Fragen zum Feinstaub

Fragen zum Feinstaub

— 06.04.2005

Was staubt denn da?

Die Diskussion um Feinstaub ist im vollen Gange. Doch was steckt genau dahinter – und was bedeutet das für die Autofahrer? Hier die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

Feinstaub. Wo man hinschaut Feinstaub. Unsichtbar, eigentlich, aber seit Tagen unübersehbar. Auf Zeitungen, in Zeitschriften, im Internet. Feinstaub überall. Sollten Sie es bislang bei den Überschriften zur allgegenwärtigen Gefahr belassen haben, was beim derzeitigen Stand der Dinge nicht die schlechteste Entscheidung ist, hier ein paar porentiefe Fakten. Die schaden garantiert nicht. Und helfen, den wilden Aktionismus an allen Fronten nicht in den falschen Hals zu kriegen.

Was ist Feinstaub? Winzige Teilchen (Partikel), die in der Luft schweben: Staubkörner unter zehn Mikrometer Größe, das heißt mit ungefähr ein Zehntel Durchmesser eines Menschenhaares.

Wo kommt Feinstaub her? Man unterscheidet natürlichen und künstlichen Staub. Natürlich sind zum Beispiel Blütenpollen, Wüstensand, Vulkanstaub, Teilchen aus Waldbränden. Künstlicher Staub entsteht laut Bundesumweltministerium (Stand: 2001) zum Beispiel durch den Straßenverkehr (17 Prozent), Industrieprozesse (35 Prozent), Haushalte (19,3 Prozent) sowie Kraft- und Fernheizwerke (11,1 Prozent) und Schüttgutumschlag (4,7 Prozent).

Warum ist Feinstaub gefährlich? Ein Mensch atmet jeden Tag bis zu 20.000 Liter Luft und nimmt damit Staubteilchen in sich auf. Je kleiner die Partikel, um so größer die Wirkung in der Lunge. Denn kleine Teilchen dringen besonders tief ein, zerstören Gewebe und verursachen Asthma und Bronchitis oder lösen Krebs aus. Nach einer EU-Hochrechnung sterben allein in Deutschland jährlich 65.000 Menschen durch Feinstaub-Belastung.

Wo ist die Feinstaub-Belastung geregelt? In der Feinstaub-Richtlinie 1999/30/EG von der EU. Danach sind 50 Mikrogramm Partikel je Kubikmeter Luft erlaubt, der EU-Grenzwert. Dieser Wert darf an einer Meßstation bis zu 35mal pro Jahr überschritten werden. Passiert dies öfter, kann die Bundesrepublik theoretisch von der EU verklagt werden.

Wieso werden die Feinstaub-Grenzen nicht überall eingehalten? Viel Verkehr bedeutet zwangsläufig hohe Feinstaub-Werte, denn in Ballungsräumen konzentriert sich der Feinstaub in der Luft. Deshalb überschritt beispielsweise eine Meßstation in Düsseldorf im Jahr 2004 den Grenzwert 83mal. Nicht alle der 300 bis 400 deutschen Stationen stehen so dicht im Verkehr. Auch die Wetterlage (Hochdruck, wenig Regen) und das Umfeld (Industrie) beeinflussen den Staubgehalt einer Region und führen zu erhöhten Meßwerten.

Wer ist für die Feinstaub-Regelung zuständig? Für Richtlinien und Grenzwerte die EU, Deutschland integriert diese Vorgaben im Immissionsschutzgesetz. Luftreinehaltepläne der Kommunen sollen dafür sorgen, die Grenzwerte einzuhalten. Diese Pläne gibt es in vielen Gemeinden noch nicht. Wie sie aussehen könnten, zeigt das Beispiel Düsseldorf. Dort wird empfohlen, die Straßen mit Wasser abzuspritzen, um Staub zu binden. Außerdem sollen Fahrverbote für Diesel-Lkw und Tempolimits greifen.

Welche Fahrzeuge produzieren am meisten Feinstaub? Alle Dieselfahrzeuge zusammen (Pkw, Lkw, Busse) produzieren 17 Prozent des insgesamt gemessenen Feinstaubs, Diesel-Pkw für sich bis zehn Prozent (laut Bundesumweltministerium ca. 20.000 Tonnen in 2001). Benziner mit G-Kat gelten als partikelarm.

Was hilft gegen Feinstaub? Grundsätzlich alle Maßnahmen, die Feinstaub binden oder gar nicht erst entstehen lassen. Diesel-Fahrzeuge sollten deshalb mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet sein. Solange Filter nicht überall im Einsatz sind oder trotz Filter die Grenzwerte überschritten werden, helfen – Beispiel Italien – nur Maßnahmen wie Fahrverbote oder Beschränkungen (Tempo 30) und Straßensperrungen in den Innenstädten.

Wer bietet Partikelfilter serienmäßig an? Alle deutschen Hersteller (Audi, BMW, Ford, Opel, Mercedes-Benz, VW) und einige Importeure (Citroën, Fiat, Mazda, Peugeot, Renault, Saab, Toyota) bieten einen Teil ihrer Modelle bereits mit Rußpartikelfiltern an. Auf Grund von Lieferschwierigkeiten gilt die Verfügbarkeit teilweise erst ab Sommer 2005. Dann will Mercedes-Benz als erster Hersteller alle seine Dieselmodelle serienmäßig mit Rußfiltern anbieten. Die Verpflichtung deutscher Autobauer, bis 2008/2009 alle Modelle serienmäßig mit Filter auszurüsten, wird vermutlich früher erfüllt werden.

Wie teuer ist ein Partikelfilter zum Nachrüsten? Die Kat-Spezialisten Twin-Tec (www.twintec.de) und HJS (www.hjs.com) bieten bereits Nachrüstsätze für viele Modelle an. Die Kosten mit Einbau liegen bei 500 bis 1000 Euro. Über die steuerliche Förderung von 250 Euro (bei Neufahrzeugen 350 Euro) in den Jahren 2006/2007 wird zwischen Bund und Ländern noch gestritten.

Wenn Sie wissen wollen, wieviel Staub Ihnen um die Nase weht, dann klicken Sie mal beim Umweltbundesamt rein. Dort gibt es tagesaktuelle Meldungen plus eine Liste, an welcher Station wie oft bereits der Grenzwert überschritten wurde.

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