Gebrauchte Cabrios im Test

Gebrauchtwagen-Check: viersitzige Cabrios Gebrauchtwagen-Check: viersitzige Cabrios

Gebrauchte Cabrios mit vier Sitzen

— 23.03.2007

Offen für Winterschnäppchen

Jetzt ist Saison. Nicht gerade zum Offenfahren, aber zum Cabrio-Kaufen. 3er, CLK, 9-3 und Stratus als Frischluftspender im Gebrauchtwagen-Check.

Zeit für ordentliche Rabatte

Auch wenn der Winter ein warmer ist – wer denkt in dieser Schnief- und Hustenzeit schon an Cabrios? Eben, niemand! Deshalb sind die Händler und Verkäufer jetzt verhandlungsbereit, beste Gelegenheit für Kunden. Weil wir aber alle immer bequemer werden und gern etwas mehr Platz haben, darf es ein Viersitzer sein – was als weiteren Vorteil einen Kofferraum mit reisetauglichen Abmessungen mit sich bringt. Als Altersgrenze stand schnell fest: Älter als Baujahr 1999 sollte der Kandidat nicht sein. Das BMW 3er Cabrio stand damals bereits kurz vor der Ablösung, der exotische Chrysler Stratus nach nur fünf Jahren Bauzeit übrigens auch. Mercedes CLK und Saab 9-3 hingegen waren fast noch Frischlinge.

Die präzise Lenkung des 3er Cabrio muss sich nicht verstecken.

Was beim Fahren kaum auffällt, denn die präzise Lenkung des 3er muss sich hinter der des CLK nicht verstecken. Dessen Lenkgetriebe bekommt ab etwa 80.000 Kilometer allmählich Spiel, das den TÜV zwar nicht stört, aber den Geradeauslauf beeinträchtigt. Der ist am besten bei den Fronttrieblern Chrysler und Saab – leider auch in den Kurven. Dort schieben beide hemmungslos über die Vorderräder, sobald die Gangart sportlicher wird. Mitschuldig daran sind natürlich auch ihre drehmomentstarken Motoren. Sowohl der 2,5-Liter-V6 – mit serienmäßiger Vierstufenautomatik – des Stratus als auch der Zweiliter-Turbo des Saab stellen die Traktion der Vorderräder auf eine harte Probe. Der Mercedes hat damit keine Probleme, schon weil sein Zweiliter die Kraft recht milde entfaltet. Der BMW hat objektiv auch nicht mehr Mumm, aber die kürzere Übersetzung. Die damit verbundenen höheren Drehzahlen lassen ihn subjektiv temperamentvoller erscheinen. Trotzdem weckt auch er wie der CLK den Wunsch nach mehr Drehmoment, den die stärkeren Motoren bis rauf zum 321 PS starken 3,2-Liter im M3 bereitwillig erfüllen.

Karosserie-Kummer beim Stratus: Jeder Gullideckel schmerzt.

Den Mercedes gibt es gar als 4,3-Liter-V8, dann mit 279 PS. Auch der Saab bietet bei Bedarf mehr Dampf, als 2.3 Turbo Viggen bis zu 230 PS. Mit der Standfestigkeit ist es dann allerdings nicht mehr weit her, Motor, Kupplungs- und Getriebeschäden nehmen beim 9-3 mit steigender Leistung drastisch zu. Beim Chrysler ist davon eher der gefühlsarme Zweiliter-Basismotor betroffen, der V6 ist bis auf gelegentlich durchbrennende Zylinderkopfdichtungen sehr unauffällig – auch wegen seiner geringen Verbreitung. Beim Ami macht eher die Karosserie Kummer: Ihre Verwindungssteifigkeit ist schlicht mangelhaft, jeder Gullydeckel erschüttert sie in ihren Grundfesten, lässt die Seitenscheiben lautstark klappern. Ursache ist auch das straffe Fahrwerk, hier hat Chrysler die Europäisierung des Stratus übertrieben.

Nach 100.000 Kilometern noch steif wie ein Ziegelstein: Mercedes CLK.

