Fußball-WM-Serie, Folge 5

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Fußball-WM-Serie, Folge 5

— 08.06.2006

Auswärtssieg für Hyundai

In der Heimat von Mercedes und VW stellt der Autobauer aus Korea die Konkurrenz ins Abseits. Der exklusive Auftritt als WM-Sponsor macht Hyundai schon jetzt zum Werbe-Weltmeister.

Vertrag mit der FIFA bis 2014 verlängert

Mit einer Fußball-Weltmeisterschaft verbindet jeder seine ganz persönlichen Hoffnungen. Fans wollen feiern und anfeuern. Spieler wollen noch berühmter und noch reicher werden. Und die Sponsoren wollen am Ende sehen, daß die vielen Millionen sinnvoll investiert wurden.

Der koreanische Automobilhersteller Hyundai definiert eines seiner Ziele so: Nach dem WM-Turnier soll jeder Deutsche mindestens ein Hyundai-Modell nennen können. Hyundai gehört zu dem elitären Kreis von 15 "offiziellen Partnern", die sich mit insgesamt 750 Millionen Euro die exklusiven WM-Werberechte für ihren jeweiligen Wirtschaftszweig erstanden haben. Hyundai soll mit rund 45 Millionen Euro dabeisein. Der vorzeitig bis 2014 verlängerte Sponsorenvertrag mit dem Fußball-Weltverband FIFA soll den Aufsteigern unter den Autobauern gar einen dreistelligen Millionenbetrag wert sein. Eine Investition, um die dieses erst 1967 gegründete Unternehmen vor allem von deutschen Autobauern beneidet werden dürfte. Was zu einem Heimspiel von Mercedes, VW & Co werden sollte, wird zum Auswärtssieg für Hyundai.

Volksnah, jugendlich und dynamisch – diese Attribute will Hyundai durch das WM-Engagement transportiert sehen. Dynamisch war zuletzt vor allem die Markt-Entwicklung der Koreaner: 2005 stieg der weltweite Absatz um elf Prozent auf 2,53 Millionen Autos. In Deutschland wuchsen Hyundai und Tochtermarke Kia gar um 27 Prozent. Doch Bekanntheitsgrad und Marktanteil (1,7 Prozent) sind in Deutschland derzeit noch alles andere als weltmeisterlich.

Hyundai setzt auf Banden- und TV-Werbung

Deshalb wollen die Asiaten unter dem Motto "Dabeisein ist alles ... und Hyundai bringt dich hin" jetzt Werbe-Weltmeister werden. Neben der Bandenwerbung wird auf TV-Spots gesetzt. Den teuersten Werbeplatz des gesamten Turniers hat sich Hyundai bereits gesichert: 30 Sekunden in der Pause des Viertelfinalspiels mit (hoffentlich) Deutschland. Preis: 320.400 Euro.

Zudem werden rund 1000 Autos die Spieler, Trainer, Funktionäre und VIPs kutschieren. Vom Kleinbus H1 über das SUV Tucson bis zur in Deutschland nicht angebotenen Oberklasse-Limousine Centennial (siehe Seite 4). Die automobilen Exklusivrechte nutzte Hyundai prompt, um Bannmeilen um die WM-Stadien zu ziehen, in denen keine Fahrzeuge anderer Hersteller in offizieller Mission unterwegs sein dürfen. Auch Taxifahrer müssen ihre Fahrgäste vor den Verbotszonen absetzen. Schon beschwerte sich der Taxiverband Deutschland (TVD) wegen Verstoßes gegen das Personenbeförderungsgesetz. Die Hyundai-Chauffeure seien unbezahlte Freiwillige ohne Personenbeförderungsschein.

Hyundais Aggressivität hat Gründe. Das Kölner Marktforschungsinstitut Sport + Markt zweifelt an der Massenwirkung der WM. "Werbebanden am Spielfeldrand reichen für anhaltende Effekte in der Marken-Wahrnehmung definitiv nicht aus", so Geschäftsführer Stephan Schröder.

"Haben uns gegen Toyota durchgesetzt"

Fußball-Fan und Hyundai-Marketing-Direktor Rae-Su Cho spricht im Interview über die Sponsor-Aktivitäten der Koreaner während der WM 2006 und deren Ziele.

