Führerscheintausch: Pro und Kontra

Führerschein umschreiben

— 09.02.2011

Abschied vom alten Führerschein

Weg mit den alten Lappen, her mit den Plastikkarten: Bis 2032 müssen graue und rosa Führerscheine gegen EU-Fahrerlaubnisse im Kartenformat getauscht sein. Doch wollen wir das überhaupt?

"Ich will die Zottelfrisuren nicht mehr sehen!", findet Redakteur Axel Sülwald.

Ich kann es nicht mehr hören, dieses: "Früher war alles besser." Die alten Führerscheine, diese labberigen Lappen in Grau und Rosa, sollen noch bis 2032 Artenschutz genießen. Warum eigentlich? Damit wir ständig an unsere Zottelfrisuren der 60er-, 70er- und 80er-Jahre erinnert werden? Nein, danke! Das ist vorbei und abgeschnitten. Und die mikroskopische Zielgruppe, die sich als pickeliger Jugendlicher unwiderstehlich fand, kann sich auch mit einem Schnappschuss aus Omas Familienalbum behelfen.

Fortschritt am Führerschein

Redakteur Axel Sülwald.

Merke: Mut zu Farbe und psychedelischen Mustern muss man nicht unbedingt mit einem rosa Führerschein beweisen. Ich gestehe allerdings einen schwachen Moment ein, den ich selbst einmal hatte: Weil ich mit 25 einen Motorradführerschein nachlegte, blieb mir ein Wechsel vom grauen auf den rosa Schein nicht erspart. Damals hätte ich gern das graue Grauen behalten. Mangels Alternative wohl. Denn es gibt eine wahre Flut von guten Gründen gegen die alten Führerscheine: Das Format unpassend für jede Brieftasche, das Papier abgewetzt und speckig, die Schrift unleserlich verschmiert. Fortschritt geht anders: handliches Format, maschinenlesbar, wetterfest und unkaputtbar – was will man mehr? Und auf der Rückseite sind übersichtlich die Fakten angeordnet, fein alphabetisch durchdekliniert und mit Bildchen veranschaulicht: kleine Motorräder, Autos oder Züge mit Anhängern.

Redakteur Claudius Maintz.

"Rosa ist die Farbe der Liebe – für meinen alten Führerschein", sagt Redakteur Claudius Maintz.

Mir doch egal, wenn sich amerikanische Autovermieter über meinen rosa "Schwuchtelführerschein" mokieren. Denn meine Fahrerlaubnis ist für mich mehr als nur ein Stück Papier, ein Dokument voller persönlicher Erinnerungen. Prüfung am 1. Juli 1991, einen Tag vor den Hamburger Sommerferien. Ich kam in keine Parklücke, übersah ein gelb blinkendes Ampellicht. Als Glücksbringer trug ich mein Lieblingshemd, ein kariertes Erbstück meines Vaters aus den 60ern. Am Ende der Tor-Tour war es nassgeschwitzt. Nicht wegen der Hitze, sondern vor Aufregung. Der Prüfer sagte: "Jetzt geben Sie dem Jungen erst mal ein neues Hemd", und reichte mir dann trotz allem meine Fahrerlaubnis nach vorn. Ich war so stolz, dass ich sie zu Hause erst einmal überflüssigerweise mit dem Fax kopieren wollte, das ich mir als junger Lokaljournalist gerade für 1600 Mark angeschafft hatte. Doch das Dokument war wegen der Fotonieten zu dick, der Führerschein verkantete. Seitdem ist ein kleiner Riss im Bild, das mich mit dichten, dunklen Haaren zeigt. Auf Partys gab es immer wieder Lacher: "Was, das bist du?" Heute sind die Haare weitgehend ausgefallen, und der Führerschein ist aus dem Verkehr – umgetauscht gegen eine schnöde Karte. Weil ich Angst hatte, in Australien nach 20 Stunden Flug keinen Mietwagen zu bekommen. Auf dem Dachboden schlummert das rosa Relikt noch. Doch wenn ich ehrlich bin, hätte ich es viel lieber jeden Tag im Portemonnaie.

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