Tata Nano: Fünf Jahre ohne Erfolg

Tata Nano Tata Nano Tata Nano

Fünf Jahre Tata Nano

— 29.01.2014

Das harte Leben eines Hoffnungsträgers

Vor fünf Jahren brachte der indische Hersteller Tata das Billigauto Nano auf dem Markt – und wartet bis heute auf den Erfolg. Jetzt soll eine aufgebrezelte Version mit Servolenkung und Automatikgetriebe den Verkauf ankurbeln.

Warum ein Auto floppt, ist manchmal schwer zu sagen. Auch wenn die Grundidee besticht und der Wagen bei der Präsentation den Eindruck erweckt, das könnte was werden. So ein Auto ist der Tata Nano.

Das Basismodell des Nano: keine Servolenkung, keine Heckklappe, kein Radio, dürre Reifen.

Konzipiert für den indischen Massenmarkt, versehen mit einfachster Technik, eine simple Konstruktion, günstiger Preis. Im März 2009 schob der indische Hersteller Tata, zu dessen Imperium mittlerweile auch die Marken Jaguar und Land Rover gehören, den kleinen Nano auf den Markt. Das Billigauto kam begleitet von großen Erwartungen zur Welt – und enttäuschte grandios. Als Auto für jedermann konzipiert, sollte der Nano die aufstrebende Mittelschicht des indischen Subkontinents motorisieren. Doch der Erfolg blieb aus. Nicht nur dass: Die Verkaufszahlen sinken.

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Dabei hatte der Nano Zeug zum Topseller: Der Zwerg war mit 1850 Euro erschwinglich, bei seinem Erscheinen der günstigste Neuwagen der Welt. Mit dem Tata als größter Autohersteller Indiens einen Verkaufserfolg landen wollte. Gut, der Nano hat nur ein Zwei-Zylinder-Motörchen mit 38 PS und weder Heckklappe noch Radio. Aber genau das macht ihn so günstig. Er ist ein auf die simple Essenz des Autofahrens reduziertes Vehikel. Dennoch blieb der ersehnte Erfolg aus. Auch fünf Jahre nach dem Marktstart des schmächtigen Winzlings bleiben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Selbst ohne detaillierte Kenntnis des indischen Automarktes ist klar, dass die 554 im Dezember 2013 in Indien verkauften Wägelchen für Tata eine maßlose Enttäuschung gewesen sein müssen. Das war ein Einbruch um 75 Prozent gegenüber dem Dezember 2012, als Tata immerhin noch 2202 Nano unters indische Volk brachte. Allerdings war auch das schon kein guter Wert. Auto-Analysten zufolge wären 20.000 eine gute Zahl gewesen, pro Monat, wohlgemerkt. Die ursprünglich geplanten eine Million Nano pro Jahr liefen nie vom Band.
Alle Infos zum Tata Nano

Wie konnte das geschehen? Der langjährige Tata-Firmenchef Rajan Tata gestand kurz vor seinem Rückzug in die Rente schwere Fehler bei der Vermarktung des Autos ein – darunter auch, dass der Wagen als Billig-Auto verkauft wurde. "Eine Vielzahl an Stigmata kleben an dem Wagen", sagte er im Januar 2014. Tatsächlich ging die Rechnung nicht auf: Gerade die aufstrebende Mittelschicht schreckte das Billig-Image des Nano ab. Die Bilder von mindestens drei im Jahr 2010 in Flammen aufgegangenen Nano-Mobilen machten es nicht besser.

Der Nano als Schmuckstück: Mit 80 Kilo Gold, 15 Kilo Silber und zahllosen Edelsteinen besetzt, sollte das einmalige Goldplus-Modell das Image des Nano heben.

In der Folge versuchten die Nano-Macher mehrere Kniffe, das Auto in der Gunst des Publikums nach oben zu hieven. Einer davon hängt mit der traditionellen Lust der Inder an schwerem Goldschmuck zusammen. Also enthüllte Tata 2011 den Goldplus-Nano, ein mit 80 Kilogramm Gold, 15 Kilo Silber und zahllosen Edelsteinen verziertes, unverkäufliches Einzelstück. Geholfen hat's nicht. Ein Billig-Auto mit Schmuck aus Edelmetall bleibt ein Billig-Auto. Dann sollte es die Werbung richten: Im Internet wurde Mitte vergangenen Jahres ein Nano-Werbefilm lanciert, in dem junge, hübschen Frauen und hippe Typen freudig durch eine indische Großstadt hüpfen. Das Thema des Films: Die Großartigkeit des Nano. Konnte der Nano, als heckgetriebenes Simple-Mobil den erneuten Imagewechsel verkraften? Natürlich nicht.

Der Nano als Komfortauto

Um das Kellerkind Nano zum Überflieger zu machen, schlagen seine Schöpfer jetzt einen neuen Weg ein – und hängen dem Nano aufs Neue ein weiteres Image an, das eines Komfortautos. Seit Mitte Januar 2014 ist der Nano Twist auf dem Markt, der mit einem besonderen Dreh endlich die Herzen der Inder erobern soll. Er wartet mit mehr Komfort auf und soll die Käufer mit seiner Ausstattung locken, dazu hat er eine Servo-Lenkung und ein Automatikgetriebe an Bord. Ganz so günstig ist das Nano-Vergnügen nun nicht mehr: Der Twist kostet umgerechnet 2800 Euro, auch für indische Verhältnisse nicht wenig Geld. Teil der neuen Vermarktungstrategie sind neue Farben, zu denen so wohlklingende Farbtöne wie Royal Gold, Meteor Silber und das neue Zwetschgen-Violett gehört. Der Verkaufserfolg des kleinen Tata-Mobils ist entscheidend für die Zukunft des Autoherstellers. Im Zeitraum von April bis Dezember 2013 ist der Absatz für Pkw bei Tata um 44 Prozent eingebrochen. Erneut begleiten große Erwartungen den kleinen Nano.

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