Gebrauchtwagen-Check — 03.09.2007
Unterm Strich doch kein Schnäppchen
Frühe BMW X5 mit Diesel sind teuer, aber gut – sofern die Vita passt. Der Checker spürt ein Sonderangebot mit seltener Handschaltung auf. Und landet in einem höchst speziellen Zweithand-Supermarkt.
Schon das Telefonat zeigt: Bei dieser Unternehmensgröße ist der Kunde kein König, eher eine Nummer – wie jedes der gut 1800 Autos. Details des X5 könne man aktuell nicht nennen, erfahre ich, nachdem ich dreimal durchgestellt wurde. Einfach vorbeikommen – und den vierstelligen Verwaltungscode es Autos nicht vergessen! Bei dem Zweithand-Grossisten geht es zu, als gäbe es Freibier. Ich kämpfe mich durch, werde von einem Mitarbeiter zum nächsten verschoben. Endlich darf ich meine persönliche Gewinnnummer nennen und den Schlüssel zum Glück erhoffen. Doch dann heißt es: "Dieses Auto können Sie nur in Begleitung ansehen." Warum, wird nicht verraten. Na gut, dann gehe ich halt mit Passagier auf Probefahrt. Und muss die Fotos diesmal etwas unauffälliger schießen. Mein netter Begleiter dient sonst als Dolmetscher für Kunden aus Osteuropa. Wir erreichen den X5, einen Leasingrückläufer aus Italien. Bis auf eine gelöste Flanke der Mittelkonsole (Pfusch beim Telefoneinbau) und Flecken in den Stoffsitzen steht das Auto gut da. Dann die Ernüchterung: Erfahrbar ist der BMW, wie alle Gebrauchten hier, einzig auf dem Gelände. Heißt: zwischen den Reihen der Fahrzeuge.
Der X5 war in Italien nie zur Wartung, die Vita bleibt diffus
Zähneknirschend tuckere ich unter Aufsicht des Ausländerbeauftragten im Slalom um andere Kunden herum, schaffe es nur bis zum zweiten Gang. So bleibt die teure und eventuell verschlissene Kupplung weitgehend ungeprüft, die Vorderachse – immerhin bekannter X5-Schwachpunkt – ebenso. Das ist schon mal eine glatte Sechs. Parken, zurück zum Gebäude, warten auf einen Verkäufer. "50 bis 200 Autos verticken wir pro Tag", müht sich mein Betreuer um Kurzweil: "Und dieser Verkäufer hier fährt zwei AMG-Mercedes". "Zwei AMG", nicke ich. "Hätte er nicht zwei AMG, wäre er kein guter Verkäufer", plappert er weiter. Ich bestätige: "Kein guter Verkäufer." Und denke: So läuft das hier also. Na, dann gute Nacht. Empfang beim AMG-Doppelbesitzer, äußerlich ein Autoverkäufer nach bestem Klischee. Doch er gibt sich sachlich und kommt unumwunden auf den Punkt: Das in der Annonce zitierte Serviceheft ist bis auf die Übergabeinspektion leer, die Laufleistung nicht dokumentiert. Dumm, zumal das Drehen an der Uhr in Italien deutlich gängiger ist als hierzulande. Später ergibt meine subversive Recherche bei BMW Italia: Tatsächlich war der X5 dort nie zur Wartung. So bleibt die Vita diffus: Ist der km-Stand echt – und noch immer das erste Öl drin? Dann kann der Turbolader vorgeschädigt sein. Oder wurde das Auto gezielt woanders ohne Scheckheft-Stempel gewartet – der Zählwerkmanipulation zuliebe? Wie gut der X5 auch sein mag: Das Vertrauen fehlt völlig. Zum Endpreis: Die 26.950 Euro, auch das gilt bei diesem Händler generell, sind nicht verhandelbar. An privat geht der BMW nur inklusive TÜV/AU und Garantie – macht weitere 500 Euro. Sicherheitshalber unbedingt ratsam: eine große Wartung – noch mal gut 500. Und wer es genau nimmt, greift zum Satz Sommerreifen, weil nur Winterpneus dabei sind – wieder 800 Euro. Unterm Strich lande ich bei fast 29.000 Euro. Dafür gibt es solch einen BMW X5 3.0d auch woanders. Nur mit klarer Historie. Und wohl mit besseren Garantieleistungen – für derartige Defizite ist der Gebraucht-Gigant gleichsam bekannt.

































