Fünf Luxus-Limousinen im Test

Fünf Oberklasse-Limousinen im Vergleich Fünf Oberklasse-Limousinen im Vergleich

Fünf Luxus-Limousinen im Test

— 06.06.2005

Oberklasse mit Stern

Angriff aus Übersee: Cadillac und Lexus drängen in den Club der Sechszylinder-Limousinen. Die deutsche Elite muß richtig Gas geben.

"Made in Germany" gegen Übersee

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Nein, ich spreche nicht vom Kanzler und der roten Karte aus Nordrhein-Westfalen – dieser Zug ist ohnehin abgefahren. Nein, ich meine die deutschen Premium-Produzenten Audi, BMW und Mercedes. Obwohl der Motor der deutschen Wirtschaft längst noch nicht wieder auf Hochtouren läuft, geht es bergauf. Zwar sanken die Zulassungen bei Mercedes in den ersten vier Monaten 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 9,7 Prozent, aber Audi (+3,3 Prozent) und BMW (+17,4 Prozent) geben kräftig Gas.

Und in der Oberklasse spielen die drei hierzulande sowieso die erste Geige. Doch jetzt mischen sich fremde Töne in das Luxus-Konzert. Lexus GS 300 aus Japan und Cadillac STS 3.6 V6 aus Amerika führen den Doppelangriff. Audi A6 3.2 FSI, BMW 530i und Mercedes E 350 stellen sich der Herausforderung und verteidigen das Gütesiegel "made in Germany".

Gegen den ebenso mächtigen wie kantigen Cadillac scheint das zunächst nicht schwer. Doch halt, nicht zu voreilig die Beute verteilen: Denn besser als dieser STS war kein Caddi zuvor. Der 3,6-Liter-V6 liefert 257 PS an die Hinterräder, kommt damit jederzeit schnell genug vom Fleck. Erst im direkten Vergleich fällt auf, daß der STS sich stets ein bißchen mehr Zeit läßt als die Konkurrenz. Was unter anderem am Leergewicht des 4,99-Meter-Schiffes liegt: 1835 Kilo – satte 155 Kilo mehr als der BMW.

Der Fünfgang-Automatik fehlen nicht nur ein (Lexus, BMW) bis zwei (Mercedes) Fahrstufen, sondern auch der letzte Feinschliff. Es muß ja nicht gleich völlig ruckfrei wie bei der Multitronic von Audi sein, etwas sanfter könnte es aber schon zugehen.

Caddi im Schlingerkurs um die Ecken

Sanfter, das gilt auch für die Federung des Cadillac. Obwohl beim gemütlichen Ritt über gepflegte Straßen durchaus angenehm, verrät die Abstimmung bei anspruchsvolleren Aufgaben Schwächen. Geräuschvoll arbeitet auch das StabiliTrak genannte ESP, das den STS spät, aber energisch auf Kurs hält. Kritisch wird es nur bei Nässe. Auf amerikanischen Reifen wie beim Testwagen versetzt der Caddi sein Heck beim eiligen Einbiegen in Unruhe.

Doch dafür entschädigt die große US-Limousine mit ordentlich Platz auf ausladenden (aber haltlosen) und elektrisch verstellbaren Ledersesseln (Serie). Im Fond strecke ich nirgendwo sonst so entspannt die Beine und lümmele selbst zu dritt noch lässig im Polster. Für angenehmes Ambiente sorgt die umfangreiche Ausstattung samt CD-Wechsler und Klimaautomatik.

Übertroffen wird der Cadillac in diesem Punkt nur vom Lexus. Der schnittige Japaner verwöhnt mit umfangreichen Komfortfunktionen ohne Aufpreis, bietet das komplette Sicherheitsprogramm. Selbst Knieairbags vorn und Kurvenlicht kosten nichts extra. Beim Elchtest erinnert der Japaner an seinen US-Kollegen. Vor allem beladen läßt er das Heck lässig raushängen, fängt es unter heftigem Elektronik-Einsatz wieder ein.

Bei mir schafft das wenig Vertrauen, Risiken und Nebenwirkungen lauern aber nicht. Dem Fahrer drohen dennoch gewisse Unannehmlichkeiten. Zwingt das insgesamt eher knappe Raumangebot schon zum Kuscheln, heißt es für mich (1,97 m) vorn auch noch Kopf einziehen. Tip: Aufs Schiebedach (1250 Euro) verzichten, das schafft mehr Luft überm Scheitel.

Lexus mit kleinen Schönheitsfehlern

Einen aufgeräumten Eindruck hinterläßt das Cockpit des Lexus. Über die eleganten Instrumente huschen Leuchtzeiger wie Laserschwerter durch die Star-Wars-Filme. Dazu wenige, logisch plazierte Knöpfe, geniale Touchscreen-Steuerung plus Rückfahrkamera (3500 Euro, Serie bei Luxury Line) sowie bequeme Lederpolster.

Doch dann suche ich den Schalter fürs Heckrollo. Und finde ihn erst in einem separat aufklappenden Tableau links vom Lenkrad. Wer hat sich denn das ausgedacht? Ziemlich praxisfremd und fummelig, man muß zumindest einen Knopf mehr drücken als sonst. Und sollte ich vergessen, den Tastenblock wieder einzuklappen, stoße ich mir auch noch das Knie.

Ungewohnt auch die kleinen "Schönheitsfehler" im Detail. Unser ansonsten gut gemachter und wertig wirkender GS nervte in Kurven mit unfeinem Knarzen, die hintere Innenleuchte fiel während der Testfahrt aus der Decke. Das kannten wir von Lexus bisher nicht, immerhin liegen die Japaner in den USA, was die Kundenzufriedenheit angeht (J. D.- Power-Studie), wieder ganz vorn (BMW 3., Cadillac 5., Mercedes-Benz 6., Audi 8.).

Die größte Begeisterung weckte bei mir allerdings der Dreiliter-V6. Herrlich laufruhig und gleichmäßig schiebt er die Fuhre an. Dabei erreicht er zwar nicht ganz die Fahrleistungen der Deutschen, hinterläßt aber einen kräftigen und kultivierten Eindruck. Zusammen mit der aufmerksamen Sechsgangautomatik ein Traum-Triebwerk.

Audi mit dem stimmigsten Konzept

Auch das Fahrwerk des Lexus muß sich in diesem Vergleich nicht verstecken. In der Grundtendenz straffer ausgelegt als die E-Klasse, liegt der Komfort auf einem Niveau mit Audi und BMW. Abstriche bei der Fahrsicherheit müssen ebenfalls nicht sein – es sei denn, Sie heißen Michael Schumacher und geben permanent 150 Prozent. Dann erweist sich die Lenkung als zu gefühllos, wankt der GS 300 ein wenig über die Piste, kommt das ESP (heißt hier VDC) aus dem Regelbereich kaum mehr raus. Im Normalfall, und damit bei 99,99 Prozent aller Fahrer, benimmt sich der Lexus aber absolut brav. Anbrennen kann hier nichts.

Diese Sorglos-Sicherheit fährt auch bei A6, 5er und E-Klasse serienmäßig mit. Darüber hinaus besticht der Audi vor allem durch hohe Agilität und eine Extraportion Fahrspaß. Auch wenn mich persönlich der A6 3.2 FSI quattro mit Vollautomatik eher überzeugt, läßt sich dem Fronttriebler mit Multitronic objektiv wenig vorwerfen.

Wer kritisieren will, nimmt am besten die sportliche Federung zum Anlaß. Kleine Fahrbahnfehler versetzen die 4,92 Meter lange Karosserie in nervöse Schwingungen und verpuffen nicht wie bei der E-Klasse in den Federn. Dafür tritt der 3,2-Liter-Benzin-Direkteinspritzer herrlich spontan an und schickt über die stufenlose Automatik 255 hellwache PS an die Vorderräder. So motorisiert, bleiben kaum Wünsche offen, nur in nassen, engen Kehren scharren die Antriebsräder beim starken Gasgeben. Unter Last brüllt der V6 kernig, bei Innen- und Außengeräusch fallen stets ein paar Dezibel mehr an.

BMW und Mercedes mit viel Fahrspaß

Die sportliche Tour versucht auch der 530i. Sein festes Fahrwerk schluckt zwar nicht jede Unebenheit, der 5er macht aber einfach Spaß und wird dem BMW-Credo voll gerecht. Gierig hetzt der Bayer von Kurve zu Kurve, übertreibt fast schon mit übernervösem Einlenken und gefällt mit feiner Balance. Der 258 PS starke Reihensechser dreht vielleicht nicht ganz so ungestüm aus wie die V6-Kollegen, verwöhnt aber mit sonorem Sound und der legendären Laufruhe. Abgerundet wird das Bild durch passende Einsätze der Sechsgang-Automatik. Ja, keine Frage, dieser BMW begeistert. Mich und wohl jeden, der gern etwas aktiver fährt.

Dennoch bleiben ein paar Kritikpunkte. Das Platzangebot vorn erreicht ordentliche, aber keinesfalls großzügige Dimensionen. Und mit dem iDrive kann ich mich auch in der abgespeckten Variante noch immer nicht anfreunden. Lexus und Audi machen die Bedienung einfach leichter, bieten die logischeren Lösungen.

Rätsel gibt auch Mercedes-Benz nicht auf. Im Gegenteil. Das Wohlfühlen beginnt mit dem Türzuschlagen. Endlich solide Verarbeitung, hohe Funktionalität, perfekte Sitzposition für jeden zwischen 1,50 und 2,10 Meter – hier bin ich Mensch, hier kann ich’s sein. Unterstützt wird der gute erste Eindruck durch den heldenhaften 3,5-Liter-V6 und das geschmeidige Fahrwerk. Mit 272 PS der stärkste Sechszylinder im Feld, überzeugt der E 350 nicht nur mit den besten Fahrleistungen, sondern auch mit einer unverschämten Potenz und feinem Klang. Im perfekten Zusammenspiel mit der Siebengang-Automatik für mich derzeit der beste Antrieb bei Mercedes.

Preise und Testwerte im Download

Ähnlich hohe Standards erreicht der Komfort des Mercedes. Mit welcher Gelassenheit und Gründlichkeit die Federung selbst grobe Straßenschäden niederbügelt, nötigt Respekt ab. Zumal der E 350 trotz dieser geschmeidigen Grundauslegung hier keineswegs die watteweiche Senioren-Schaukel abgibt. Nein, auch ohne die Agilität oder direkte Auslegung eines A6 oder 5ers zu erreichen, hält der Stern selbst auf der Rundstrecke ordentlich mit.

Anstößig fällt dagegen der Preis aus. Mit 47.038 Euro muß man für den E 350 mit Abstand am tiefsten in die Tasche greifen. Beschämend die zwei Jahre Gewährleistung wie bei BMW. Ähnlich teuer kommt der Cadillac STS 3.6 V6 für 45.950 Euro. Er bietet zwar drei Jahre echte Garantie, die Versicherer langen mit Vollkasko-Klasse 28 aber mächtig zu.

Audi A6 3.2 FSI und BMW 530i liegen beim Preis fast gleichauf: 43.500 Euro kostet der Münchner, 43.350 der Ingolstädter. Als Schnäppchen fährt schließlich der randvoll gestopfte Lexus GS 300 vor. 40.500 Euro sind ein Wort. Unterm Strich kommt die Oberklasse mit Stern aber weiter aus Deutschland. Kein Grund zum Ausruhen.

Den kompletten Vergleichstest mit allen technischen Daten, Meßwerten und den Testergebnissen können Sie gleich hier für 1,00 Euro herunterladen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi A6 3.2 FSI, BMW 530i, Cadillac STS 3.6 V6, Lexus GS 300 und Mercedes Benz E 350. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.