Frankreich verscheuert sein Fernstraßennetz

Frankreich verscheuert sein Fernstraßennetz

— 15.12.2005

Paris privatisiert Péage

Drei Autobahn-Betreibergesellschaften wechseln für 15 Milliarden Euro den Besitzer – das Recht auf Mauterhebung geht für 25 Jahre vom Staat auf drei internationale Konsortien über.

15 Milliarden Euro Weihnachtsgeld für Frankreichs Regierung! Das bringt Paris der Verkauf von drei Autobahngesellschaften ein – Verkehrsminister Dominique Perben hatte die höchst umstrittene Transaktion im Sommer eingefädelt. Die Regierung Chirac benötigt dringend Geld, um Frankreichs hohe Staatsschulden zu tilgen. Erst im Juni wurden Anteile des Gasversorgers Gaz de France und der staatlichen Telefongesellschaft France Télecom abgestoßen.

Den Zuschlag erhielten am 14. Dezember 2005 der französische Baukonzern Vinci für die Betreibergesellschaft Autoroutes de Sud de la France (Autobahnen Süd-Frankreich), das französisch-australische Konsortium Eiffage-Macquarie für die Autoroutes Paris-Rhône-Rhin (Autobahnen Paris-Rhône-Rhein) und die spanische Abertis-Gruppe für die Autoroutes du Nord et de l’Est de la France (Autobahnen von Nord- und Ostfrankreich). Das Straßennetz selbst bleibt im Eigentum der "Grande Nation", die Käufer erwerben nur das Recht zur Verwaltung (und damit zur Mauterhebung) für 25 Jahre. Danach fallen die Rechte wieder an den Staat. Innerhalb der Regierungspartei UMP ist der Verkauf umstritten, selbst die sonst stets loyalen Beamten des Planungskommissariats warnten, daß die lukrativen Maut-Firmen in Wahrheit mindestens 26 Milliarden Euro wert wären.

In Deutschland sorgte die Bauindustrie vor wenigen Wochen mit ihrer Forderung nach Privatisierung der Bundesautobahnen für Aufsehen. "Ich hoffe, daß bis zum Ende der jetzt beginnenden Legislaturperiode die Voraussetzungen geschaffen sind. Ich rechne nicht damit, daß dann schon eine Pkw-Maut eingeführt ist", äußerte kürzlich Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel. Gegen die Begehrlichkeiten der Baubranche kämpft der ADAC: "Ein solcher Schritt würde nicht nur bedeuten, Volksvermögen zu verschleudern, sondern zukünftig auch die Autofahrer zwingen, über neue Gebühren das Gewinninteresse von privaten Betreibern zu befriedigen", so eine offizielle Stellungnahme des Verbandes. Überdies wären Autofahrer in Deutschland benachteiligt, da hier – anders als in Frankreich – kein leistungsstarkes Fernstraßennetz parallel zu den Autobahnen verläuft.

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