Fünf Mittelklasse-Diesel im Test

A4 2.0 TDI – 320d – C 220 CDI – IS 220d – 159 JTDM A4 2.0 TDI – 320d – C 220 CDI – IS 220d – 159 JTDM

Fünf Mittelklasse-Limousinen mit Diesel

— 11.05.2007

Sieg für die C-Klasse?

Die Mercedes C-Klasse fährt vor, und schon stehen die Herausforderer bereit: Alfa 159, Audi A4, BMW 3er und Lexus IS treten zum Vergleich an.

Fünfkampf in der gehobenen Mittelklasse

Meine Yacht, mein Haus, mein Auto – heute zählen vor allem Statussymbole. Entsprechend heftig tobt der Kampf unter den Premium-Herstellern. Und da wir uns beruflich weniger für Immobilien oder Wassersport interessieren, schauen wir mal, was bei den Autos so los ist. Im heiß umkämpften Mittelgewicht versucht der langjährige Champion C-Klasse gerade sein Comeback. Als C 220 CDI mit 170 PS Kampfgewicht muss er sich gegen vier heißblütige Herausforderer beweisen. Schon öfter mit Punktsiegen aus dem Ring gefahren, stehen BMW 320d und Audi A4 2.0 TDI ganz oben auf der Rangliste. Als Außenseiter wollen Alfa 159 JTDM und Lexus IS 220d dem Champion einen fulminanten Fight liefern und den einen oder anderen Überraschungstreffer landen. Ring frei also zum Fünfkampf in der gehobenen Mittelklasse.

Die C-Klasse verfehlt trotz leichten Zuwachses in allen Dimensionen die idealen Wettkampfmaße. In Reihe eins zusammen mit dem Audi noch großzügig wie eine VIP-Lounge, kneift es hinten doch überraschend deutlich. Nicht so sehr wie im wahrlich schmalbrüstigen Lexus, doch selbst im Alfa geht es hier minimal gemütlicher zu. Der 3er scheint sogar eine halbe Klasse höher antreten zu wollen. Breite Schultern und lange Beine finden hier bequemer Unterschlupf, man sitzt zudem ausgesprochen entspannt. Etliche Sporttaschen plus Sandsack schluckt dafür der Kofferraum der C-Klasse, der knapp über den ebenfalls großzügigen Ladeluken von A4 und 3er liegt. Eng wird es dagegen für Alfa und besonders Lexus – das zweite Paar Boxhandschuhe muss beim Japaner vielleicht doch zu Hause bleiben. Und die Jungs aus dem Fitnessstudio mitzunehmen, scheitert an schmächtigen 385 Kilogramm Zuladung.

Audi kann bei der Ausstattung nicht überzeugen

Ein gelungener Beitrag zum Thema "schöner fahren": der BMW 320d.

Bei der Ausstattung sammelt der Mercedes eifrig Punkte, liegt fast auf dem Niveau des traditionell sehr kompletten Lexus. Geringe Abstriche müssen bei Alfa und BMW gemacht werden. Nicht nachvollziehbar, warum der 3er auf Nebellampen und dynamische Kopfstützen verzichtet – so was gehört in dieser Liga eigentlich zum Standardprogramm. Als Fliegengewicht in Sachen Ausstattung erweist sich allerdings der Audi. Selbst elektrische Fensterheber hinten oder beheizbare Außenspiegel kosten hier extra. Was, bitte, ist daran premium? Andererseits überzeugt der Oldie (Debüt 2000) mit hoher Funktionalität, solider Verarbeitung und exzellenten Sitzen. Moderner, schwungvoller, aber vielleicht nicht ganz so elegant kommt der 3er daher. Mit iDrive für die Computergeneration, gediegen-hochwertigem Ambiente und ausgezeichnetem Gestühl – abseits aller Geschmacksfragen ein gelungener Beitrag zum Thema "schöner fahren".

Auf vergleichbarem Qualitätsniveau, mit Leuchtzeigern wie Laserschwertern, kühlem Technik-Touch und in trendigem Möbeldesign, beeindruckt der Lexus die Kampfrichter. Das schafft der Alfa ebenfalls – solange wir nicht einsteigen. Das unwiderstehliche Design lässt die vier Mitstreiter verblassen wie Stefan Raab neben Regina Halmich, das ebenso mäßig verarbeitete wie wenig ergonomische Cockpit und die stets zu hohe Sitzposition sind fiese Tiefschläge. Alfisti wird's nicht stören.