Stabilster in diesem Quartett ist der Konzernbruder CLK, der sich auch nach 100.000 Kilometern massiv wie ein Ziegelstein anfühlt. BMW und Saab liegen auf vergleichbarem Niveau, zittern auf kurzen Stößen zwar spürbar, aber noch nicht lästig. Mindestens ebenso wichtig wie die Steifigkeit ist die Qualität des Verdecks. Der BMW hat hier das Nachsehen: Als Einziger besitzt er nur ein Kunststoff-Heckfenster, das schnell erblindet oder splittert. Der Chrysler hat zwar eine Scheibe aus Glas, nervt aber bei der Bedienung seines Faltdachs: Nach dem elektrohydraulischen Öffnen muss der Fahrer aussteigen, eine störrische Persenning drüberstülpen. Da bieten die festen Verdeckklappen der anderen mehr Komfort. Allerdings gilt auch bei ihnen wie bei jedem Cabrio: Vor dem Kauf das Verdeck genau prüfen. Schon kleinste Risse an den Knickstellen sind einen gehörigen Preisabschlag wert, werden sie doch schnell größer. Gleiches gilt für Defekte der komplizierten Gummidichtungen oder verbogene Verdeckgestänge. Beide Mängel sorgen übrigens auch dafür, dass es kaum ein wirklich trockenes gebrauchtes Cabrio am Markt gibt.

Das individuelle 9-3 Cabrio empfiehlt sich als gemütlicher Cruiser.

Ein Kapitel für sich ist die Betätigung. Die Verriegelung und der elektrische oder elektrohydraulische Antrieb stehen ebenfalls ganz oben auf der Prüfliste, unabhängig von der Marke. Unterm Strich erfüllen die vier offenen Viersitzer ganz unterschiedliche Ansprüche. Der kompakte BMW sorgt für Freude am engagierten Fahren, der individuelle Saab empfiehlt sich eher als gemütlicher Cruiser. Den geräumigen Chrysler empfehlen wir durchaus als Zweitwagen für die schönen Tage im Leben, schließlich ist er sehr preiswert zu haben. Ganz im Gegensatz zum soliden CLK, was uns auch nicht weiter beunruhigt. Denn bisher hat es jeder offene Mercedes zum Klassiker mit entsprechender Wertsteigerung gebracht – man muss nur etwas warten.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteil

BMW 320i (Typ E36, 1993 bis 2000)

Schwachstellen: Die häufigsten Reparaturgründe liefert die Vorderachse. Ihre Traggelenke verschleißen zügig, auch die Stützlager der Querlenker halten nicht ewig. Relativ normal: Geräusche vom Differenzial. Es darf aber nur leise singen, keinesfalls jaulen oder gar Öl verlieren. Vereinzelt undicht: Kühler und Wasserpumpe. Und manchmal klemmt das elektrische Verdeck.

Preis: ab 4000 Euro (bei Laufleistungen um 120.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 150 PS, Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h • AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)

Chrysler Stratus 2.5 (Typ JX, Baujahr 1996 bis 2000)

Schwachstellen:Der Stratus genießt zwar nur geringe Verbreitung, ist aber in unserem Kummerkasten kein Unbekannter. So melden die Leser Getriebeschäden, von denen Automatik und Handschalter gleichermaßen betroffen sind. Dahinter folgen hoher Verschleiß der Bremsanlage und Defekte am elektrischen Verdeck. Eher selten: Probleme mit leeren oder defekten Batterien.

Preis: ab 3000 Euro (bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 2497 cm³, Leistung: 163 PS, Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h • AUTO BILD-Urteil: ** (max. fünf Sterne)

Mercedes CLK 200 (Typ 208, Baujahr 1998 bis 2003)

Schwachstellen: In unserem Kummerkasten ist das CLK Cabrio weitgehend unbekannt, aber der ADAC meldet ein paar Motorschäden wegen Kraftstoffs im Öl. Ursache: dauernder Kurzstreckenbetrieb. In den Baujahren 1998 bis 2000 öfter defekte Generatoren oder Anlasser, ein Rückruf betraf die obere Gurtbefestigung. Und ganz selten kam es zu defekten Kraftstoffpumpen.

Preis: ab 12.000 Euro (bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 1998 cm³, Leistung: 136 PS, Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Saab 9-3 2.0t (Typ YS3D, Baujahre 1998 bis 2003)

Schwachstellen: Die Saab-Turbomotoren sind zwar angenehme Antriebe, aber auch anfällig. Durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen, Ölverlust und defekte Turbolader kommen oft vor. Außerdem liegt der Verschleiß der Bremse hoch, der TÜV findet öfter undichte Auspuffanlagen und hat vor allem ein Auge auf die Rückleuchten geworfen. Eher Einzelfälle: Defekte in der Elektronik.

Preis: ab 9500 Euro (bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 1985 cm³, Leistung: 154 PS, Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Autor: Hendrik Dieckmann

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