Gebrauchte Mittelklasse-Japaner im Test

Mauerblümchen: japanische Mittelklasse Mauerblümchen: japanische Mittelklasse

Gebrauchte Mittelklasse-Japaner im Test

— 05.10.2006

Die Mauerblümchen

Sie haben einen schweren Stand. Im Alter drängt man sie an den Rand. Dabei zeigen die gesichtslosen japanischen Mittelklässler durchaus Charakter. Mazda, Nissan, Toyota und Honda bieten vor allem eins: Zuverlässigkeit.

Der Honda leistet sich kaum Schwächen

Die einen werden bewundert und begehrt, andere führen ein wenig beachtetes Schattendasein. Das gilt nicht nur fürs Showbusiness, sondern auch für den Gebrauchtwagenmarkt. Dort zählen vor allem japanische Mittelklasse-Limousinen zu den Mauerblümchen. Sie bieten traditionell zwar viel Auto fürs Geld, wegen des oft biederen und austauschbaren Designs werden sie aber von der Mehrzahl der Secondhand-Käufer kaum wahrgenommen.

Gerade Stufenheckvarianten stehen im Abseits. Limousinen wie Honda Accord, Mazda 626, Nissan Primera oder Toyota Avensis werden deshalb oft zu besonders attraktiven Preisen angeboten. Wer beim Autokauf weniger Wert auf Image und Design legt, findet ab 6000 Euro reichlich Auswahl an solchen Fahrzeugen der Baujahre 1998 bis 2002. Mit Laufleistungen um die 50.000 Kilometer versprechen sie zudem ein langes Autoleben. Weil Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Standfestigkeit bei den Japanern eben keine fragilen Pflänzchen sind, sondern Werte mit einem soliden Stamm und starken Wurzeln in der Vergangenheit.

Einer der wenigen Mängel am Accord: Rost an der Quertraverse.

Das stellt insbesondere der Honda Accord eindrucksvoll unter Beweis, obwohl die sechste Generation dieser Baureihe (1998 bis 2002) nicht in Japan, sondern in England vom Band lief. Das Honda-Qualitätsmanagement funktionierte jedoch auch auf der Insel, Interessenten dürfen daher fast bedenkenlos zugreifen. Echte Schwächen sind bei diesem Accord (Typ CH/CG) unbekannt. Weder TÜV noch der ADAC berichten von auffälligen Unpässlichkeiten.

Einen Freibrief für ein absolut sorgenloses Leben bedeutet dies freilich nicht. So zeigt das noch nicht einmal vier Jahre alte Fotomodell deutliche Rostansätze an der hinteren Quertraverse, die unterhalb des Stoßfängers im Spritzwasserbereich liegt. Nobody IS perfect, weshalb Käufer eines Accord gut daran tun, den nur sparsam konservierten Unterboden in Eigenregie mit Wachs oder Unterbodenschutz für ein langes Leben fit zu halten.

Die restlichen Komponenten jedenfalls sind es bereits ab Werk. Vorzeitigen Verschleiß gibt es weder an den vielen Lagerbuchsen der Achsen noch am 136 PS starken 1,8-Liter-Triebwerk. In typischer Honda-Manier fehlt es diesem zwar ein wenig an Durchzugskraft bei niedrigen Touren, aber dafür jubelt der Vierventiler freudig bis in den roten Bereich. Mit straff gepolsterten und guten Seitenhalt bietenden Sitzen, agilem Fahrverhalten und zupackenden Bremsen empfiehlt sich der Honda Accord insbesondere sportlich orientierten Fahrern.

Gemütlichere Naturen fühlen sich im Mazda 626 besser aufgehoben. Sein braver, recht sparsamer Zweiliter-Benziner mit 115 PS präsentiert sich als ausgewogener Antrieb, der bereits im Drehzahlkeller ordentlich zupackt. Darüber hinaus gilt er als überaus langlebig, sofern die Wechselintervalle des Zahnriemens eingehalten werden.

Streusalz macht das Autoleben schwer

Innen zeigt der Mazda die typisch japanisch-pragmatische Einrichtung mit viel Grau, etwas Holzimitat und ehrlichem Hartplastik. Das schmeichelt nicht unbedingt dem Auge, an der Langzeitqualität gibt es jedoch nichts zu kritisieren. Ein gepflegter 626 wirkt innen auch nach etlichen Jahren frisch wie am ersten Tag, während viele sogenannte Premiumfahrzeuge in dieser Hinsicht mit ihrem abpellenden Softlack-Schnickschnack oft einen verwohnten Eindruck hinterlassen.

Die schlichte Hülle des 626 hat Mazda ab Werk allerdings nur mäßig gegen Streusalzattacken geschützt. Kantenrost am Unterboden ist daher nicht selten. Abhilfe: siehe Honda. Weitere mögliche Schwachpunkte, die bei einem gebrauchten Mazda 626 auftreten können: wellige Bremsscheiben, rasch verschleißende Stoßdämpfer, Defekte an Lichtmaschine und deren Regler, Undichtigkeiten an der Kupplungshydraulik und vereinzelt Getriebeschäden.

Ziemlich prima, der Primera: Auch hier ist die Mängelliste kurz.

