Fünf Allradler im Test

Fünf Allradler um 30.000 Euro im Vergleich Fünf Allradler um 30.000 Euro im Vergleich

Fünf Allradler im Test

— 17.10.2006

Die 30.000-Euro-Typen

Alle diese Autos haben vor allem zwei Dinge gemeinsam: Sie treiben alle vier Räder an. Und sie kosten rund 30.000 Euro. Ansonsten sind sie völlig verschieden. Und genau das macht den Reiz dieses Vergleichstests aus.

Ein Vergleich der Extreme

Zugegeben – wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Denn unsere fünf Kandidaten sind allesamt Spezialisten, die sich – trotz des identischen Preises von 30.000 Euro – jeweils an eine ganz eigene Zielgruppe wenden: Der VW Passat 4motion repräsentiert die komfortable Stufenheck-Limousine für die schnelle Hast von Termin zu Termin. Der Toyota RAV4 ist quasi der Alleskönner, der mit vielseitiger SUV-Karosserie und verbrauchsgünstigem Turbodieselmotor versucht, das Beste aus allen Welten in sich zu vereinen. Der Land Rover Defender steht so sehr wie kein anderer für den robusten Geländewagen, der alles mitmacht, aber Zugeständnisse bei Komfort und Tempo fordert. Der Nissan Navara

Zugegeben: Bei der Wahl der Kandidaten wurden Extreme bevorzugt.

will mit komfortabler Ausstattung und kräftigem Antrieb zeigen, dass Pick-ups heute mehr sind als sperrige Lastentiere für die Dritte Welt. Und der 222 km/h schnelle Subaru Forester 2.5 Turbo erschließt seinem Besitzer per 230 PS die Welt des Temporauschs – ebenfalls wohlfeil für 30.000 Euro.

Wir geben auch gerne zu, dass wir bei der Auswahl der fünf 30.000-Euro-Kandidaten Extreme gewählt haben. Als Repräsentant für einen robusten Geländewagen mit Leiterrahmen und Geländeuntersetzung hätten wir auch den Hyundai Terracan einladen können. Oder auch den Kia Sorento. Diese beiden passen ebenfalls in die Preisklasse, wären aber dank wesentlich modernerer Konzeption beileibe nicht so kompromisslos wie der ausgewählte Land Rover Defender. Doch uns reizte gerade der Charme des altertümlichen Briten. Wohl kaum ein anderes Auto in dieser Preisklasse polarisiert derart: Entweder man mag ihn oder man findet ihn schrecklich.

Beispielsweise schrecklich unsicher. Bei Licht betrachtet, kann man da kaum widersprechen. Denn Land Rover hat auch im Modelljahr 2007 die Stirn, dem heutigen Neuwagenkäufer ein Auto anzubieten, das seine Insassen nicht mit einem einzigen Airbag schützt, zudem mit einem

Geländegängig ist er, der Defender. Sonst hat er eher weniger Qualitäten.

gemessenen Bremsweg von mindestens 50 Meter aus Tempo 100 schreckt und obendrein bei Ausweichmanövern wie ein betrunkenes Kamel um Hindernisse torkelt.

Doch selbst Optimisten oder Fatalisten, denen die fehlende Sicherheit und die teigige sowie völlig gefühllose Lenkung einerlei sind, müssen im Defender leiden – unter mangelndem Komfort. Das Starrachsfahrwerk wäre dabei gerade noch akzeptabel. Denn dank sorgfältiger Abstimmung der Schraubenfedern und Stoßdämpfer hält der Defender zumindest grobe Unebenheiten von seinen Insassen fern. Doch der enge Fußraum und die unmögliche Sitzposition mit dicht an die Türe gedrängtem Oberkörper erfordern Leidensfähigkeit. Die miese Heizung wollen wir dem noch aktuellen Defender gar nicht anlasten, denn die Briten versprechen ja ab März 2007 mit neuer Heizanlage wahre Wunder in Sachen Wärme.

Der fünfzylindrige Turbodiesel ist auf ähnliche Weise ein Anachronismus. Die Pumpe-Düse-Maschine überwindet hohnlachend die dünne Geräuschdämmung zum Fahrgastabteil. Es rasselt und scheppert derart penetrant aus dem Maschinenraum, dass Defender-Neulinge nicht selten einen kapitalen Motorschaden vermuten. Die Vorteile des Td5 sind schnell aufgezählt: Er wurde noch von echten Land-Rover-Ingenieuren konstruiert und er schiebt die Fuhre – notfalls samt 3,5-Tonnen-Anhänger – problemlos an, wenn erst einmal das gähnende Turboloch unterhalb von 1800 Touren überwunden ist. Gerade wegen seiner Schwächen passt der Motor gut zum Defender.

