Gallardo Spyder/TTS Roadster/911 Cabrio: Test

Lamborghini Gallardo Spyder Audi TTS Roadster Porsche 911 Cabrio Lamborghini Gallardo Spyder Audi TTS Roadster Porsche 911 Cabrio

Gallardo Spyder/TTS Roadster/911 Cabrio: Test

— 09.03.2011

Weiß auf Eis

Offen fahren im Schnee gehört zu den schönsten Wintersportarten. Doch wer baut das beste Allrad-Cabrio? AUTO BILD hat den Lamborghini Gallardo Spyder, den Audi TTS Roadster und das Porsche 911 Cabrio aufs Glatteis geschickt.

Bestellt waren Vulkanrot (Audi), Vipergrün (Lamborghini) und Speedgelb (Porsche). Gekommen sind Ibisweiß (TTS), Biancoweiß (Gallardo 560-4) und Carraraweiß (911 Carrera 4S) – Weiß, Weiß, Weiß. Statt bunter Cabriogeschichte also nur weißes Rauschen? Zum Glück erweisen sich Befürchtungen, das Testwagen-Trio in der Schneewüste der österreichischen Alpen zu übersehen, als unbegründet. Dank dunkler Stoffdächer sind sie sofort zu erkennen, und so macht der dröhnende Pistenbully einen weiten Bogen um die über 400.000 Euro teure Dreier-Hürde aus Blech. Minus neun Grad, stahlblauer Himmel, sauglatt und dann diese Typen in teuren Autos mit offenem Dach. So etwas hat der Kauz in seiner beheizten Kabine noch nicht gesehen und schüttelt den Kopf: Auf solche Ideen kommen nur Deutsche, wahrscheinlich aus dem Flachland.

Überblick: News und Tests zu Porsche

Stimmt, die Pudelmütze im Pistenbully kann offenbar Gedanken lesen. Wir suchen das beste Schnee-Cabrio. Für ein Wintermärchen mit Happy End muss er natürlich Allradantrieb haben. Gar nicht so einfach: Neben den Offroadern Jeep Wrangler Soft-Top, Land Rover Defender Softback und Mercedes G Plane bleiben nur der Bentley Continental GTC sowie offene Sportwagen von Audi, Lamborghini und Porsche. Obwohl alle drei aus demselben Konzern kommen, pflegen sie beim Carving mit vier Rädern höchst unterschiedliche Stilrichtungen: mit Front-, Mittel- oder Heckmotor, mal als Roadster, Spyder oder Cabrio. Also, wer veranstaltet die größte Gaudi auf Eis und Schnee?
Anzeige

Reifen-Finder

Überblick: News und Tests zu Audi

Obacht im TTS: Wer den Bremspunkt verpasst, kann nur hoffen, dass die weißen Wände weich sind.

In 18 Sekunden surrt die Kapuze des TTS nach hinten, und der Pilot atmet ungefilterte Bergluft. Herrlich, tief durchatmen und rauf aufs Gas. Mit vergleichsweise bescheidenen 272 PS zeigt der Audi beim Beschleunigen, dass kein wild trampelnder Zehnzylinder-Stier im Rücken des Fahrers den besseren Vortrieb erzeugt. Der aufgeladene Vierzylinder liefert seine Kraft vielmehr per Haldex-Kupplung fein dosiert an alle Räder. Mit beeindruckender Traktion schießt er selbst auf vereistem Untergrund rasant nach vorn. ESP aus? Warum nicht. Denn stets bleibt eine Restregelung erhalten. Selbst Anfänger können da fast nichts falsch machen. Audis Roadster nimmt einem die Furcht vor den steilsten Abfahrten. Blitzartig schaltet das Doppelkupplungsgetriebe, der Turbomotor faucht spektakulär, und der TTS driftet gut kontrollierbar durch jeden Slalom. Nur beim Bremsen verwachst der Audi. Der TTS benötigt erheblich mehr Auslaufzone als die Konkurrenz. Wer den Bremspunkt verpasst, kann nur hoffen, dass die weißen Wände weich sind oder die Versicherung die Geschichte mit dem Schneehasen glaubt. Egal, Wintersport im Audi macht Spaß: Sitzheizung auf maximal, Warmluft-Gebläse in den Fußraum – so verliert selbst strenger Frost seinen Schrecken.