Ein ähnlich kurzes Spektrum typischer Mängel offenbart der prinzipiell solide Nissan Primera: rubbelnde Bremsen, defekte Generatoren und Kraftstoffpumpenrelais, altersschwache Batterien, streikende Anlasser. Im Kummerkasten beschweren sich jedoch öfter mal Leser über die etwas nachlässige Verarbeitung. Wassereinbrüche in den Innenraum und Rost – wie am Testwagen – können die Folge sein. Also gilt auch beim Nissan in Sachen Rostvorsorge: siehe Honda und Mazda. Mechanisch dürften gebrauchte Exemplare indes nur wenig Sorgen bereiten, der Motor und das Getriebe gelten als robust. Eine Einschätzung, die ebenfalls auf das unkomfortabel straffe Fahrwerk zutrifft, während die Antriebswellen öfter den Geist aufgeben.

Dufte Sache: Eine Probefahrt lohnt mit jedem dieser Mauerblümchen.

Prinzipiell zuverlässig – das gilt auch für den komfortablen und geräumigen Toyota Avensis. TÜV- und Pannenstatistik erheben diesen Japaner zum Musterknaben. Flecken bekommt die weiße Toyota-Weste durch den Kummerkasten. Hier finden sich durchaus Beschwerden über durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen bei 1,6-Liter-Modellen bis 1999, defekte Wegfahrsperren und Zündschlösser sowie wackelnde Sitze. Außerdem ist die Verarbeitung im Detail bei frühen Avensis nicht immer auf dem gewohnt hohen Toyota-Niveau. Empfehlenswert in der Preiskategorie um 8000 Euro sind daher Gebrauchtfahrzeuge ab 2001 mit dem problemlosen und erstaunlich sparsamen Zweiliter-Benziner (128 oder 150 PS). Die haben serienmäßig ESP an Bord und erfüllen die hohen Erwartungen von Besitzern, TÜV und Pannenhelfern in der Regel voll und ganz. Ergo: Eine Probefahrt lohnt mit jedem dieser Japaner. Die besten Chancen, dem Mauerblümchendasein davonzufahren, aber hat der Honda Accord.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteil

Honda Accord 1.8i Typ CG, 1998 bis 2003


Schwachstellen Typische Schwachstellen haben sich beim Honda Accord der sechsten Generation bislang nicht herausgestellt. Vor dem Kauf sollte jedoch der Unterboden auf Kantenrost geprüft werden, da Honda bei der Konservierung recht sparsam war. Darüber hinaus auf die Einhaltung der Wechselintervalle des Zahnriemens achten. Bis 1999 gab es gelegentlich Probleme mit undichten Kühlern. Hakelige Zündschlösser sorgen bisweilen ebenfalls für Ärger. Generell ist zu beachten, dass Ersatz- und Verschleißteile bei Honda teuer sind.

Technische Daten Hubraum: 1850 cm³, Leistung: 136 PS, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h • Preis ab 7000 Euro • AUTO BILD-Wertung ***** ( max. fünf Sterne)

Mazda 626 2.0i Typ GF/GW, Baujahr 1997 bis 2002

Erfahrung zahlt sich aus: technisch ausgereifter Mazda.

Schwachstellen Im Gegensatz zu den drei anderen Japanern kommt der Mazda 626 tatsächlich aus Nippon. Der lange Reifeprozess über mehrere Generationen zahlt sich aus: Mechanisch bereitet ein 626 normalerweise selbst bei hohen Laufleistungen keine Probleme. Voraussetzung: Der sensible Zahnriemen muss rechtzeitig gewechselt werden. Nicht besonders haltbar sind dagegen die Auspuffanlage, die Bremsen und die Stoßdämpfer. Außerdem auf Rost am Unterboden und Undichtigkeiten an der Kupplungshydraulik achten.

Technische Daten Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 115 PS, Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h • Preis ab 6000 Euro • AUTO BILD-Wertung **** (max. fünf Sterne)

Nissan Primera 2.0 Typ P11, Baujahr 1996 bis 2002


Auch der Nissan gehört zur problemlosen Sorte Gebrauchtwagen.

Schwachstellen Der in England gebaute Nissan Primera gehört zur problemloseren Sorte unter den Gebrauchtwagen. Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität erreicht er jedoch nicht ganz das Niveau der drei anderen Mittelklässler. Rost am Unterboden ist bei schlecht gepflegten Exemplaren durchaus möglich. Der TÜV beanstandet zudem häufiger mal die Gelenke und Manschetten der Vorderachse. Bei der Besichtigung zudem auf rubbelnde Bremsscheiben und eine funktionierende Lichtmaschine achten. Wenig haltbar ist darüber hinaus die Batterie.

Technische Daten Hubraum: 1998 cm³, Leistung: 131 PS, Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h • Preis ab 6000 Euro • AUTO BILD-Urteil *** (max. fünf Sterne)

Toyota Avensis 2.0 Typ T22, Baujahr 1998 bis 2003

Besonders empfehlenswert: Avensis ab Mitte 2000.

Schwachstellen Der als Musterknabe gepriesene Toyota Avensis macht seinem Ruf alle Ehre – aber erst seit dem Facelift Mitte 2000. Die Verarbeitungsqualität der früheren Modelle ist nicht immer überzeugend, und bis 1999 fielen die 1600er-Benziner öfter mit durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen auf. Beim 2.0 (Benziner und Diesel) bis Baujahr 2001 kann das Zweimassen-Schwungrad vorzeitig kaputtgehen. Bisweilen macht auch das Ausrücklager der Kupplung Geräusche. Zudem werden häufiger verzogene Bremsscheiben beanstandet.

Technische Daten Hubraum: 1998 cm³, Leistung: 150 PS, Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h • Preis ab 8000 Euro • AUTO BILD-Urteil **** (max. fünf Sterne)

Autor: Ulrich Holzwarth

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