Gähnendes Turboloch im Navara – der 2,5-Liter-Diesel zieht erst ab rund 1800 Touren.

Mit einem gähnenden Turboloch muss sich auch der Pick-up-Fahrer herumschlagen. Beim Nissan Navara zieht der 2,5-Liter-Diesel erst ab rund 1800 Touren, dann aber ordentlich. Im Vergleich zum 142 km/h langsamen Defender katapultiert der Nissan seinen Fahrer in eine ganz andere Tempowelt: Er erreicht Tempo 130, da hat der Land Rover gerade erst die 100-km/h-Marke passiert. Allerdings fühlt sich der Common-Rail-Diesel nur nach dem direkten Umstieg vom Land Rover komfortabel an. Objektiv betrachtet ist der Nissan-Motor ein recht rauer Bursche. Und passt deshalb auch ganz gut zu einem Pick-up.

Dessen Charakter bildet sich durch seine Lkw-artige Karosserie mit Fahrgastkabine und getrennter Ladepritsche. Da geht zwar ordentlich was drauf, aber leider reist wertvolles Gepäck ungeschützt. Also kaufen viele Pick-up-Besitzer ein Hardtop für die Ladefläche. Auch dieses beseitigt einen weiteren Pick-up-Nachteil nicht: die mangelnde Variabilität. Denn langes Ladegut, das man bei einem

Laden kann er, unempfindlich ist er – aber auch unkomfortabel.

Fahrzeug mit Kombiform nach Umklappen der Rückbank einfach hineinschiebt, muss beim Pick-up zwangsläufig umständlich aufs Dach – oder in den Anhänger. Damit darf man aber dann an Sonn- und Feiertagen nicht fahren, denn es herrscht dann Fahrverbot für Anhänger hinter den als Lkw zugelassenen Pick-ups.

Beim Komfort im Alltag hinken Pick-ups hinterher, wie auch der Nissan exemplarisch zeigt: Die Hinterachse teilt unbeladen derbe Stöße aus. Und Stadtfahrten entspannen den Fahrer auch nicht gerade, wenn er seinen 5,22 Meter langen Allradlaster mit 14 Meter Wendekreis im Parkhaus unterbringen muss. Warum kauft man dann einen Pick-up? Nun, zum einen bekommt man beeindruckend viel Auto fürs Geld, zum anderen transportiert man ohne schlechtes Gewissen schweres Baumaterial oder Erdreich. Der Ladepritsche ist das völlig egal. Den feinen Kofferraum des Subaru Forester müsste man nach einer solchen Aktion stundenlang reinigen. Aber der zielt sowieso auf einen anderen Nerv des 30.000-Euro-Spenders.

Der Turbo-Forester geht ab wie Schmidts Katze

Der 230 PS starke Japaner spielt die Sportskanone in diesem Vergleich. Die Hauptrolle übernimmt dabei der per Turbolader aufgeblasene Boxer-Benziner unter der Haube. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, wenn man aufs Gaspedal tritt. Der Subaru holt einen winzigen Augenblick lang Luft und

Festhalten! 230 Turbo-PS machen aus dem Forester ein echtes Renn-SUV.

prescht dann davon, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Unbedarfte Mitfahrer, die wegen der unauffälligen Optik des Forester mit einer beschaulichen Landschaftsstudie gerechnet hatten, erwachen mit aufgerissenen Augen in einem Actionfilm.

Die Köpfe prallen an die Nackenstützen, die Wirbelsäulen werden wie beim Flugzeugstart in die Rückenlehnen gepresst. Auf der Autobahn fliegt der Turbo-Subaru mit gemessenen 222 Sachen dahin – ohne Anstrengung für den Fahrer und bei angenehmem Komfort für alle Insassen. Die Rache folgt an der Tankstelle: Der Subaru rennt nicht nur wie ein Großer, er säuft dann auch so. 20 Liter/100 km und mehr gurgeln aus dem Tank. Wer dem Turbokick widerstehen kann, verbraucht brave neun Liter/100 km. Aber es fällt schwer zu widerstehen. Wenigstens einmal am Tag startet man dann doch durch und zaubert sich ein Grinsen aufs Gesicht.

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Solche Exzesse sind dem dieselgetriebenen Toyota RAV4 völlig fremd. Er ist keine Tempomaschine, sondern mit maximal 189 km/h ein flotter und kräftiger Reisewagen. Ein typisches SUV der Moderne, das ausreichend komfortabel abrollt und einen angenehmen Aufenthalt im Innenraum ermöglicht.

