Ludwig Frischmann

Freier Tankstellenbesitzer im Interview

— 13.04.2012

"Ich verkaufe Sprit zum Einkaufspreis"

Nicht nur Autofahrer, auch Besitzer freier Tankstellen leiden unter dem Spritpreis-Wahnsinn. Bei Ludwig Frischmann aus Garmisch sind Preisschwankungen tabu. Er baut auf die Spendenfreudigkeit seiner Kunden.

AUTO BILD: Sie verkaufen Sprit zum Einkaufspreis. Sind Sie verrckt? Ludwig Frischmann: Verrckt sind die Preisschwankungen. Ich habe seit 38 Jahren diese Tankstelle, nun reicht es mir. Frher habe ich die Konkurrenz mit dem Fernglas beobachtet, um zu sehen, wie sich die Preise verndern manchmal acht- bis zehnmal am Tag. Die Kunden sollen den berblick verlieren, das hat Methode. Jetzt sorge ich fr Klarheit. Wie das denn? Ich halte mich strikt an den Einkaufspreis: Einen Liter Superbenzin gibt es zurzeit fr 1,59 Euro, Diesel kostet 1,45 Euro.

Gegen hohen Spritverbrauch: Die sparsamsten Autos

Sie verdienen also nichts? Ich bitte um eine freiwillige Spende: einen Euro fr eine groe, 50 Cent fr eine kleine Tankfllung. Wie reagieren Ihre Kunden auf die Aktion? Fast alle spenden, aber nicht wegen der niedrigen Preise, sondern um mich zu untersttzen. Auch die Leute, die normalerweise in sterreich billig tanken, kommen jetzt zu mir. Ich habe so viele Kunden wie noch nie. Frher kam alle acht bis zehn Tage der Tanklaster. Heute bestelle ich beinahe jeden zweiten Tag eine Lieferung nach. Und was sagt die Konkurrenz? Ich lasse mir von den Minerallkonzernen nichts mehr diktieren, jetzt mssen die sich nach mir richten. Wenn ich abends schliee, schieen die Preise bei den anderen Tankstellen im Ort teilweise um zwlf Cent nach oben. So eine Gewinnspanne ist doch Irrsinn! Es geht mir aber nicht darum, den Pchtern zu schaden. Die verdienen wirklich kaum etwas. Deshalb dauert meine Aktion insgesamt nur sechs Wochen.

Lesen Sie auch: Politiker fordern Spritpreis-Kontrolle

Was war frher anders? In den 70er-Jahren haben wir zweimal in der Woche die Preise gendert hchstens. Als die elektronischen Anzeigetafeln eingefhrt wurden, kam es immer hufiger zu heftigen Schwankungen. Wie kann man dem ein Ende setzen? Wenn die Regierung endlich ein Gesetz verabschiedet, das nur noch einmal tglich eine Preisanhebung erlaubt, wre schon viel erreicht. Was mchten Sie erreichen? Ich will ein Zeichen setzen. Die Leute sollen verstehen, was die groen lkonzerne fr ein bses Spiel mit uns treiben. Am 30. April 2012 gehe ich in den Ruhestand, die Tankstelle wird dann abgerissen. Ich habe nichts zu verlieren.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung