Gebrauchtwagen bis 2000 Euro

— 10.08.2008

Was gibt es für 2000 Euro?

Der Preis ist klein, die Auswahl riesig. Viele Gebrauchtwagenhändler haben sich auf Billigheimer spezialisiert. AUTO BILD suchte auf den Höfen nach Schnäppchen und fand vom verbrauchten BMW 7er bis zum vernünftigen VW Golf alles.



Wir haben 2000 Euro in der Tasche und sind entschlossen: Ein Auto muss her. Ob wir fündig werden? Ein geschotterter Hof in Rothenburgsort, einem Hamburger Industriegebiet. Hinter hohen Stahlzäunen stehen sie: Autos mit bewegtem Vorleben. Eines davon: ein BMW 740i, V8-Motor mit 286 PS, Lederausstattung, Automatik. Im Container nebenan unterhalten sich drei Männer und rauchen. Ach ja, der BMW. "Aus fünfter Hand, Baujahr 94, 251.000 Kilometer." Auf dem Ölwechsel-Schild ist der letzte Service notiert: Dezember 2004, bei Kilometerstand 190.000. Der Fahrersitz wackelt, der Aschenbecher ist voller Kippen. Beim Drücken fällt auch noch das Holzfurnier ab. Der Verkäufer holt eine Batterie, will das Auto starten. Es springt nicht an.

Gebrauchtwagen bis 2000 Euro sind immer seltener beim Händler zu finden

Der Klassiker unter den Gebrauchtwagen bis 2000 Euro: Golf III werden an jeder Ecke angeboten.

"Waggen läuft aber", versichert er in gebrochenem Deutsch. Was der BMW kosten soll? "1700 ohne Garrrantie." Was ist da noch drin? Autos für weniger als 2000 Euro – bei Markenhändlern findet man sie selten. Denn seit 2002 gilt die verschärfte Sachmängelhaftung bei Gebrauchtwagen. Für Käufer eine klasse Sache, für den Händler nicht. Auch wenn er die Gewährleistung im Kaufvertrag ausschließt – denn diese Ausschluss-Möglichkeit gilt für Privat-Verkäufer, nicht für Handelsprofis. Ein anderer Hof. Zwischen Pfützen und Reifenstapeln stehen viele Billigautos. Eines davon: ein Golf III Variant, weiß mit abgefahrenen Reifen. "Zweiter Hand, Baujahr 95, 64-PS-Diesel", erklärt der Verkäufer. Scheckheft? "Gibt's nicht." Und der Preis? "1800." Da geht bestimmt noch was. Trotzdem ziehen wir weiter. Es gibt ja noch viele Autos unter 2000 Euro.

Hier kann billig teuer werden

Der BMW 7er war der Traum der frühen 90er. Jetzt wird er zum Aldi-Kurs verramscht.

Keine 15 Jahre ist es her, da fuhren Bosse in solchen Limousinen ins Büro. Nahmen Platz auf edlen Ledersesseln, blickten auf feines Wurzelholz und spürten den Druck des V8 unter der Haube. Heute werden 7er-BMW der Baureihe E32 (1986–94) meist auf Hinterhöfen verhökert, aus vierter oder fünfter Hand und nicht selten mit 300.000 Kilometern und mehr auf dem Tacho. Pflegezustand? Reden wir nicht drüber ... Für kleines Geld gibt es großen Luxus – und noch größere Sorgen. Denn Vorsicht ist angebracht. Rost ist beim 7er zwar kein Problem, der TÜV bemängelt aber regelmäßig Achsen und Lenkung. Und eines sollten Käufer eines betagten bayerischen Luxuswagens bedenken: Gegenüber den Unterhaltskosten ist der Kaufpreis ein Witz. Da wäre die hohe Versicherungseinstufung, da gibt es saftige Preise für Reparaturen, ganz zu schweigen von den Spritkosten. Übrigens: Es gibt auch gepflegte 7er mit nachvollziehbarer Historie. Aber die sind bei Hinterhof-Händlern selten zu finden, und sie kosten mehr als 2000 Euro.

Der kompakte Kofferraum-Riese

Der Golf musste erst 19 Jahre alt werden, bis er einen großen Bruder bekam. Das war 1993 – die Geburtsstunde des Variant. 4,66 Millionen Golf III wurden von 1991 bis 1997 gebaut (Variant bis 1998), gut 580.000 Exemplare hatten den Riesen-Kofferraum. Entsprechend groß ist das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Wer für weniger als 2000 Euro einen Diesel sucht, ist mit dem antiquierten, aber zuverlässigen 1.9 D mit 64 PS keineswegs schlecht beraten. Der Diesel gilt als Dauerläufer, wenn nicht gerade eine Wirbelkammer in den Brennraum gefallen ist, was mitunter vorkam. Trotzdem ist der alte Diesel erste Wahl. Denn die gefragten und starken TDI-Motoren sind echte Sorgenkinder (Zahnriemen und Spannrolle). Ansonsten hat der Variant Schwachstellen, die auch von der Limousine bekannt sind. Dazu gehören Öl- und Wasserverlust bei den Motoren, oft ausgeschlagene Gummilager an der Hinterachse, spröde Bremsschläuche, Klappergeräusche im Armaturenbrett und wackelnde Sitze. Rost ist vor allem bei lieblos gepflegten Exemplaren ein Thema.

Das maximale Autoangebot

Der Nissan Maxima QX ist bereits ab rund 1800 Euro zu haben.

Als der Maxima QX 1995 auf den Markt kam, rief Nissan einen Kampfpreis auf: Weniger als 40.000 D-Mark kostete der Zweiliter-V6. Doch über die Rolle des Mauerblümchens kam der konservative und komfortable Japaner nie hinaus. Entsprechend klein sind die Gebrauchtpreise. Dabei steht der Maxima beim TÜV für maximale Qualität, hat standfeste Bremsen, einen robusten Motor. Sorgen bereitet wegen der vielen Verbraucher die Batterie, die Kabelführungen bei den Türen reißen manchmal, lassen Wasser durch, und die Kupplung verschleißt mitunter schnell. Deshalb lieber einen mit Automatik nehmen.

Zuverlässig sparen

Ein Swift rostet zwar gern, ist jedoch ein quirliges Leichtgewicht.

Kein ABS, kein Airbag, kein Image. Der Suzuki Swift vor 1995 ist ein Auto für Puristen. Und Sparfüchse. Exemplare aus Hausfrauenhand gibt es für weniger als 1000 Euro. Aber beim Gebrauchtwagenkauf gilt es, eines zu beachten: So ein Swift rostet stärker an Rahmen und tragenden Teilen als andere Typen dieser Klasse. Auch die Mängelquote der Fußbremse an der Vorderachse liegt über dem Schnitt, Bremsleitungen korrodieren häufig. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Kupplung und Getriebe, weil der Swift mit 1,0 Liter großem Dreizylinder oft als Cityflitzer im Einsatz ist. Gemessen am kleinen Preis ist der Suzuki in Sachen Zuverlässigkeit aber ein Großer.

Verkannter Klassiker

Der erste Audi 100 galt mal als Volks-Mercedes – das ist seinem Design anzusehen.

Mercedes /8, BMW 525 – solche 70er-Jahre-Ikonen sind gesucht. Nicht der Audi 100 aus den Jahren 1968 bis 1976. Dabei ist auch er längst ein Klassiker. Und doch ein Geheimtipp: Den Audi 100 gibt es sehr günstig. Nur leider selten aus Liebhaber-Hand. Und noch seltener ohne Rostschäden, denn das war die große Schwäche der alten Audi. Meist müssen bei Billigkäufen außerdem die Schäden jahrelangen Herumstehens kuriert werden. Am Ende hat sich der Kaufpreis verdoppelt oder verdreifacht, aber zur Belohnung gibt es immerhin das H-Kennzeichen (Jahressteuer: 192 Euro) und spottbillige Versicherungstarife. Und: Typen mit H dürfen sogar in die Umweltzonen fahren. 

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Andreas May

Weniger als 2000 Euro für ein Auto – das klingt nach Schnäppchen. Zumal Käufer die Wahl haben zwischen Luxuslimousine, praktischem Kombi, Kleinwagen und Klassiker. Wer wenig ausgeben will, sollte aber höllisch aufpassen: In dieser Preisklasse gibt's oft nur Autos, die entweder teuer im Unterhalt sind oder hohe Folgekosten haben. Ein Billigheimer mit verschlissener Kupplung, abgenutzten Bremsen und glatten Reifen ist kein Schnäppchen mehr. Sondern ein Auto, dessen Reparaturkosten oft den Kaufpreis übersteigen. Mehr über Gebrauchtwagen bis 2000 Euro erfahren Sie oben in der Bildergalerie!

Autor: Andreas May



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