Gebrauchtwagen-Check

Gebrauchter VW California Coach syncro 2.5 TDI Gebrauchter VW California Coach syncro 2.5 TDI

Gebrauchtwagen-Check Allrad-Wohnmobile

— 09.10.2008

Zweitwohnsitz zum zweifelhaften Kurs

Allrad-Wohnmobile sind echte Raritäten. Und höchst begehrt – sofern sie etwa VW California Coach syncro heißen. Der Checker nimmt einen 2.5 TDI der Generation T4 mit Hochdach unter die Lupe.

50 Prozent des Neupreises für ein fast neun Jahre altes Auto – ja, spinnt der Typ? Mindestens, meint man. Ähnliche Offerten dürften das eindrucksvoll bestätigen. Mal sehen – suchen, surfen, dann überregional, schließlich bundesweit fahnden … bis die Erkenntnis reift: Nicht ein auch nur annähernd vergleichbares Stück ist aktuell im Netz. Die Kiste ist ein absoluter Exot. Außerdem ist sie unter Allrad-Anhängern sehr begehrt. Und plötzlich relativiert sich mangels Alternativen die irrwitzig anmutende Preisvorstellung. Beneidenswert, der Besitzer. Vor Ort zeigt sich: Er ist keinesfalls jemand, dem man den Puls fühlen und gute Besserung wünschen müsste. Sondern ein zugänglicher, offensichtlich sehr ehrlicher Zeitgenosse. Der genau weiß, wovon er redet.

Fundgrube für Schnäppchen: die Gebrauchtwagenbörse von autobild.de

Das Allrad-Wohnmobil lässt keine Wünsche offen: Drehsitze, Navi, Telefon, Sitzheizung und Klima.

Kein Wunder: Als Serviceleiter eines VW-Betriebs hat er tagtäglich mit Vertretern dieser Baureihe zu tun, kennt alle Pluspunkte wie potenzielle Baustellen. Vor allem aber hat er dieses Auto selbst jahrelang gesucht, dann bei der älteren Vorbesitzerin großzügig bezahlt und in der Folgezeit gezielt verbessert. Deshalb, sagt der nette Mann selbstbewusst, sei der geforderte Kurs vielleicht stattlich. Aber durchaus nicht unrealistisch. "Volkswagen California Coach 2.5 TDI syncro Compactdach": So lautet der vollständige, ziemlich kryptische Modellname. Kenner wissen: Dahinter steckt der T4-Allrad-Bulli mit Kurzchassis und zwei Schlafplätzen. Aber auch, dass der fünftöpfige Direkteinspritzer nicht zu den durabelsten VW-Triebwerken gehört. Zahnriemen- und Zylinderkopfrisse zeugen von einer Konstruktion, die bisweilen vor den mechanischen und thermischen Belastungen kapituliert. Dazu gesellt sich eine Gangwechseleinheit, die einst für den 164-Nm-Saugdiesel gemacht und später für den TDI nur unzureichend verstärkt wurde. Dessen 250 Newtonmeter ruinieren die Getriebelager sozusagen als Routineübung, eine neue Schaltbox liegt bei rund 3500 Euro im Tausch – zuzüglich Montage. Indes: Abgesehen von kleineren Neuralgien der Komfortelektrik offenbart der T4 TDI keine weiteren typspezifischen Mängel, das Auto gilt generell als grundsolide.

Im Überblick: Alles über Wohnmobile

Macht hoch die Tür: Offen und ehrlich präsentiert der California seine Flexibilität.

Das ergibt auch die sorgfältige Inspektion des Exemplars, um das es hier geht: An dem in gedecktem Türkis-metallic gehaltenen Camper ist ausnahmslos jedes Bauteil samt Funktion im grünen Bereich. Die anschließende Probefahrt offenbart außerdem, dass der Syncro-California genau null Prozent der Symptome zeigt, die auf die bekannten Antriebsgebrechen des 2.5 TDI schließen lassen. Der Eigner hat eben vorgebaut: Der Zahnriemen ist frisch, sicherheitshalber die Wasserpumpe gleich mit, die Bremsklötze sind genauso neu wie der Auspuff, die Starterbatterie und der Zweitakku in Gel-Ausführung ebenfalls. Muss halt alles top sein, wenn man sich, wie im Sommer 2007 geschehen, auf eine 9000-Kilometer-Nordkap-Tour begibt. Okay, die Allwetter-reifen sind nicht mehr der Hit – sagt der Anbieter von sich aus. Deren Erneuerung sei jedoch verhandelbar, signalisiert er. Was wirklich begeistert, ist der Zustand der Lackierung, die – mit Ausnahme eines Rückspiegels – noch vollflächig ab Werk stammt. Winzige Schrammen auf dem hinteren Stoßfänger, ein leichter Kratzer links, das war's.

4x4-Camper mit Alltagsqualitäten

Ohne Übertreibung: So wie bei diesem 99er-VW wünscht man sich das Original-Lackkleid eines gepflegten, steinschlaglosen Zweijahreswagens. Bleibt die bittere Pille des Preises. Gut, der California kommt (bis auf die eher verzichtbare Differenzialsperre hinten) mit sämtlichen Extras, sein Zustand ist bestechend. Aber muss er deshalb 26.500 Euro kosten? "Hängt von der Resonanz ab. Und die Annonce ist noch frisch", meint der Eigner gelassen. Ohne seine Schmerzgrenze zu verraten. Bleibt die Nachfrage ganz aus, fährt seine Frau das Auto eben weiter, sagt er. "Zu diesem 4x4-Camper mit Alltagsqualitäten gibt es ja eh keine Alternative." Der Mann hat recht. Denn dass der Erbe T5 4motion in analoger Ausstattung nochmals deutlich teurer ist, wissen wir selbst. Und auch, dass er – Stichwort Verarbeitung – insgesamt weniger empfehlenswert ist. Trotz des solideren Antriebs.
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Gutes muss nicht teuer sein – kann aber, wie dieser supergepflegte 4x4-T4 belegt. Zu teuer? Aufgrund der sehr vagen Bewertbarkeit bleibt mein Urteil diesmal aus – ein Käufer möge entscheiden. Ob es ihn geben wird? Ich bleibe dran. Gefühlsmäßig dürfte der Zuschlag kaum mit einer Zwei beginnen. Aber was heißt das schon?

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.