Fünf Kleinwagen im Vergleich

Grande Punto – Clio – 207 – Yaris – Polo Grande Punto – Clio – 207 – Yaris – Polo

Fünf Kleinwagen

— 09.05.2006

Welcher Kleine ist der Größte?

Die Kleinwagen wachsen über sich hinaus. So auch der neue Peugeot 207, der sich erstmals mit Polo, Yaris, Clio, und Grande Punto mißt.

Betriebskosten, Garantien und Preise

Kommt es am Ende etwa doch auf die Länge an? Was Frauenmagazine lange abgehakt und verneint haben, das ist bei Kleinwagen ein heißes Thema. Ob brandneuer Peugeot 207, Fiat Grande Punto oder Renault Clio – alle drei prahlen mit einem Wachstumsschub nach dem Motto: Länge läuft. Kompaktheit ist in den klassischen Kleinwagenländern Frankreich und Italien leider keine Tugend mehr. 207, Clio und Grande Punto sind deutlich gestreckter als ihre Vorgänger. Nur der Toyota Yaris und VW Polo bleiben weit unter der Vier-Meter-Marke.

Besonders ambitioniert greift Peugeot an. Schließlich war der Vorgänger 206+ lange Europas meistverkauftes Auto. Beim Neuen sollen 21 Zentimeter zusätzliche Länge mehr Platz im Innenraum schaffen. Gegenüber dem 206 mag der Raumgewinn spürbar sein, in diesem Fünferfeld jedoch hat der Franzose das kleinste Platzangebot. Vorn ist der Komfort dank ordentlicher Sitze angenehm, hinten indes finden Passagiere wenig Kopf- und Kniefreiheit. Kaum Fortschritt bietet der Kofferraum. 923 Liter maximal und eine hohe Ladekante sind keine Meisterleistung.

Dafür macht er optisch einen sportiven Eindruck. Vorn liegt er mit seiner großen Schnauze tief auf der Fahrbahn, hinten sorgt ein muskulöses Heck für stämmige Erscheinung. Die so erweckten Erwartungen löst er beim Fahren ein. Spritzig dreht sein Vierzylinder hoch und bringt den 207 auf eine Spitze, die laut Tacho fünf km/h unter den versprochenen 180 liegt. Sicherheit wird beim Peugeot zunächst großgeschrieben. So hat er als einziger fünf optische Gurtwarner – was spektakulär aussieht und bei der Crashtestbewertung belohnt wird. Beim Insassenschutz nach der EuroNCAP-Norm holte er denn auch die Fünf-Sterne-Höchstwertung.

Technische Daten und Vmax

Doch die übrige Sicherheitsausstattung geriet eher mager. Vier Airbags, ABS, kein ESP. Das war's. Da hat die Konkurrenz – allen voran Toyota – viel mehr zu bieten. Auch in puncto Fahrstabilität überzeugt der 207 nicht restlos. Unser Testwagen hatte den optionalen Schleuderschutz ESP an Bord – und ihn auch nötig. Denn bei höherem Kurventempo merkt man trotz ESP-Eingriff deutlich, daß das Heck nach außen drängt. Für die Versionen Filou und Tendance kostet ESP 450 Euro extra und sei sicherheitsbewußten 207-Käufern ans Herz gelegt.

Lenkung und Schaltung arbeiten auf durchschnittlichem Niveau, beiden fehlt jedoch die notwendige Präzision. Ähnliches gilt für den Fahrkomfort. Nicht schlecht, aber auch nicht überragend. So dringen auf schlechten Straßen Stöße spürbar durch. Am Ende bleibt die nüchterne Feststellung, daß der 207 seine hohen Ansprüche nur zum Teil erfüllt.

Beim Clio sorgt das Längenwachstum ebenfalls nicht für spontane Begeisterung. Für einen Renault sieht das Design konservativ aus. Bis auf die glänzenden Türgriffe (ab Edition Dynamique) wirkt er stilistisch beliebig. Anders das Interieur. Hier ist das Bemühen um französischen Chic offensichtlich. Silbern eingefaßte Armaturen und Lüftungsdüsen sowie Versteller, die an eine Computermaus erinnern, sind gelungene Details. Funktionell bleibt Verbesserungspotential: Außenspiegel zu klein, die Sitzposition hinterm nur höhenverstellbaren Lenkrad angespannt, und im Kofferraum stört bei umgelegten Rücksitzlehnen eine Blechwulst das Laden von sperrigen Gütern.

