziner ohne Hybrid kommen wir bestenfalls auf 35 %.“ Und sportlich? Um aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen, braucht ein Formel-E-Rennwagen 2,9 Sekunden. Die Formel 1 schafft es mit über 600 PS mehr (1000 zu 270 PS) kaum schneller (2,6 s).  

In der Formel E gilt: Leistung und Energiemenge sind begrenzt. Es gewinnt also der Hersteller, der den effizientesten Antrieb baut. Abt Schaeffler Audi Sport setzt dabei auf ein Konzept mit einem Motor und drei Gängen. NextEV ist das einzige Team mit zwei Aggregaten. Gruber: „Die sind dann kleiner und können mit einem tieferen Schwerpunkt verbaut werden. Aber ein Motor spart Gewicht, weil man so zum Beispiel Gehäuse und Lager nur einmal braucht.“ Für die nächste Saison könnte das Getriebe auf zwei Gänge reduziert werden – wie es schon bei Renault der Fall ist. „Wir verwenden in der Formel E kein Schnellschaltgetriebe, also kostet jeder Schaltvorgang Zeit“, erklärt Gruber.

Die Reifen von Michelin müssen ein ganzes Rennwochenende halten

Ein E-Triebwerk kann nur dann umweltfreundlich sein, wenn auch der Strom für die Lithium-Ionen-Batterien ökologisch gewonnen wird. Dafür kooperiert die Formel E mit dem britischen Unternehmen Aquafuel Research. Sie rüsten Diesel-Generatoren so um, dass sie mit Glycerin schadstofffrei Strom generieren. Als Abfallprodukt entsteht eine Flüssigkeit, die trinkbar ist und nach Honig schmeckt. Glycerin lässt sich unter anderem durch Salzwasseralgen gewinnen. Gruber weiß: „Experten erwarten, dass das schon in drei bis fünf Jahren wirtschaftlich tragbar ist.“

Im Rennen werden die Batterien zusätzlich durch ein Energierückgewinnungssystem an der Bremse aufgeladen - derzeit allerdings begrenzt auf 150 Kilowatt.

Kritiker werfen ein: Die Herstellung von Batterien als Energiespeicher belastet ja auch die Umwelt. Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg hat in einer Studie festgehalten, dass für die Herstellung von einer Kilowattstunde Batteriekapazität rund 125 Kilogramm CO2-Emissionen ausgestoßen werden. In der Studie heißt es aber auch: Schon bis 2020 soll der Wert halbiert, bis 2030 sogar auf ein Drittel reduziert werden.

Heidfeld trinkt das ökologische Abfallprodukt des Generators

Zu einer umweltbewussten Rennserie gehört aber nicht nur der Motor. Michelin liefert pro Auto einen Satz 18-Zoll-Einheitsreifen mit Rillen, die sowohl im Trockenen als auch bei Regen funktionieren. Und: Sie müssen ein ganzes Wochenende halten. Nur zwei Zusatzreifen sind erlaubt, müssen aber von einem Rennwochenende davor stammen.

Nachteil für die Fahrer: Die Reifen bieten weniger Haftung als echte Rennpneus. Zusammen mit den Chassis, die wenig Abtrieb (damit aber auch wenig Luftwiderstand) produzieren, ergibt das ein rutschiges Fahrverhalten. Ex-Formel-1-Pilot Nick Heidfeld (40) erkennt den Vorteil: „Wir haben kaum Reifenabnutzung, können also vom Start bis ins Ziel immer pushen.“

Schließlich will die Formel E die E-Mobilität auch damit fördern, dass sie in jeder Stadt, die ein Rennen austrägt, zehn Aufladestationen für Straßen-E-Autos sponsert.

Und: Erstmals gibt es auch eine eigene Tribüne von AUTO BILD MOTORSPORT. Tickets dafür sind unter https://www.ticketmaster.de/event/formel-e-berlin-eprix-7-rennen-tickets/222013 (Code: Bild) erhältlich. Das Interessante: Es gibt zwei Karten zum Preis von einem! Statt fast 50 Euro zahlen Sie zu zweit nur 24,50 Euro.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller, picture-alliance ; Hersteller

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