AUTO BILD: Für die vier Wochen der Fußball-WM wird Hyundai der meistbeachtete Automobilhersteller der Welt sein. Wie groß ist Ihre Genugtuung, gerade die deutschen Marken für diese Zeit in den Schatten zu stellen? Rae-Su Cho: Als wir den Sponsorenvertrag mit der FIFA unterschrieben haben, hatten wir nicht die deutsche Konkurrenz im Sinn. Natürlich ist Deutschland ein wichtiger Markt für Hyundai. Aber die WM ist ein weltweites Ereignis. Wir wollen deutsche Hersteller gar nicht in den Schatten stellen.

Trotzdem werden Sie von der Konkurrenz beneidet. Wie hat Hyundai das geschafft? Als Opel nach der WM 1998 den Sponsorenvertrag nicht verlängerte, konnten wir uns gegen Toyota durchsetzen, die auch gern FIFA-Partner geworden wären. Das war sehr wichtig, weil die WM 2002 in Japan und Südkorea stattfand.

Hyundai zahlt einen hohen dreistelligen Millionenbetrag, um automobiler FIFA-Sponsor zu sein. Was gibt es dafür im Gegenzug? Die Bekanntheit der Marke wird weiter steigen. Bis zu vier Milliarden TV-Zuschauer in aller Welt werden den Hyundai-Schriftzug am Spielfeldrand sehen. Vor vier Jahren hatten wir einen Zuwachs an Bekanntheit von zehn Prozent. Inzwischen liegt Hyundai auf dem Weltmarkt schon an siebter Stelle. Und wir transportieren unser jugendliches, dynamisches Image ...

... das darunter leiden könnte, daß Hyundai rigoros Bannmeilen um die Stadien einrichtet, in denen sich keine anderen Fahrzeuge in offizieller Mission befinden dürfen. Warum diese Strenge? Ganz einfach. Es gibt dort nicht genügend Parkplätze für alle.

Inzwischen wirbt jeder Hersteller von Zahnbürsten oder Eierkochern mit der WM. Sehen Sie eine Gefahr der Übersättigung? Das hat Vor- und Nachteile. Es macht das Event zu einem noch größeren Thema. Wenn aber VW besondere WM-Angebote macht, kann das die Kunden verwirren.

Hyundai hat den FIFA-Vertrag gerade bis 2014 verlängert. Wird dann auch mit der Tochtermarke Kia geworben? Hyundai und Kia werden bei der WM 2010 in Südafrika gemeinsam als Sponsoren auftreten.

Koreanische Antwort auf die S-Klasse

In Korea ist der "Equus" ein Verkaufsschlager. Von Hyundais Luxuslimousine werden rund 15.000 Stück pro Jahr gebaut, das Modell ist, so der Hersteller, ausverkauft. Unter dem Namen Centennial ("Jahrhundertfeier") kommt die Limousine nun auch nach Deutschland – und zwar genau 35 Stück. Mit ihnen werden die VIPs zu den WM-Spielen chauffiert. AUTO BILD setzte sich für eine Fahrt zum Frankfurter Stadion in den Fond eines rund 60.000 Euro teuren VS450 mit 4,5-Liter-V8-Maschine.

Der erste Eindruck: Keine Chance gegen 7er, S-Klasse oder A8. Wenn sich Franz Beckenbauer auf den Ledersitzen der Rückbank etwas notieren will, muß er auf dem Schoß schreiben. Arbeitstischchen: Fehlanzeige. Die Beinfreiheit ist ordentlich, aber bei weitem nicht üppig. Die Sonnenblenden aus Plastik müssen mit der Hand hochgezogen werden. In der breiten Mittelkonsole zwei schlichte Cupholder in einer Fassung aus dem vorherrschenden Material: Wurzelholzimitat. Dafür gibt es hinten auf Knopfdruck grünes "Stimmungslicht".

Von außen amerikanisch kantige Züge. Kein Hyundai-Emblem auf dem Grill, statt dessen ein edles "C" auf der Motorhaube. Auf deutschen Autobahnen ein Hingucker. Die bei der WM eingesetzten Centennial und die übrigen gut 1000 Fahrzeuge aus Hyundais WM-Flotte werden nach dem Turnier in Deutschland exklusiv bei autobild.de zum Kauf angeboten!

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