Fahrleistungen und Verbrauch

Wie der 207 wird der Clio von einem 88-PS-Vierzylinder angetrieben. Ähnlich ist seine Lenkung. Auch sie arbeitet elektrisch unterstützt und vermittelt zu wenig Gefühl. In scharfen Kurven zeigt der Clio gutkalkulierbares Untersteuern. Verreißen des Lenkrads bringt allerdings viel Unruhe in den Aufbau; ESP kostet 500 Euro Aufpreis. Gut: Bei Vollbremsungen aktiviert der Renault wie der Peugeot die Warnblinkanlage automatisch. Souverän verhält sich der Clio auf grobem Straßenbelag. Das Fahrwerk dämpft Löcher besser als der Peugeot.

Und auch besser als der Fiat, dessen Rumpel-Fahrwerk selbst kleinste Stöße schlecht wegfiltert. Im Vergleich mit seinen Konkurrenten ist die "Hat-er-nicht-Liste" des Punto lang: kein Einklemmschutz für die E-Fenster, keine Bügel-Türöffner, sondern nur Hebeplatten, keine höhenverstellbaren Gurte. Beim Fahreindruck kann er nur mäßig punkten. Die Lenkung reagiert spitz und erfordert Gewöhnung. Seine City-Taste reduziert die Lenkkräfte noch weiter, ist aber überflüssig. Auch die Bremse verlangt Gefühl: Ihr Druckpunkt ist schlecht definiert, die Dosierung schwierig und der Anhalteweg lang. Nein, dieser Fiat kann in keiner Beziehung überzeugen.

Ganz anders der VW: Obwohl schon 2001 vorgestellt, kann er noch immer vorn mitfahren. Sein Interieur ist solide und bequem. Dank 3,92 Meter Länge zwängt er sich in enge Parklücken. Der 75-PS-Motor wirkt zwar müde, reicht aber für die meisten Fahrten aus. Die elektrohydraulische Lenkung, Fahrwerk und Schaltung setzen nach wie vor Maßstäbe. Man kann ihm eigentlich nur das Mini-Handschuhfach, die fehlenden Türablagen hinten und den hohen Preis bei mäßiger Ausstattung ankreiden.

Fazit und Wertung

Seinen Meister findet er im Toyota. Der Yaris ist die positive Überraschung in diesem Vergleich. Großes Platzangebot und tolles Innenraumkonzept zeigen, wie ein moderner Kleinwagen aussehen kann. Was Toyota auf 3,75 Metern bietet, ist klasse. Vor allem die spielerisch verschieb- und klappbare Rückbank macht den Yaris flexibel. Als einziger hat er einen ebenen Ladeboden. Darunter befindet sich Zusatzstauraum plus zwei demontierbare Plastikschalen für Kleinkram. Vorn gibt es jede Menge praktische Ablagen und Fächer – ein durchdachtes System.

Hinterm Lenkrad vermittelt der Toyota ein Van-artiges Gefühl. Der Einstieg ist dank der 61 Zentimeter hohen Sitzposition angenehm leicht. Nach vorn ist er allerdings schwer einzuschätzen. Bei Komfort und Handling gibt sich der Yaris keine Blöße. Schlechte Straßen meistert er souverän. Schnelle Kurven auch. Daß ihm 87 PS für flottes Fortkommen reichen, liegt am geringen Leergewicht von 1070 Kilogramm. Das sind 130 weniger als beim Peugeot und beweist, daß neue Autos nicht länger werden müssen, um vorn zu liegen. In der Kürze liegt die Würze.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan:Das war nix, Peugeot. Der 207 ist zwar das jüngste Auto, wird aber vorletzter. Okay, er sieht dynamisch aus und fährt auch so. Doch bei Platzangebot und Sicherheit leistet er sich entscheidende Patzer. Wer auf Platz Wert legt und Mittelmaß akzeptiert, ist bei Fiat richtig aufgehoben. Wie man gute Ideen in einen Kleinwagen verpackt, der dieses Prädikat auch verdient, zeigt Toyota. Der Yaris hat innere Größe, ist modern und ein würdiger Sieger.

Autor: Jörg Maltzan

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