Fünf kleine Sportler im Test

Mini Cooper Mini Cooper

Fünf kleine Sportler im Test

— 30.01.2007

Überflieger Mini?

Knaller oder überteuertes Lifestyle-Mobil? Höhenflug oder Bruchlandung? Der Mini Cooper stellt sich den Konkurrenten Peugeot 207, VW Polo GTI, Suzuki Swift Sport und Citroën C2.

Der Mini wedelt mit dem Heck

Der Mini hebt ab. Auf dem Sprunghügel unseres Testgeländes etwa bei Tempo 60 und im übertragenen Sinn mit seinem Erfolg. 800.000 Stück der ersten Generation des neuen Mini wurden seit 2001 gebaut, weit mehr als geplant. Vorgesehen war eine Jahresproduktion von 100.000, jetzt erweitert BMW auf 240.000. Aber wenn wir Kult und Erfolg mal ausblenden, steht mit dem neuen Mini Cooper ein 3,70 Meter langer 120-PS-Kleinwagen für 17.799 Euro vor uns. Und zum ähnlichen Preis können wir auch andere kleine Kraftprotze probieren – sogar mit bis zu 150 PS.

Peugeot 207: Mit 19.850 Euro ist der Franzose der teuerste Testkandidat.

Den Peugeot 207 150 Platinum 150 THP für 19.850 Euro zum Beispiel und auch den VW Polo GTI für 19.620 Euro. Der Citroën C2 1.6 SportChic tritt mit 122 PS für 18.340 Euro an und der Suzuki Swift 1.6 Sport mit 125 PS für 17.500 Euro. Wer für das Geld beim Mini eine Vollausstattung erwartet, liegt falsch. 954 Euro extra kostet eine Klimaanlage, 205 Euro ein CD-Radio und so weiter und so fort. Aber klar, hier geht es nicht vordergründig um die Kosten, für die trendfreudige Kundschaft ist anderes wichtiger. Die gönnt sich dann durchaus auch Feinheiten wie die Echtholz-Einlage English Oak (308 Euro), die Lederpolster für 1334 Euro oder das Lichtpaket (164 Euro) mit fünf verschiedenen Farbtönen für die Innenraumbeleuchtung.

Eigentlich hat der Mini all das gar nicht nötig, so hinreißend und knuffig, wie er dasteht. Auch das Cockpit ist wieder mit einer selten erlebten Detailverliebtheit gebaut – die anderen vier hier sind jeder für sich nett ausstaffiert, aber da kommt keiner ran. Per Knopfdruck startet der 1,6-Liter mit 120 PS, ein neues, hochmodernes Aggregat aus der Kooperation mit Peugeot, das ähnlich auch im 207 steckt. Im Mini ohne Turbo klingt er rau und kernig und steht auch gut in Saft und Kraft – hat aber gegen die 30 PS stärkeren Peugeot und VW in diesem Vergleich keine Chance. Unter 2500 Touren wirkt er müde, es hilft dann nicht viel, dass er sehr locker ausdreht.

Wie bisher ist der Cooper betont knackig abgestimmt, auffällig ist die ultradirekte, sehr zackige Lenkung. Damit lässt es sich zwar fast rechtwinklig um die Ecken flitzen, besonders auf der Autobahn kommt aber Nervosität ins Auto. Ein aufmerksamer Fahrer ist sowieso gefragt, in zu schnell gefahrenen Kurven und besonders bei feuchtem Belag kommt gern mal locker das Heck herumgeflogen. Ein Riesenspaß auf trockener Straße und immer dann, wenn man Lust dazu hat. Gefährlich wird es nur, wenn unerfahrene Piloten am Steuer hocken. Und das dann dringend nötige ESP ist – kaum zu glauben – nicht einmal Serie, kostet 513 Euro Aufpreis. Beim Citroën C2 SportChic gehört es wie bei den anderen zur Serienausstattung.

Frisch und ohne Retro-Bezug: Der C2 zeigt eigenständiges Design.

Auch der C2 gefällt mit frischem, eigenständigem Design, und das ohne jeden Retro-Bezug. Rundliche Front, eckige Seitenlinie, kantiges Heck – das ist stimmig. Nicht ganz so freundlich geht es an Bord zu, hier hat sichtlich der Sparkommissar gewaltet. Das viele Hartplastik ist wirklich nicht nett anzuschauen. Aber immerhin, der Digital-Tacho zitiert aus der Geschichte, und die Ledersitze in elegantem Braunton sind sogar serienmäßig. Der Citroën tritt mit 122 PS starkem 1,6-Liter an und fährt hier tapfer mit. Knurrig und bei wenig Touren noch schlapper als der Mini, aber später mit viel Drehfreude, Lust am Lärm und an der Leistung. Nicht überzeugen können die teigige Schaltung und die zu leichtgängige, schwammig wirkende Lenkung. Der C2 fährt sich damit insgesamt nicht ganz so agil wie Mini, Suzuki und VW und federt dazu noch poltrig.

VW Polo GTI heißt der Überflieger

Auch der schicke Peugeot 207 ist ganz bestimmt kein schaukeliger Franzose. Im Gegenteil, seine Federung reagiert auf schlechten Strecken ruppig. Schade nur, dass der 207 trotz der betont straffen Auslegung mehr untersteuert als alle anderen hier und in schnellen Kurven kräftig über die Vorderräder schiebt. Andererseits zeigt er auch Lastwechselreaktionen – gut also, dass das ESP serienmäßig an Bord ist.