News zu Lamborghini

Natürlich hat auch der Lamborghini eine starke Heizung. Doch braucht er die? 244.000 Euro und 560 PS auf Glatteis, da wird jedem automatisch warm. Willkommen auf der schwarzen Abfahrt: Hahnenkamm und Wilder Kaiser. Hintereinander. Halleluja! Angst? Nein, die braucht keiner zu haben. Der V10 brüllt furchteinflößend wie ein Yeti im Todeskampf, doch mit ESP schlägt der Mittelmotor-Macho Haken mit der Eleganz von Ex-Skistar Alberto Tomba. Verblüffend, wie gut die Elektronik das italienische Heißblut auf Kurs hält. In den Kurven zeigt er eine traumhafte Balance. Nur beim Blitzstart aus dem Stand reagiert die Elektronik restriktiv und lässt nur einen Bruchteil der 560 PS in die vier Hufe. So nützt ihm die gewaltige Kraft wenig. Beim Spurt ziehen die erheblich schwächeren TTS und Elfer davon.

Mehr zum Gallardo Spyder und wie sich das Porsche 911 Cabrio schlägt, lesen Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es in AUTO BILD 9/2011.
Technische Daten
Lamborghini LP560-4 Spyder E-Gear Audi TTS Roadster S Tronic Porsche 911 Carrera 4S Cabrio
Motor V10, Mitte längs Vierzylinder, Turbo, vorn quer Sechszylinder-Boxer, hinten längs
Hubraum Hubraum 5204 cm3 1984 cm3 3800 cm3
Leistung 412 kW (560 PS) bei 8000/min 200 kW (272 PS) bei 6000/min 283 kW (385 PS) bei 6500/min
max. Drehmoment 540 Nm bei 6500/min 350 Nm bei 2500/min 420 Nm bei 4400/min
Getriebe automatisiertes Sechsganggetriebe Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe Sechsganggetriebe
Reifen Pirelli Sottozero vorn 235/35 R 19 V, hinten 295/30 R 19 V Dunlop SP Wintersport 3D, 245/40 R 18 V Nokian WR vorn 235/35 R 19 V, hinten 295/30 R 19 V
Preis ab 243.795 Euro ab 51.550 Euro ab 116.716 Euro
Die Einzelwertung
Lamborghini Gallardo Spyder Audi TTS Roadster Porsche 911 Carrera 4S Cabrio
Handling Lange neutral, im Grenzbereich heikel, durch Untersteuern und giftige Gasannahme schwer beherrschbar. Fühlt sich leicht an, extrem wendig und schnell und dabei auch ohne ESP sicher, kaum Lastwechsel. Starke Lastwechsel und Übersteuertendenz, perfekt mit Gaspedal und präziser Lenkung kontrollierbar.
Traktion Bringt seine Bärenkräfte nie auf den Boden, starker ESP-Einsatz verhindert besseren Vortrieb. Fast auf 911-Niveau, sehr effektive Kraftverteilung dank Haldex-Kupplung an der Hinterachse. Macht sich nichts aus Eis und fährt einfach los, bester Vortrieb, keine Antriebseinflüsse in der Lenkung.
Bremsen Bissig durch Top-Winterreifen (Pirelli Sottozero) und riesige Bremsscheiben, Pedalgefühl indifferent. Schwach, Bremswege zu lang, mit stärkerer Verzögerung wahrscheinlich schnellere Rundenzeit als 911. Perfekt, kürzester Anhalteweg, die Nokian-Winterreifen ignorieren anscheinend jede Form von Glätte.
Fahrspaß Mit ESP sicheres Fahren, grandioser Sound, brachialer Vortrieb im Trockenen, Sitzposition nicht optimal. Toll, Roadster-Gefühl und Wintertauglichkeit auf Höchstniveau, mit Abstand bestes Preis-Spaß-Verhältnis. Beste Alltagseigenschaften und Pisten-Gaudi, wer das Übersteuern beherrscht, findet nichts Besseres.
Platzierung Platz 3 (drei von fünf Punkten) Platz 2 (3,5 von fünf Punkten) Platz 1 (4,5 von fünf Punkten)


Autor: Jörg Maltzan

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.