Gebrauchtwagen-Check

Mitsubishi Pajero Pinin Mitsubishi Pajero Pinin

Gebrauchtwagen-Check

— 27.02.2008

Lifestyle-Zwerg mit unfeinen Manieren

Diesmal ist der Kandidat des AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Checks der Mitsubishi Pajero Pinin 1.8 GDI von 2000. Aus Erfahrung wissen wir: Der winzige Italo-Japaner ist zwar schick, aber auch teuer und bisweilen ziemlich zickig.

Ach, wie süß, jubiliert die Dame verzückt, während der Herr die Augen verdreht. Immer wieder die gleichen Reaktionen auf Mitsubishis Gelände-Gnom, den einst Italiens Star-Couturier einkleidete. Der Pajero Pinin, gebaut von Pininfarina in Bairo Canavese bei Turin, von Herbst 1999 bis Frühjahr 2006 genau 15.593-mal in Deutschland verkauft: die Damenwahl in der Offroad-Klasse – falls man den gängigen Klischees glauben darf. Hier geht es jedoch nicht um seinen gesellschaftlichen Grad und geschlechtsspezifischen Gusto. Sondern einzig um die Frage: Was für einen Typen holt man sich nach rationalen Kriterien mit einem angejahrten Pinin ins Haus – Freund oder Flegel? Vorab: Teuer ist er, der Kleine. Die günstigsten Frühwerke, die ich in weitem Umkreis aufspüre, sollen allesamt knapp 10.000 Euro kosten. Außer einem, der sich für 6980 feilbietet. Genau dieses Stück seziere ich. Soweit dies im Rahmen der Anonymität möglich ist.

Läuft immer, aber weder sparsam noch sorgenfrei

Interieur: Brandloch im Sitz, sonst alles akzeptabel.

Zur Modellhistorie des Pinin. Fast zeitgleich starteten die Urversionen 1.8 GDI (120 PS) und 2.0 GDI (129 PS), jeweils mit der Pionierleistung der Benzin-Direkteinspritzung. Letztere: vier Türen, 4,04 Meter lang. Erstere: zwei Türen, 3,74 Meter kurz. Deren Ablöse kam 2001 als 1.8 MPI (114 PS) mit konventionellem Gemischwerk und vereinfachtem Allradantrieb (Zentraldifferenzial) ohne Geländeuntersetzung anstatt der abschaltbaren Permanent-Lösung. Die bot nach wie vor der 2.0 GDI, der unverändert weiterlief. Außer, dass beide Motorisierungen seitdem mit beiden Aufbauvarianten kombinierbar waren. Was alle Pinin GDI auszeichnet: Mit ihrer 4x4-Technik sind sie innerhalb ihrer Generation und Klasse ohne Konkurrenz. Was sie nicht auszeichnet: eben der GDI-Motor. Zum einen ist die Direktfütterung längst nicht so sparsam wie erhofft, zum anderen bereitet sie häufig Probleme. Was mutmaßlich an den Alkoholverbindungen in Europas Otto-Kraftstoffen liegt. Schwankende Leerlaufdrehzahl und übles Teillastruckeln sind die Folge, die Verrußung der Brennräume ist die Endstation. Und die bedeutet: Kopf runter, Maschine inwendig entkoken – ein teurer Spaß. Immerhin: Irgendwie läuft sie immer. Alle Versionen eint indes die luschige Rostvorsorge, die komplizierte Vorderachseinstellung (Reifen laufen schief ab) und die kurzlebige sowie ziemlich teure Auspuffanlage.

Der Verbrauch: nie unter neun, bei Vollgas 16 Liter auf 100 km

Nur für Kleinigkeiten: kaum Gepäckvolumen, davor die Bank ohne Beinraum.

Kein sonniges Vorab-Bild zur Besichtigung des offenbar sehr günstigen Kandidaten, eines 1.8 GDI. Er steht bei einem freien Händler, ist nicht aufbereitet. Hinter dem Eindruck nachlässiger Pflege verbirgt sich jedoch ein nahezu kratzer- und dellenfreier Pajero Pinin. An dem alles sorglos funktioniert, wie die ausgiebige Probefahrt zeigt. Bis auf den undichten Auspuff und den tanzenden Leerlauf – klar. Ist der Preis verhandelbar? Allerdings, und zwar aufwärts, wie ich erfahre. 6980 Euro, das ist der Export-Kurs. In die inländische Privathand geht der Kleine nur mit frischer HU/AU und einer Garantie. Macht 7500 Euro glatt. Mutige Ansage, müssen dafür doch Teile der Abgasanlage und Reifen hinten (vorn neu) kalkuliert werden.

Die Historie des Pinin? "Keine Ahnung", sagt der Händler, er habe ihn von einem VW-Partner. Aber ich könne ja den Vorbesitzer anrufen – faire Geste. Das Telefonat ergibt: Der Mann kaufte das Auto als drei Monate alten Vorführwagen, gab ihn jetzt für einen neuen Golf in Zahlung. Leerlaufruckeln? "Von Anfang an ein unlösbares Problem." Größere Schäden? "Durchaus: Bei Zählstand 30.000 Ölfilter dicht, Kolbenfresser, komplett neuer Motor – Sch...-Karre", stöhnt er. Und meint damit auch den Verbrauch: Nie unter neun, bei Vollgas 16 Liter auf 100. Wundert mich nicht – dies sind genau unsere Erfahrungen. Erstaunlich ist lediglich, dass der Mitsubishi bislang auf der Nordseeinsel Föhr wohnte und trotzdem rostfrei ist.

Fassen wir zusammen: Pajero Pinin 1.8 GDI, knapp 77.000 Kilometer, Motor nur 47.000, unfallfrei, Vollausstattung. Wenn die Mängel noch behoben werden, ist er für 7500 Euro ein Schnäppchen. Denn der Wert liegt nach unserer Schätzung bei knapp 9000 Euro. Guter Kauf also – falls es denn ein Pajero Pinin mit GDI-Technik sein muss.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Tester Wolfgang Blaube

Wer einen älteren Offroad-Zwerg mit Permanent-Allrad will, kommt am Pinin GDI nicht vorbei, muss aber mit Motorproblemen rechnen. Soll es solch ein Typ sein, ist unser Prüfling eine gute (und günstige) Wahl. Untersetzungsgetriebe unwichtig? Dann greife man zum sorgloseren 1.8 MPI. Oder gleich zum Suzuki Grand Vitara.

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