Fünf Vans im Vergleich

Die hohe Kunst des Ladens: fünf Vans im Vergleich Die hohe Kunst des Ladens: fünf Vans im Vergleich

Fünf Vans im Test

— 09.10.2006

Die hohe Kunst des Ladens

Wer sperrige Dinge zu tranportieren hat, nimmt am besten einen Van. Neu in die Klasse der Raumkünstler fährt der Kia Carens. Fällt er aus dem Rahmen? Vergleich mit Mazda5, Opel Zafira, Renault Grand Scénic und VW Touran.

Außen kompakt, innen ganz groß

Es ist schwierig, Kunst zu transportieren. In jeder Hinsicht. In der Wissenschaft? Reine Ansichtssache! Im Alltag? Da kommt es auf die Kunst an, das richtige Auto zu wählen. Zum Beispiel um bedeutende Werke behutsam ans Ziel zu bringen. Ein großer Kofferraum zählt in dieser Klasse nämlich mehr als avantgardistisches Design. Deshalb gehören zu den Klassikern in Galerie-Garagen praktische Kompaktvans. Diese in erster Linie als freundliche Familienkutschen konstruierten Raumwunder, die statt Kinderwagen auch problemlos Bilderrahmen laden.

Neu im Ausstellungsraum steht ein Koreaner, die zweite Auflage des Kia Carens. Bisher gab es nur mittelmäßige Testergebnisse in AUTO BILD, dafür war er billig (ab 17.615 Euro). Ein Auto ohne Eigenschaften, das am ehesten noch an die Konkurrenz erinnerte: Renault Grand Scénic, Opel Zafira und VW Touran sind im Vergleich zum Carens nämlich echte Marken, die Originale unter den Vans. Der Renault hat die Klasse mitbegründet, die anderen beiden führen in ihrem Segment die Zulassungsstatistik in Deutschland an. Zu ihnen aufschließen will auch der Mazda5. Ein geräumiger Siebensitzer (Basis mit fünf Plätzen), der als Besonderheit Schiebetüren für die Fondpassagiere anbietet. Die gibt es bei Kia erst im größeren Van Carnival, der Carens muss mit konventionellen Türen auskommen.

Die Vokabel konventionell trifft den Carens auch sonst. Sie passt immer. Die Form? Konventionell. Der Innenraum? Konventionell. Das Klappsystem der Rückbank? Ebenfalls konventionell. Voller Ideen stecken andere. Kia ahmt nach, was sich im Van-Bau bewährt hat. Und das machen die Koreaner wirklich ordentlich.

Spendabel: Kia bietet unter anderem Klima und CD-Radio in Serie.

Der Kunststoff beleidigt endlich nicht mehr Finger und Augen. Schwarze Ledersitze und ein tiefschwarzes Armaturenbrett lassen den geräumigen Innenraum optisch schrumpfen. Die Sitze sind komfortabel, die Polster reichen bis in die Kniekehlen. Das wachsglatte Lenkrad lässt sich allerdings nur in der Höhe verstellen.

Vier Schritte bis um Sender

In der Mittelkonsole sitzen Klimaanlage und Clarion-Navi-Gerät (1990 Euro) inklusive integriertem CD-Radio. Die Anzahl der Reglerknöpfe lässt sich an einer Hand abzählen. Allerdings treibt einen die Bedienung in den Wahnsinn. Beispiel Einstellen eines Radiosenders. Dafür benötigt der Carens folgende Kombination: Erst "AV" auf dem Touchscreen berühren, dann "SRC", "Tuner" und schließlich "Band" wählen. Verstanden? Klingt wie die Anleitung eines chinesischen DVD-Spielers, gekauft im Billigmarkt. Gut, dass sich das Auto nach bewährtem Schema fährt.

Wackel-Kandidat: Der Carens ist sicher, kippt aber unangenehm zur Seite.