Der Motor bringt BMW in die Favoritenrolle

Spontaner Antritt: Der BMW-Diesel gehört zu den besten im Vergleich.

Beim Motor setzt Mercedes auf bewährte Dieseltechnik – wie bei den Gegnern inklusive Sechsgang-Handschaltung und Partikelfilter. Der 220 CDI schickt sanft schurrende 170 PS an die Hinterräder und bringt die C-Klasse flott in Fahrt. Das klingt nicht nur harmonisch, sondern fährt sich auch genauso. Abhängig von der Situation gibt der Mercedes den eleganten Gentleman-Boxer ebenso überzeugend wie den aggressiven Angriffs-Fighter. Einzig die leichte Anfahrschwäche bringt den C 220 CDI immer mal aus dem Rhythmus. Der 320d nutzt diese Konzentrationsschwäche sofort aus und setzt mit seinem 163 PS starken Zweiliter konsequent nach. Auch wenn der Benz noch leisere Töne anschlägt, gehört der BMW-Diesel zu den besten Triebwerken im Ring. Spontaner Antritt aus dem Leerlauf und gleichmäßige Kraftentfaltung über das gesamte Drehzahlband drängen den BMW in die Favoritenrolle.

Durstiger Italiener: Der Alfa 159 hat mit 7,5 Litern den höchsten Verbrauch.

Zwar dreht der Mercedes obenraus noch williger, dafür beeindruckt der BMW mit einem asketischen Verbrauch von 6,3 Litern pro 100 km – selbst Sparfuchs A4 TDI braucht mehr. Bei der Elastizität muss der BMW allerdings vor dem bärbeißigen TDI kapitulieren. Ab 2000 Touren reißt der A4 unwiderstehlich an und stürmt mit 170 PS auf die Vorderräder ein wie einst Muhammad Ali auf seine Gegner. Das Ergebnis sind respektable Fahrleistungen, aber auch Traktionsprobleme bei Nässe und ein raubeiniger Motorlauf. Ungestüm und nicht gerade leise geht auch der Alfa 2.4 JTDM zu Werke, er mischt in den knurrigen Dieselsound zur Versöhnung aber noch einen herrlichen Fünfzylinder-Rock. Dass die immerhin 200 PS den 159 dennoch kaum schneller aus der Ecke schnellen lassen als den 3er, verzeihen wir da schon mal – der Alfa geht insgesamt richtig gut. Trinkt aber etwas mehr: 7,5 Liter sind in diesem Vergleich der Höchstwert.

An der Kasse folgt die Überraschung

Lexus schickt den IS 220d Sport mit kurzer Achsübersetzung (Serie beim Sport, sonst 600 Euro) ins Rennen. Damit bleibt der 177 PS starke Japaner im Sprint zwar immer noch Letzter, bei der Elastizität fährt er zusammen mit Mercedes aber ganz nach vorn. Forsch und flink zieht der Lexus beim Überholen davon, erregt akustisch dennoch wenig Aufsehen. Auch wenn die Spitze mit der kurzen Achse auf 215 km/h (sonst 220) schrumpft und die versammelte Konkurrenz mindestens zehn Kilometer pro Stunde mehr schafft, lohnt sich die Investition.

Verspricht Spaß auf dem Rundkurs: der Heckantrieb des Lexus IS.

Für ein bisschen Sparring auf der Rennstrecke versprechen die Hecktriebler Mercedes, BMW und Lexus den meisten Spaß. Risiken und Nebenwirkungen bleiben dank ESP bei allen fünf Kandidaten aufs Unvermeidliche beschränkt. Die C-Klasse, die hier als Avantgarde mit 17-Zoll-Bereifung einläuft, vermittelt bisher nicht gekannte Fahrdynamik und Agilität. Präzise lenkt der C 220 CDI ein, trifft spielerisch die Ideallinie und hechelt der nächsten Kurvenkombination entgegen. Okay, besonders bei kurzen Stößen leidet der Komfort etwas unter diesen dynamischen Ambitionen, dennoch bleibt die C-Klasse ein entspannter Gleiter. Der alltagstaugliche, aber betont straff abgestimmte 3er-BMW führt da schon eher zu Streitigkeiten. Während der Papi das scharfe Handling genießt und die ziemlich stramme Lenkung als sportlich-fest verteidigt, jammern Oma und die Kinder auf schlechten Pisten über hartes Abrollen und steifes Ansprechen. Auch fehlt trotz direkter Lenkung der präzise Geradeauslauf des Mercedes C 220.

