Sébastian Leob

Gaststart in Abu Dhabi

— 23.10.2009

Darum bekam Loeb keine F1-Superlizenz

Der geplante Formel-1-Gaststart von Sébastien Loeb in Abu Dhabi fällt aus. Der Grund: Der Rallye-Champion bekam keinen F1-Führerschein. autobildmotorsport.de erklärt warum.

Der fünfmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb als Gaststarter beim Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi – es war die perfekte Marketingidee eines bekannten Limonadenherstellers. Nur umsetzbar war sie nicht. Sebastian Loeb hat dem Team Toro Rosso eine Absage erteilt, weil ihm die FIA keine Superlizenz  ausstellen wollte. "Die Regeln, wie man eine bekommt, sind sehr präzise", erklärt der Franzose. "Ich erfülle keine der Bedingungen. Daher ist es logisch, dass mir keine Lizenz ausgestellt wurde. So ist es eben – eine Entscheidung der FIA. Ich kann darüber nicht jammern." autobildmotorsport.de hakte beim Automobilweltverband nach: Wann bekommt man eine Superlizenz?

Superlizenz-Bedingung: Erfolg in Nachwuchs-Formelklassen

November 2008: Sébastian Loeb testet den Red Bull RB4. Aber ein Tag reicht nicht für die Superlizenz.

Voraussetzung 1: Der nationale Motorsportverband des jeweiligen Piloten muss den F1-Führerschein beantragen. Hier in Deutschland ist das der DMSB. In Frankreich hat der FFSA das Schreiben für Loeb aufgesetzt. Voraussetzung 2:  Der Fahrer muss einen gültigen Vertrag mit einem Formel-1-Team vorweisen. Voraussetzung 3: Er muss die internationale A-Lizenz besitzen, mit der er außer in der Formel 1 sowieso schon überall starten darf. All diese Bedingungen hätte Sébastien Loeb problemlos erfüllt. Doch damit nicht genug. Eine Superlizenz bekommt nur, wer in den vergangenen beiden Jahren mindestens Vierter im GP2-Endklassement wurde ODER Dritter in der neu eingeführten Formel 2 ODER zu den besten Dreien der japanischen Formel Nippon Meisterschaft gehörte ODER mindestens Sechster in der Indy Racing League (IRL) war ODER amtierender Meister der Euroseries 3000, der Renault World Series, der International F3000 Masters, der Formel 3 Euro Serie oder einer anderen nationalen F3-Meisterschaft ist ODER an mindestens fünf Rennen der letztjährigen Formel-1-Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Da musste der Rallye-Champion passen.

Mögliches Regel-Schlupfloch war zu klein

Sebastian Vettels internationale A-Lizenz: Sie ist eine Voraussetzung für die Superlizenz.

Die Hoffnung von Toro Rosso beruhte auf einem Regel-Schlupfloch, das für Loeb die Eintrittskarte zum Cockpit hätte sein können. Wer mehr als 300 zurückgelegte Kilometer in einem Formel-1-Fahrzeug unter Rennbedingungen vorzuweisen hat, kann die Superlizenz beantragen. Tatsächlich hat der Franzose im November 2008 exakt 382 Kilometer im Red Bull RB4 absolviert. Das Problem: Er fuhr die Kilometer an nur einem Tag. Die FIA verlangt aber zwei volle Formel-1-Testtage. Pech für Loeb! Denn der Renault-Autotausch mit Heikki Kovalainen Ende 2007 zählt nicht als offizieller Test unter Rennbedingungen.

Vier Sekunden langsamer

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, für den Loeb ins F1-Lenkrad gegriffen hätte, gesteht gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT aber auch: "Sébastien hätten drei bis vier Sekunden pro Runde auf die Spitze gefehlt. Du setzt dich heute nicht mal eben in ein Formel-1-Auto und kannst sofort den Speed der anderen mitgehen. Die Leistungsdichte im aktuellen Feld ist extrem hoch. Das sollte man nicht unterschätzen. Und Loeb fehlt grundsätzlich die Erfahrung aus den unteren Formel-Klassen, die zum Beispiel ein Jaime Alguersuari mitgebracht hat." Dabei war der Rallye-Weltmeister bei seinem F1-Test im November 2008 gar nicht so weit weg von den Top-Zeiten. "Das stimmt schon", gibt Tost zu, "aber da fuhr er auch mit extrem wenig Sprit im Tank."

Neue Chance in der kommenden Saison?

Die Superlizenz von Sebastian Vettel. Sébastian Loeb darf sie aktuell nicht beantragen.

Seinen Traum von der Formel 1 hat Sébastien Loeb trotzdem noch nicht aufgegeben. Der französischen Zeitung L'Equipe verriet er, dass es auch eine Anfrage an USF1 für die kommende Saison gegeben habe. "Ich wollte nur mal austesten, ob ich überhaupt für jemanden interessant bin", so Loeb. "Aus reiner Neugier." Allerdings wolle er nicht Vollzeit in die Königsklasse wechseln, sondern habe nur nach ausgewählten Einsätzen gefragt. Loeb: "Mir macht es noch viel Spaß, ein WRC-Auto zu fahren und ich bin gerade dabei meinen Vertrag mit Citroen zu verlängern. Aber wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, 2010 den ein oder anderen Grand Prix zu fahren – warum nicht?"


Autor: Bianca Garloff

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