Der Carens startet mit einem Zündschlüssel und schaltet mit einem manuellen Sechsganggetriebe. Das funktioniert vernünftig. Anders als die Lenkung, die bei schnellen Spurwechseln verhärtet und ohne Hilfe des Fahrers nicht mehr zurück in die Mittellage findet. Irgendwie rollt der Carens eckig um Kurven. Dafür erstaunlich komfortabel, seine Dämpferabstimmung bewegt sich zwischen der Sänfte eines Renault Scénic und der sportlichen Härte eines Opel Zafira. Spektakulärer als die beiden wirft sich der Carens in Kurven, die Karosserie neigt sich spürbar zur Seite. Auf der Autobahn säuselt der Wind schon bei niedriger Reisegeschwindigkeit um die Außenspiegel und übertönt den Dieselmotor mit seinen 140 PS. Der benötigt mit 11,1 Sekunden einen Wimpernschlag länger als die Konkurrenz, um Tacho 100 zu erreichen. Auch für den umgekehrten Weg bis zum Stillstand braucht der Kia etwas länger: 40,5 Meter mit warmen Bremsen – kein Ruhmesblatt.

Lahmer Lader: Der Kia-Kofferraum ist am kleinsten

Etwas mehr dürfte es im Kofferraum sein. Mit 322 Liter Ladevolumen bietet der Koreaner auf 4,55 Meter Länge den kleinsten Gepäckraum als Fünfsitzer. Eine dritte Sitzreihe gibt es optional (600 Euro), der Klappmechanismus der Rücksitzbank funktioniert wie in den meisten Pkw:

Hier dürft's ein bisserl mehr sein: Der Carens-Kofferraum ist der kleinste.

Die Lehnen fallen nach vorn, bilden aber eine Fläche, platt wie eine Leinwand. Anders als im Touran oder Grand Scénic können die Fondsitze im Carens nicht ausgebaut werden. Renault spart beim facegelifteten Grand Scénic an anderer Stelle. Der französische Hersteller hat den Siebensitzer auf fünf Plätze zusammengestrichen. Allerdings gibt Renault den Spareffekt an Kunden weiter, ein schöner Kunstgriff. So kostet der überarbeitete Grand Scénic mit einem Basispreis von 28.000 Euro jetzt 500 Euro weniger und verfügt über einen Kofferraum, der andere Raumkünstler zu besseren Besenkammern degradiert: 1960 Liter – mit so viel Farbe ließe sich ein Museum streichen. Außerdem führte Renault mit dem Facelift robustere Polster und weichere Kunststoffe im Innenraum ein.

Savoir vivre: Der Renault gleitet gelassen und komfortabel

Im Fond bleiben die bewährten Einzelsitze, die sich verschieben, klappen und bei Bedarf auch ausbauen lassen. Die Lehnen neigen sich wie im Flugzeug in Entspannungs-Position, die Beinfreiheit ist deutlich großzügiger, der Komfort auch: Statt Staufächern über dem Kopf gibt es im Grand Scénic zwei im Boden, zwei weitere Schubladen fahren unter den Sitzen aus.

Ordentlich: Der Scénic packt alles in Fächer weg.

Fehlt nur noch die Stewardess, die den Kaffee bringt. Die Top-Motorisierung bleibt der 2,0-Liter-Diesel, den jetzt auch mit Partikelfilter und Automatik gibt (29.600 Euro). Angenehm leise läuft der 150-PS-Vierzylinder, erweist sich als durchzugsstark beim Überholen und mit 6,3 Litern als extrem sparsam. Ein Schwachpunkt bleibt die Lenkung, die trotz Verbesserung wenig zielsicher agiert.

Weich und schwammig bewegt sich auch der Schalthebel durch das Sechsganggetriebe. Spätestens beim Kuppeln fragt man sich: Wo bleibt die versprochene Renault-Qualitätsoffensive? Beim Treten des linken Pedals knarzt eine Feder. Nichts Bedrohliches, aber wenig beruhigend. Die Bremse funktioniert lautlos und auf den Punkt. Spätestens nach 38,5 Metern steht der Renault – fest, wie in Stein gemeißelt.

Fazit, Download, Ihre Meinung

Auch der Mazda5 stoppt problemlos (38,1/39,3 Meter). Seine größte Schwäche in der Vergangenheit war die Sicherheit bei schnellen Ausweichmanövern. Trotz ESP in Serie drehte sich der Familienvan in kritischen Situationen um die eigene Achse. Mazda versprach, das Stabilitätsprogramm zu verbessern. Und hielt Wort. Zwar schwenkt der Wagen bei schnellen Richtungswechseln immer noch mit dem Heck, ESP verhindert aber, dass Nummer 5 ins Schleudern kommt. So soll es sich anfühlen, das Zoom-Zoom-Erlebnis. Diesem sportlichen Werbeslogan folgt auch die elektrohydraulische Lenkung, die Bewegungen direkter umsetzt als die rein elektrische des Grand Scénic. Das Fahrwerk versucht den besten Kompromiss zwischen straff und komfortabel zu finden, landet dabei aber in einer unklaren Grauzone.