Der Lexus findet und meldet jeden Fahrbahnfehler

Neigt auf schlechten Straßen zum Poltern: das Fahrwerk des Audi A4.

Audi-Piloten leiden in doppelter Hinsicht unter dem Frontantrieb ihres A4. Erstens gerät das Handling damit nicht besonders sportlich, vermasselt stures Untersteuern wirklich schnelle Rundenzeiten. Zweitens poltert die Vorderachse ungebührlich laut über Stock und Stein. Werden die Straßen besser, beweist aber auch der Audi ein eher sanftes Gemüt und schmusigen Komfort. Eine Erfahrung, die im Lexus kaum zu machen ist. Die steife Fahrwerkauslegung und die 18-Zoll-Räder des Sportpakets lassen den IS in ständiger Unruhe über die Straßen zittern. Nur der Langsamfahrkomfort bei feinen Unebenheiten kann hier überzeugen. Ansonsten scheint der Lexus wirklich jeden Fahrbahnfehler finden und auch vermelden zu wollen. Die Lenkung erweist sich demgegenüber als völlig gefühllos – worunter der Fahrspaß im heckgetriebenen IS mächtig leidet. Der Fahrer bleibt über das Geschehen zwischen Profil und Piste komplett im Unklaren, ein Rückstellmoment fehlt weitgehend, das spitze Ansprechen aus der Mittellage beeinträchtigt den Geradeauslauf – was immer sich Lexus dabei gedacht hat, bitte überlegt es Euch noch mal.

Auch beim Alfa fehlt noch Feinarbeit. Querfugen und Absätze stoßen heftig und auch sehr lautstark auf – man muss schon einigen Sportgeist mitbringen, um sich mit dem 159 anzufreunden. Die Lenkung erledigt ihre Sache dafür ordentlich, ohne das hohe Niveau von BMW oder Mercedes zu erreichen. Anders als Kollege Audi zeigt uns der frontgetriebene Italiener in schnellen Kurven aber deutlich später die Rote Karte. Der 159 bleibt lange neutral, schiebt erst am Limit hemmungslos geradeaus.

Beim Unterhalt langt der Alfa ziemlich hin

An der Kasse folgt die Überraschung: Der Audi A4 2.0 TDI landet mit 31.400 Euro den wirkungsvollsten Treffer, knausert aber auch bei der Ausstattung. Immerhin verbucht der Oldie im Feld noch sehr gute Chancen auf dem Gebrauchtmarkt. Ebenfalls nicht gerade üppig ausgestattet, schiebt sich der BMW 320d für 32.000 Euro in den Vordergrund, der beste Verbrauch im Vergleich bringt weitere Pluspunkte. Nur fünf Jahre Mobilitätsgarantie sprechen allerdings nicht für großes Vertrauen in die eigenen Produkte. Ein angenehm ausgewogenes Verhältnis von Ausstattung und Preis liefert der Alfa 159 2.4 JTDM Progression, der 32.750 Euro kostet. Leider langt der Italiener aber beim Unterhalt ziemlich hin. Die Garantien fallen ebenso mäßig aus wie der Werterhalt im Alter, die Versicherer halten gleich beide Hände auf.

Gut gestopft, aber teuer sind der Mercedes C 220 CDI Avantgarde für 36.212 Euro und der Lexus IS 220d Sport Line für 36.650 Euro. Der Lexus leistet sich nebenbei auch noch einen Luxusaufschlag bei Versicherung (VK 27) und Wartung (jährlicher Check), während der Benz mit teuren Extras schreckt. Glänzen kann der Stuttgarter dafür mit 30 Jahren Mobilitäts- und Durchrostungsgarantie sowie einem Top-Wiederverkauf. Und als Statussymbol ist so ein Stern auch nicht ganz falsch.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka:

Gerald Czajka

So dicht liegen die Besten heute zusammen: Vor fünf Wochen noch konnte der Mercedes ganz knapp den BMW schlagen. Heute geht das Rennen andersherum aus. Der C 220 CDI muss sich mit Platz zwei hinter dem BMW 320d begnügen, weil er als teurer Avantgarde mit 17-Zoll-Rädern antritt. Das macht ihn zwar unglaublich fahraktiv, kostet aber entscheidende Punkte beim Preis. Außerdem wiegt der Avantgarde geringfügig mehr, verliert so einen Punkt bei der Zuladung.

Den gesamten Vergleich mit allen technischen Daten und Wertungen können Sie hier als PDF herunterladen.

Autor: Gerald Czajka

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