Mit Extremen kann der RAV4 2.2 D-4D nicht dienen. Er will ein zuverlässiger Begleiter für den Alltag sein, der möglichst alle Aufgaben zur vollen Zufriedenheit seines Besitzers bewältigt. Ausreichend schnell, ausreichend komfortabel, ausreichend geräumig, so sieht sich der RAV4. Und so ist er auch. Ein sicheres Allradauto mit guten Manieren – ohne unangenehme Überraschungen für seinen Besitzer. Leicht zu parken, einfach zu fahren, wirtschaftlich zu unterhalten. Sein ausreichend kräftiger 136-PS-Turbodieselmotor erfreut mit angenehm kleinem Turboloch und niedrigem Verbrauch. Einzig die nicht ganz einfach dosierbare Kupplung könnte man ihm im Alltag ankreiden.

Sanfter Gleiter: Der Passat 4Motion fährt fast wie von allein.

Geht es denn noch einfacher für den Fahrer als beim Toyota RAV4? Ja, wie der VW Passat 4Motion zeigt. Ein Auto, das man beim Fahren fast nicht bemerkt. Es fährt einfach dahin – fast von allein. Der Akt des Fahrens erfordert praktisch kein Nachdenken des Menschen am Steuer. Ein perfekt ausgewogenes Fahrwerk trägt die Insassen beinahe erschütterungsfrei über schlechte Landstraßen. Den Federungskomfort von SUV wie Subaru Forester oder Toyota RAV4 übertrifft der Passat damit.

Seine Stufenheckform macht ihn zwar weniger ladefreundlich als seinen Kombibruder namens Variant. Aber dafür spendet der abgetrennte Gepäckraum zusätzliche Ruhe, weil noch weniger Fahrwerksgeräusche durchdringen. Nur der raue Pumpe-Düse-Turbodiesel beschränkt das Komforterlebnis. Ansonsten kann man ihm nichts vorwerfen. Außer, dass er trotz günstigerer Aerodynamik nicht noch sparsamer ist als der Toyota RAV4. In einer Limousine wie dem VW Passat 2.0 TDI 4motion überbrückt man sehr mühelos, sehr schnell und sehr sicher auch sehr große Entfernungen. Das ist sein Metier.

Lächerliche Bodenfreiheit mit schabende Geräusche

Der Passat ist ein Pkw und trotz Allradantrieb kein SUV und erst recht kein Geländewagen. Das merkt man nicht nur auf dem erstbesten Feldweg, den der Passat wegen lächerlicher Bodenfreiheit mit schabenden Geräuschen passiert. Es fällt auch bei Einstieg und Sitzposition auf. Entern und Aussteigen erfordert wegen der niedrigen Dachlinie mehr Gelenkigkeit – eben eine schmerzfreie Wirbelsäule. Wer hat die heutzutage schon in der Mitte des Lebens? Und

Tiefstapler: Im Passat fehlt der Überblick über vorausfahrende Autos.

die niedrige Sitzposition lässt den bei SUV und Geländewagen so beliebten Überblick über das Verkehrsgeschehen vermissen. Man fährt eigentlich ununterbrochen hinter irgendjemandem her. Den Horizont beschränken die Bremsleuchten des Vordermanns. Was weiter vorn passiert – keine Ahnung. Schon im Toyota RAV4 oder Subaru Forester bringen die zusätzlichen Zentimeter Sitzhöhe mehr Gelassenheit – beim Einstieg und beim Fahren. Der vorausschauende Blick über die Masse der Pkw wird so erst möglich.

Den hohen Stuhl eines Land Rover Defender muss man dagegen – je nach Beinlänge – fast schon wieder erklimmen. Dafür thront man so hoch, dass man auch über die beliebten Minivans hinwegsehen kann. Bei so viel Weitblick ist es kein Wunder, dass sich so mancher Defender-Fahrer trotz mangelnder Sicherheit auf der sicheren Seite wähnt – zumal er auch nach einem Erdrutsch sicher weiterkommt.

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Fazit von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Autor Martin Braun

Der RAV4 ist der beste Kompromiss und gewinnt deshalb verdient.

Dieser Vergleich der fünf höchst unterschiedlichen Allradler ist auch eine Bewährung für die Punktewertung. Typisch, dass der beste Kompromiss gewinnt, der Toyota RAV4. Er liegt in keinem Kapitel vorne, aber auch nie hinten. Alle anderen zeigen das Spektrum des Angebots: der Land Rover mit viel Geländetauglichkeit und wenig Tempo, der Nissan Pickup mit viel Nutzlast und wenig Handlichkeit, der Turbo-Subaru mit viel Tempo und wenig Sparsamkeit und der VW Passat mit viel Komfort und wenig Geländetauglichkeit. Freuen wir uns, dass der Markt so viele verschiedene Wünsche befriedigt.

Autor: Martin Braun

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