Klarer formuliert Mazda den Van-Anspruch. Im Fond des 5 gibt es gleich zwei Sitzreihen mit

1566 Liter – der Mazda schluckt ordentlich Gepäck.

insgesamt fünf Plätzen. Der mittlere Sitz in der zweiten Reihe ist in erster Linie ein Notsitz, verschwindet aber auf Wunsch und macht Platz für ein Tablett. Mazda selbst spricht deshalb auch von einem 6+1-Van. In der letzten Reihe fühlen sich nur Kinder wohl, Erwachsene klagen über Knieschmerzen. Wie auch im Zafira und Touran (660 Euro) – die perfekte dritte Reihe muss in dieser Klasse erst noch entworfen werden. Der 143-PS-Vierzylinder des Fünfers passt gut ins Bild eines Familienwagens, schont das Konto mit 6,3 Liter Diesel im Schnitt. Und mit einem Anschaffungspreis von 24.400 Euro liegt er dicht am Preisknüller Carens (22.000 Euro).

Die deutschen Hersteller Opel und VW gestalten die Preise selbstbewusster. Den Zafira (Video rechts) gibt es ab 26.615 Euro, ist dafür aber auch eine zuverlässige Größe mit sieben Sitzen in Serie. Im Fond des Opel klappt alles ausgezeichnet. Mit einem Handgriff lässt sich die komplette Bank nach vorn falten, an einem zweiten Griff Richtung Cockpit schieben. Dort legen sich weiche Polster-Wangen um Schultern und Oberschenkel, die Fahrer und Beifahrer in Kurven unterstützen. Denn der Zafira ist der Dynamischste unter den Familienvans, mehr Aktionskünstler als stiller Zeichner. Die Lenkung arbeitet verbindlich, mit Härte rollt der Opel über Bodenrillen und Gullydeckel. Auf schlechten Straßen sehnt man sich die Sanftmut des Scénic herbei. Dem ist der Opel-Diesel in allen Lebenslagen unterlegen: In der Stadt, auf der Autobahn und der Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h nähert sich der Zafira nur bedächtig. Und das, obwohl der Opel ebenfalls 150 PS leistet.

Der straffe Touran vermittelt Sicherheit. Auf Kosten des Komforts.

Zehn PS weniger schenkt VW dem Touran 2.0 TDI, dem kubistischsten Van in seiner Klasse. Eckig, praktisch und in dieser Form ebenfalls sportlich – zum Jahresende dann auch optisch aufgefrischt. Denn auch Volkswagen interpretiert Van fahren eher als straffe Angelegenheit, mit allen Vor- und Nachteilen. Dank direkter Lenkung und gefühlsechtem Fahrwerk vermittelt der Touran Sicherheit. Kehrseite: Auf Schotterpisten zittert der mittlere Sitz in der zweiten Reihe wie Espenlaub. Mit einer starren Rückbank gäbe es das Problem erst gar nicht, aber auch nicht diese Variabilität. Die gleich großen Einzelsitze klappen nach vorn, fahren auf Schienen vor und zurück und lassen sich ausbauen. So sieht sie aus, die hohe Kunst des Ladens.

Sieg für Wolfsburg: Die hohe Kunst des Ladens beherscht der VW am besten.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko Die hohe Kunst des Ladens beherrscht der VW Touran am besten. Er bietet als Fünfsitzer das zweitgrößte Kofferraumvolumen, dafür das beste Platzangebot – ein Raumkünstler par exellence. Überraschend gut schlägt sich der geliftete Renault Grand Scénic, der vorbildlich bremst und über Unebenheiten des Lebens einfach hinweggeht – ein überzeugender Lebenskünstler. Wenn es aber um die Kunst geht, den Alltag preiswert zu gestalten, ist der Kia Carens ganz vorn. Er hat sein altes Billigplastik-Image abgeschüttelt, wählt in der zweiten Generation zeitgemäße Materialien, die allerdings noch Raum für Verbesserungen lassen, wie der Abgleich mit den Konkurrenten zeigt. Im Grenzbereich fährt der Carens sicher, wenn auch weniger souverän als der solide Opel Zafira. Zum zweiten Mal guter Zweiter: der Mazda5.

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Autor: Margret Hucko

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