Gebrauchter Golf mit 421.000 km

Gebrauchtwagen-Check Golf II mit 421.000 Kilometern Gebrauchtwagen-Check Golf II mit 421.000 Kilometern

Gebrauchter Golf II mit 421.000 km

— 11.05.2006

Und läuft, und läuft, und läuft ...

Der Golf II folgt der legendären Käfer-Werbung. Der AUTO BILD-Dauertester von 1986 ist inzwischen gut eingelaufen: 421.000 km!

Reif fürs Sportabzeichen

Am 4. April 2006 feierte der Golf II seinen 20. Geburtstag. Viele Leser kennen ihn noch als Gebraucht-Dauertestwagen, der von Juni 1992 bis Ende 98 seine 75 Benzin-PS unverdrossen in den Dienst der Redaktion stellte. Doch wie feiert man einen runden Auto-Geburtstag? Mit einer Garagenfete? Schampus für die Gäste, Super plus fürs Auto? Nein, ganz nüchtern dachten wir an einen Gesundheits-Check. Immerhin zeigte der Tacho schon über 420.000 km.

Sind die Kolbenringe überhaupt noch vorhanden? Denn beim Kaltstart kommen aus dem Auspuff schon mal Rauchzeichen. Die Abgasuntersuchungen waren aber immer okay, auch sein Motoröl-Durst lag nahe null. Sind die Ventile noch dicht? Obwohl die Hydrostößel oftmals sehr laut tickten, blieb das Kompressionsbild ebenmäßig. Also: Kopf runter und in die Innereien geschaut? Nein, einen gesunden Menschen seziert man ja auch nicht. Wir wählten die elegantere Art, sozusagen das EKG unter den Prüfungen. Auf dem Rollenprüfstand bei Aral in Bochum mußte der Golf zeigen, was noch in ihm steckt.

Um es kurz zu machen: Für sein Alter ist er reif fürs Sportabzeichen. Nur zehn Prozent Muskelschwund meldet das Meßprotokoll, darin sind die vom nachgerüsteten HJSG-Kat geraubten PS bereits enthalten. Ein Ergebnis, das sich Wolfsburg hinter den Spiegel stecken kann.

Ein langes Leben voller Action

Schauen wir in den Rückspiegel. Von April 1986 an diente der Golf II treu bei Sabine Fulst in Norderstedt. Die Berufsberaterin verkaufte ihn sechs Jahre später für 8500 Mark an AUTO BILD. Damals zeigte der Tacho 104.000 km. Der Golf lieferte uns sechs große Geschichten und viele kleine, weil er Versuchskaninchen für Zubehör spielen mußte.

Was wir nicht alles ausprobierten. Ein Airbrush-Engel (verun-)zierte mal seine Motorhaube. Eine Klimaanlage wurde eingebaut, ein elektrisches Schiebedach, Weißwandreifen, Lederlenkrad, Regensensor, Seitenaufprallschutz, Temporegler, Schalensitz, getönte Rückleuchten, ja sogar die Stoßstangen des letzten Modells. Bei "Schreinemakers Live" trat er zu Wegfahrsperren-Tests ebenso auf wie bei Günther Jauch in "Stern-TV".

Für 1000 Mark kaufte ich den Fernsehstar Ende 98 für meine Tochter Irin, der Tacho zeigte damals rund 340.000 km. Was macht eine Studentin, die notorisch knapp bei Kasse ist, aber mobil bleiben will und muß? Sie schließt erst mal keine Kasko-Versicherung ab. Sollte mal was kaputtgehen, für Golf II gab es damals schon eine üppige Gebrauchtteile-Szene. Und sie hat natürlich einen Vater, der einst Autoschlosser gelernt hat. Schiebedach geht nicht? Papi findet die kaputte Sicherung. Fensterheber defekt? Papi besorgt das Teil für kleines Geld vom Schrott und baut es ein.

Pro Jahr kostete der Golf 552 Euro

Pingeliger war ich bei der Sicherheit. Wenn so ein alter Wagen weder ABS noch Airbags hat, dann muß die Technik immer top sein. Zur Inspektion kam er deshalb grundsätzlich in VW-Werkstätten, was zwei Vorteile hat: Für alte Wagen bietet VW "Danke-schön-Inspektionen" zum Sonderpreis an, in der auch automatisch eine Mobilitäts-Garantie enthalten ist. Die hat meine Tochter nur einmal in Düsseldorf gebraucht, als der Motor nicht ansprang. Der Monteur von Adelbert Moll diagnostizierte einen defekten Magnetschalter, schleppte den Golf an und riet, einen gebrauchten Anlasser zu kaufen. Ich baute ihn aber aus und brachte ihn zum Bosch-Dienst. Nix da, der Starter war in Ordnung, die Batterie war der Übeltäter.

Einschließlich Kaufpreis verschlang der Golf II in gut sieben Jahren insgesamt 3861,91 Euro. Steuer und Versicherung außen vor, die hätte ein Jungwagen ja auch gebraucht. Macht pro Jahr 552 Euro. Billiger kann man nicht fahren.

Märchenhaft kann ich jetzt enden: Und wenn er nicht gestorben ist ... Denn Anfang 2006 verkaufte meine Tochter den Golf für 100 Euro unserem Testteam-Mitarbeiter Tom Genkel. So behalten wir unseren Youngtimer stets im Auge, und Sie werden spätestens dann wieder von ihm lesen, wenn er seinen Geist aufgegeben hat. Im Moment hat er noch längst nicht die Absicht, das zu tun.

Historie und Versicherung

Modellgeschichte (Auszug): 9/83 Modelleinführung der drei- und fünftürigen Schräghecklimousine. Benziner mit 55 und 75 PS, ein Diesel mit 54 PS • 1/84 Turbodiesel (70 PS) und GTI (112 PS) neu • 8/84 Einführung Katalysator • 9/85 Alle Motoren mit hydraulischen Ventilstößeln, Benziner mit kontaktloser Zündung, Einführung GTI 16V • 8/87 Große Modellpflege. Wegfall vordere Dreieckfenster, großes VW-Zeichen im Heckblech • 9/89 Verbesserte Serienausstattung, geänderte Stoßstangen für GL • 9/91 Wechsel auf den Golf III, Golf II wird als Modell Function bis Ende 1992 weitergebaut

Versicherung: Die Haftpflichtklassen reichen von zehn bis 25. Mit Klasse 18 ist der Golf II 1.6 mit 75 PS nicht gerade ein Sparfuchs. Ein Tribut an die Schadenstatistik: Da billig zu haben und zu unterhalten, wird er häufig von jungen Leuten gefahren – und die produzieren halt überdurchschnittlich viele Schäden. Wegen der Prämie einen gleichstarken Golf III zu nehmen, ist aber kein Spartip – denn der rangiert mit Klasse 17 nur eine Klasse besser. Das macht im Jahr nur rund 50 Euro aus. Besser: Im Tarifvergleich von www.autobild.de nach einem günstigen Versicherer forschen. Da sind für einen Fahrer von 21 Jahren mit SF-Klasse drei leicht bis zu 200 Euro Ersparnis im Jahr drin.

Autor: Diether Rodatz

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