Die Lenkung arbeitet sehr direkt, aber auch zäh, mit ungewöhnlich hohen Rückstellkräften. Und die ausgeleiert wirkende Schaltung haben wir in anderen 207 schon mal präziser erlebt. Aber das könnte man als Fan durchaus in Kauf nehmen, denn der Peugeot hat ein gewichtiges Argument unter der Haube: Er wird von dem 1,6-Liter befeuert, der gemeinsam mit BMW entwickelt wurde. Hier jedoch mit Turbo und Direkteinspritzung aufgerüstet, das macht dann lebensfrohe 150 PS. Schlichtweg ein Traum-Motor, stark, spritzig und geschmeidig. Ergebnisse sind der niedrigste Verbrauch (mit dem Mini) und zusammen mit dem Polo GTI die mit Abstand besten Fahrleistungen.

Der Swift Sport macht optisch keinen Hehl aus seinem Anspruch.

Ganz anders als der elegante Peugeot tritt der Suzuki Swift Sport auf. Sowieso schon mit einem ausgeprägten eigenen Charakter, aber hier noch verschärft mit tief heruntergezogenen Schürzen, 17-Zoll-Alus, Dachspoiler, fetten Doppelrohren. Ein regelrecht krawalliger Auftritt, aber warum auch nicht? Innen ist den Designern dann der Mut ausgegangen, Mini, Peugeot und auch VW sind freundlicher eingerichtet. Vor allem stört aber die ungewohnt hohe Sitzposition. Dazu ist das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar, nicht wie bei den anderen auch längs – eine sportliche Sitzposition sieht anders aus. Umso sportlicher benimmt sich der Japan-Floh dann beim Fahren: Er fegt unerschrocken und hellwach durch die Gegend, immer auf der Lauer nach der nächsten Kurve. Direkte Lenkung, kurze, knackige Schaltwege, bissige Bremsen – eine kleine Fahrmaschine für den großen Fahrspaß. Klar, dafür teilt er auch kräftig aus, die Federung geriet recht straff. Der quicklebendige, böse brummende 1,6-Liter mit 125 PS dreht wie ein Wilder, schreit allerdings im Wortsinn nach einem sechsten Gang – bei hohem Autobahn-Tempo wird es laut und dröhnig.

Da geht es im VW Polo viel gesitteter zu. Der gute alte 1,8-Liter-Fünfventil-Turbo klingt mit Abstand am besten hier, grollt heiser bis heftig, macht aber niemals so viel Lärm wie etwa die kleine Japan-Feile. Der altbewährte Fünfventiler mit 150 PS zeigt den jungen Wilden noch einmal, wie es geht: ausgeruht, kräftig, mit viel Druck schon bei niedrigen Drehzahlen und ausgeprägter Drehfreude. Gemeinsam mit dem hochmodernen Peugeot ergibt das die mit Abstand besten Fahrleistungen. Allerdings mit 8,6 Litern auch den höchsten Verbrauch.

Leichtfüßig und präzise: Beim Fahrwerk glänzt der Polo GTI.

Bei Fahrwerk und Lenkung macht dem Polo in diesem Vergleich niemand etwas vor: leichtfüßig und spielerisch zu kontrollieren, mit einem aufmerksamen ESP im Hintergrund, einer präzisen Lenkung und einer leichtgängigen Schaltung. Auch er ist durchaus straff und trocken gefedert, bietet aber einen anständigen Restkomfort. Beim Design spielt der Polo frech mit der GTI-Tradition: Wabengrill, rot lackierte Bremssättel, Heckspoiler, Doppelrohr. Innen tragen die bequemen Sitze Karos im Retro-Look aus den Siebzigern, außerdem wurde jede Menge roter Zwirn vernäht.

Mit 19.620 Euro ist der VW Polo GTI der Zweitteuerste hier, ähnlich wie beim Mini sind aber Selbstverständlichkeiten dieser Preisklasse wie Einstiegshilfe (92 Euro), CD-Radio (467 Euro) oder Bordcomputer (152 Euro) extra zu bezahlen. Ganz anders als beim teuren Peugeot 207 150 Platinum 150 THP für 19.850 Euro, der mit einer Komplettausstattung glänzt. Auch beim Citroën C2 1.6 SportChic für 18.340 Euro ist viel Luxus an Bord, selbst Ledersitze. Und Suzuki spendiert dem Swift 1.6 Sport für 17.500 Euro sogar ein CD-Radio mit Navigation. Der Mini Cooper kostet 17.799 Euro, ohne ESP (513 Euro) und manches andere. Seine Fans werden solche Preise nicht stören, und sie machen mit dem knuffigen englischen Kultmobil auch ganz bestimmt nichts falsch. Nüchtern und ohne Kult betrachtet, heißt der wahre Überflieger in diesem Vergleich jedoch eindeutig VW Polo GTI.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke:


AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Streng rational betrachtet, ist der Mini Cooper nicht der absolute Überflieger. Er findet hier im VW Polo GTI seinen Meister – bitter für ein Kultmobil. Aber, Hand aufs Herz, wer betrachtet ein Auto schon ausschließlich rational? Also, der Cooper ist so charmant wie eh und jeh, der Erfolg wird sich fortsetzen. Gleiches gilt aber auch für den Polo GTI: Er überzeugt rundum, setzt mit Motor und Fahrwerk die Maßstäbe. Über den dritten Platz darf sich der Suzuki Swift freuen – eine Knallbüchse, im besten Sinn. Frisch, laut und frech. Der Peugeot 207 lebt von seinem wunderbaren Motor, der allein ein Grund wäre, das Auto zu kaufen. Der Citroën C2 fällt hier etwas ab, Motor und Fahrwerk können nicht ganz mithalten. Unsympathisch indes ist der kantige kleine Franzose deshalb noch lange nicht.

Den kompletten Vergleichstest mit allen Daten, Fakten und Testwerten können Sie aus unserem Heftarchiv herunterladen. Hier geht es direkt in den Download-Bereich.

Autor: Dirk Branke

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