Wird Porsche von Volkswagen geschluckt?

Fusionspläne Porsche/VW

— 07.05.2009

Wer hat hier das Sagen?

Wolfsburg oder Stuttgart als Machtzentrale? Und wer wird am Steuer des künftigen VW-Porsche-Großkonzerns sitzen? Diese Fragen sind längst nicht geklärt und sorgen für neuen Zündstoff.

(dpa) Die offene Machtfrage im Autoimperium aus Volkswagen und Porsche liefert neuen Zündstoff für Konflikte. "Es ist keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Donnerstag (7. Mai) vor rund 3000 Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen. Die Hauptakteure im neuen Akt des Dramas um die Zukunft des Riesenkonzerns bringen sich bereits in Stellung. Noch ist völlig offen, wer künftig am Steuer sitzt und ob die Machtzentrale künftig Stuttgart oder Wolfsburg heißt. Der VW-Großaktionär Niedersachsen und die Vertreter der Arbeitnehmerseite beider Unternehmen betonten umgehend, dass sie beim Aufbau des neuen Konzerns mitreden wollen. Aus der Staatskanzlei in Hannover hieß es, Niedersachsen erwarte, dass die Porsche-Eignerfamilien Porsche und Piëch sich mit dem Land über die künftige Eigentümerstruktur beraten. Das Land ist mit 20 Prozent zweiter VW-Großaktionär neben Porsche.

"Wer immer etwas von Volkswagen will, der kommt an den Belegschaften nicht vorbei", betonte der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück kündigte nach dpa-Informationen auf einer Betriebsversammlung an, weiter für die Position der gut 12.000 Beschäftigten des Sportwagenbauers in dem neuen Großkonzern zu kämpfen. Außerdem macht er sich dafür stark, das VW-Gesetz auf Porsche auszudehnen. "Ich kämpfe dafür, dass das VW-Gesetz auch bei Porsche gilt. Denn ich habe festgestellt, nur durch das VW-Gesetz kann ich meine Leute schützen, nicht mehr allein durch das Kapital", sagte Hück dem Nachrichtensender N24. Hück suchte außerdem den Schulterschluss mit Osterloh: "Wir werden gemeinsam einen Weg gehen."

Auch IG Metall und VW-Betriebsrat pochen auf den vollständigen Erhalt der Mitbestimmung und des VW-Gesetzes. IG-Metall-Chef Berthold Huber betonte auf einer Betriebsrätekonferenz in Wolfsburg, für die Gewerkschaft sei der Erhalt des VW-Gesetzes substanziell. "Darunter wird es mit uns keine Lösung geben." Osterloh sagte bei der Veranstaltung, der Betriebsrat werde sich an den Gesprächen über die Schaffung eines integrierten Konzerns konstruktiv beteiligen. "Aber für uns ist derzeit völlig offen, zu welchem Ergebnis die Verhandlungen führen werden. Wir betrachten dies erst einmal als Sondierungsgespräche", sagte er. "Mit uns ist besprochen, dass der Weg zu einem integrierten Konzern völlig offen ist. Eine Fusion ist dabei nur ein Weg."

Am Mittwoch (6. Mai) hatten die Porsche-Eigentümerfamilien beschlossen, VW und Porsche unter dem Dach eines neuen Konzerns zusammenzuführen. Innerhalb von vier Wochen soll die Struktur ausgehandelt werden. Es blieb zunächst unklar, wer in dem neuen Konzern das Sagen haben wird. Fest stehe aber, dass die Familien Porsche und Piëch auch künftig die Mehrheit haben werden, hieß es in Stuttgart. Der ursprüngliche Plan, dass Porsche VW übernimmt, ist aber endgültig vom Tisch. Porsche hält derzeit knapp 51 Prozent an VW und strebte die Marke von 75 Prozent an – hatte sich jedoch bei Aktienkäufen mit Milliardenschulden finanziell übernommen. Porsche peile noch 2009 eine Kapitalerhöhung an, hieß es in Stuttgart. Mit einer Geldspritze von bis zu fünf Milliarden Euro sollten die Schulden abgebaut werden. Geld zuschießen sollen die Stamm- und die Vorzugsaktionäre. Ein Einstieg neuer Investoren sei dagegen vorerst nicht vorgesehen. Dies könne aber möglicherweise noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, hieß es.

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