Gebrauchtwagentest

Kastenwagen im Gebrauchtwagentest Kastenwagen im Gebrauchtwagentest

Gebrauchte Kastenwagen

— 17.10.2010

Viel Raum, wenig Geld

Kastig, kantig, kompatibel: Gebrauchte Kastenwagen bieten unschlagbar viel Platz für wenig Geld. AUTO BILD hat gebrauchte VW Caddy, Mercedes Vaneo, Renault Kangoo & Co. getestet.

Die Idee ist ja nicht wirklich neu. Für den Hausgebrauch domestizierte Kastenwagen gibt es bereits seit 1961. Da schweißte Renault eine Blechkiste hinten an den R4 und nannte das Ergebnis Fourgonette. Dabei verlor der R4 zwar zwei Türen, gewann aber viele Freunde – auch abseits der Handwerker-Innungen. Und 1996 waren es wieder die Franzosen, die aufgehübschte Lieferwagen als Familienfahrzeug etablierten. Diesmal der PSA-Konzern, der mit dem Citroën Berlingo und kurz darauf dem komplett baugleichen Peugeot Partner zwei Kleintransporter mit wohnlicher Auskleidung ins Rennen um die Gunst der Kleinfamilien schickte.

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Schon 1961 erkannte Renault den Bedarf an kompakten Alleskönnern und präsentierte den R4 Fourgonette.

Zunächst nur mit mäßigem Erfolg – denn PSA hatte schlicht die hinteren Türen vergessen. Weshalb es dem erst im Mai 1998 eingeführen Renault Kangoo vergönnt war, die Platzbedürftigen zu mobilisieren. Denn der hatte wenigstens auf der rechten Seite einen Zugang zur zweiten Sitzreihe. Und als Berlingo und Partner endlich auch eine dritte Tür vorweisen konnten, hatte der Kangoo schon die vierte. Auf Wunsch. Mehr noch als die Anzahl der Portale dürfte allerdings das Styling ausschlaggebend für den Erfolg des Kangoo gewesen sein. Das Auto sieht einfach kumpelhaft aus – vor dem Facelift noch mehr als danach.

Im Vergleich dazu geriet Deutschlands erste Entgegnung auf den Renault-Erfolg, der Mercedes Vaneo, doch sehr sachlich und durchdacht. Dafür aber markentypisch fast 50 Prozent teurer. Außerdem ist er unerhört variabel bis hin zum herausnehmbaren Beifahrersitz. Doch irgendwie passte der Vaneo nicht in einen Markt, der Platz über Perfektion stellt, und verschwand 2006 sang- und klanglos wieder. Immerhin gilt der auf Basis der ersten A-Klasse gebauten Vaneo als problemlos. Was von Berlingo, Partner und Kangoo beim besten Willen niemand behaupten kann.

Denn TÜV-Prüfer verstecken sich, wenn eines dieser Fahrzeuge vorfährt. Weil es dann wieder viel zu schreiben gibt. Und weil sie über 25 Prozent der Kangoo-Fahrer schonend beibringen müssen, dass ihr Liebling schon bei der ersten Hauptuntersuchnung nach drei Jahren durchgefallen ist. Bei der italienischen Interpretation dieses Themas sind es 24 Prozent – der Fiat Doblò gehört auch nicht gerade zu den Musterbeispielen soliden Automobilbaus. Eher zu den Unzuverlässigsten: Der ADAC meldet in seiner Statistik für den geräumigen Südländer durchweg vernichtende rote Zahlen. Die Pannenursachen reichen von etlichen geplatzten Dieselmotoren, undichten Common-Rail-Systemen, defekten Anlassern und Generatoren über Elektronikstörungen bis zu ausgehängten Schaltgestängen. Etwas zuverlässiger sind die Benziner, allerdings hemmen auch hier durchgebrannte Zündspulen den Vorwärtsdrang.
Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Wer sich frei machen kann von Image-Denken und höheren dynamischen Ansprüchen, wird mit jeder der umfunktionierten Handwerker-Schaukeln seinen Spaß haben. Großeinkäufe machen Freude, Transporte verlieren ihren Schrecken, und selbst Langstrecken erscheinen machbar. Dafür sollte allerdings ein moderner Diesel unter der Haube stecken, der mit zulässigen Gesamtgewichten von bis zu zwei Tonnen fertig wird. Schade nur, dass die Franzosen als Erfinder dieser Autoart ebenso wie der Fiat an der Qualität geizen. Freunde gehobener Zuverlässigkeit müssen also auch in dieser Klasse zu made in Germany greifen.

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