Gebrauchtwagen-Check 4x4-Pick-ups

Toyota Hilux 2.4 TD Double Cab Special Toyota Hilux 2.4 TD Double Cab Special

Gebrauchtwagen-Check 4x4-Pick-ups

— 04.03.2008

Aller Laster Anfang?

Diesmal im Brennpunkt: kein bestimmtes Modell, sondern eine ganze Spezies – die der 4x4-Pick-ups. Gibt es akzeptable Vertreter? AUTO BILD-Gebrauchtwagenexperte Wolfgang Blaube findet fast nur zerschundene Gurken.

Wer nach einem gepflegten Allrad-Pick-up sucht, sollte Geduld mitbringen. Denn nur wenige Exemplare sind so umsorgt, wie es der Liebhaber voraussetzt. Und die sind meist teuer – so teuer, dass ein Neuwagen mit voller Garantie eine schlaue Alternative sein kann. Der hier gezeigte Toyota ist jedenfalls eine echte Ausnahme. Im neuen Jahr wird alles anders? Nein, nein, keine Angst: "Der Checker" bleibt ganz der Alte. Nur in diesem Artikel verlasse ich das gewohnte Schema. Denn jetzt geht es nicht um einen spezifischen Allradtypen, sondern um eine ganze Gattung: die der 4x4-Pick-ups. Und die sind hierzulande Raritäten, weil zumindest die Privatiers unter uns kaum Verwendung für offene Ladeflächen haben. Und weil es einfach uncool ist, ein rostendes Regenwasserbiotop spazieren zu fahren.

Wer einen gepflegten Allrad-Pick-up sucht, sollte Geduld mitbringen

Viele Extras im Cockpit: sehen gut aus, riechen aber übel nach Nikotin.

Wir sind hier eben nicht in Kalifornien, wo Niederschlag oder Korrosion Fremdworte und Surfbretter stets an Bord sind. Was ohne Begünstigung durch Witterung und Freizeitverhalten bleibt? Die Notwendigkeit einer Offroad-Pritsche in professionellem Terrain – und darüber hinaus eine kleine, treue Gemeinde privater Fans. Das Gros der Gebrauchten ist entsprechend: kaum ein Allradlaster, der nicht aus einer Gärtnerei, Schreinerei, Forstwirtschaft oder Baufirma stammt. Heißt zumeist: wechselnde Fahrer, ungepflegter Zustand. Wer will schon solch ein abgerittenes Nutzfahrzeug? Wer dies zunächst noch hintenanstellt, steht vor dem nächsten Problem: Er muss das Auto als Endverbraucher erstmal kaufen dürfen. Doch auch dagegen spricht der gewerbliche Vorbesitz. Denn für die Tischlerei oder Glaserei XY gilt wie für jeden Autohändler: Als Firma ist sie per Gesetz zur Sachmängelhaftung verdonnert. Der kann sie nur entkommen, wenn der Käufer selbst Gewerbetreibender ist. Logisch, dass hinter vielen Annoncen die Abwehrklausel "nicht an privat" steckt – auch wenn sie sich oft erst beim Telefonat offenbart. Entsprechend ernüchtert gehe ich auf Allradlaster-Suche.

Von 75 Angeboten richten sich nur ganze sieben an den Endverbraucher

Nicht weit vom Neuzustand entfernt: der Motorraum des Toyota mit lahmem 90-PS-Diesel.

Vorgaben: Diesel, moderneres Modell (1998 bis 2004), gepflegt. Und verfügbar für Endverbraucher. In der Suchmaske: die ganze Spezies. Mitsubishi L200, Nissan Pick-up, Ford Ranger, Mazda B 2500, Toyota Hilux. Um nur die Wichtigsten zu nennen, sortiert nach Marktpräsenz. Zahlenmäßig dominiert der in Thailand gebaute Mitsubishi. Aber nicht qualitativ, wie zahlreiche Zitate mangelnder Haltbarkeit zeigen. Durabler ist der Nissan, immerhin bis 2005 mit der Referenz der Japan-Herkunft. Ford, Mazda: baugleich, Thailand, selten – kaum schade drum, stenografiere ich. Erste Wahl ist der Toyota. Weil er als am wenigsten anfällig gilt. Trotz des veralteten 2,4er-Turbodiesels, dessen Wirbelkammerkragen wegbrennen. Und der Getriebelager, die hohe Dauerdrehzahlen hassen. Von 75 Angeboten, die altersmäßig in Frage kommen, sind 68 gewerblich. Und 63 davon Marke "nur Export" und Co. Fünf dieser Kandidaten wären also zu haben, dazu sieben von privat, macht zwölf. Guter Zustand, also dem Alter eher angemessen als der lasterhaften Gattung an sich? Da waren's nur noch vier – laut fernmündlicher Auskünfte. Bin ich überpingelig, weil drei Exemplare mit Unfallschäden, Zementplacken, im Fond ausgekippten Farbeimern und/oder fehlenden Heckklappen bei den Ortsterminen durchs Raster fallen?

Sei's drum – manch echter Interessent wäre noch kleinlicher. Was jedenfalls übrig bleibt, ist ein einziges Exemplar, dessen Zustand ich als gepflegt einstufe. Ein Toyota. Typ Hilux 2.4 TD Double Cab Special. Erstzulassung November 2000, 16.7000 Kilometer gelaufen. Zufall, dass von 75 Stücken einzig dieses beim Vertragshändler steht? Wohl kaum. Erstbesitzerin Modell 1945, zweite 1941 geboren, jetzt Inzahlunggabe für einen neuen RAV4. Scheckheft bis gerade erst, Motorraum Neuwagen-like, null Kratzer, nie Gelände, Baustelle oder Baumschule. Echt exotisch für einen Pick-up. Im Soll: Delle in der Klappe, Innenraum übel verqualmt (muss shampooniert werden). Na und? 10.790 Euro, das ist ein fairer Preis des Toyota-Partners auf dem Land – finde ich. Aber offenbar allein. Denn der Doppelkabiner steht hier seit Monaten. Und steht. Und steht. Dass ihn keiner will, kann ich nicht begreifen. Wie manches an der Pick-up-Klientel. Eine Woche später sind einige der Müllberge, die ich links liegen ließ, für mehr Geld verkauft.

Fazit von Gebrauchtwagenspezialist Wolfgang Blaube

Wer nach einem gepflegten Allrad-Pick-up sucht, sollte Geduld mitbringen. Denn nur wenige Exemplare sind so umsorgt, wie es der Liebhaber voraussetzt. Und die sind meist teuer – so teuer, dass ein Neuwagen mit voller Garantie eine schlaue Alternative sein kann. Der hier gezeigte Toyota ist jedenfalls eine echte Ausnahme.

Autor:

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.