Check Audi allroad quattro 2.5 TDI

Audi allroad quattro 2.5 TDI Audi allroad quattro 2.5 TDI

Gebrauchtwagen-Check Audi allroad quattro 2.5 TDI

— 07.11.2008

Hier entscheidet vor allem der Anbieter

Der Audi allroad quattro 2.5 TDI: Anfang 2000 lanciert, mittlerweile günstig zu haben – aber ein echter Sonderfall. Der Checker erzählt, warum er den Urtyp des hochbeinigen A6 Avant von privat bevorzugt.

Auch wenn Stammleser jetzt stöhnen: Ich muss nochmals auf die Sache mit der Sachmängelhaftung zurückkommen. Also in Kurzform: Seit 2003 muss jeder gewerbliche Verkäufer eines Gebrauchtwagens – unabhängig davon, ob er eine zusätzliche Garantie anbietet – einem privaten Käufer eine Gewährleistung einräumen. Damit haftet er ein halbes Jahr lang für auftretende Schäden, sofern er nicht den (höchst theoretischen) Beweis erbringen kann, dass sie nicht schon zum Zeitpunkt des Besitzerwechsels vorhanden waren. Man holt seinen Gebrauchten also besser beim Händler als beim Privatmann, bei dem die klassische Formel "gekauft wie besehen" weitgehend unverändert gilt.

Persönlicher Eindruck und tiefes Vertrauen sind hier nötig

Gesunder TDI-V6: Der Zahnriemen-V6 gilt sonst als werkseitig überzüchtet und thermisch kritisch.

Warum ich das alles aufwärme? Weil es in diesem speziellen Fall nicht gilt. Hier zählt vielmehr die Feststellung, dass ein Händler zwar die "Sorglos-Variante" bietet, aber keinen persönlichen Eindruck des Vorbesitzers vermitteln kann. Ein Umstand, der bei vielen Modellen eher belanglos, hier jedoch entscheidend ist. Die Rede ist vom Audi allroad quattro 2.5 TDI. Und dessen Qualität, die wie bei kaum einem anderen 4x4 von der vormaligen Behandlung abhängt. Denn der Zahnriemen-V6 mit 180 PS (ab 2003 auch 163 PS) gilt als werkseitig überzüchtet und thermisch kritisch, bei unvorsichtiger Behandlung können sich Vorschäden einnisten, die sich spät – und dann extrem teuer – rächen. Ist der bisherige Halter eventuell ein Vollgas-Desperado, dem das Leben nach dem Leasing wurscht ist? Finger weg. Vertraute er einst der Biodiesel-Freigabe durch Audi, die Bosch als Hersteller der konventionellen Verteilereinspritzung stets verweigerte? Finger weg. Ließ er eine Leistungssteigerung mittels Chiptuning installieren? Finger weg.

Gecheckt: sehr gepflegtes Interieur mit Vollausstattung.

Jedes dieser Kriterien kann aus dem Selbstzünderherz eine Zeitbombe machen, die irgendwann hochgeht und dann Reparaturkosten auf Zeitwertniveau nach sich zieht. Was nutzt dann eine zeitlich sehr begrenzte Sachmängelhaftung oder Garantie? Was also nötig ist, um sich mit einem frühen TDI-allroad guten Gewissens anfreunden zu können, ist tiefes Vertrauen – in den oder die Vorbesitzer, in dessen oder deren Erzählungen und Fahrweise. Das ist natürlich rein subjektiv, nährt aber die Chance auf ein Auto, dessen Treibsatz die 300.000-Kilometer-Marke bei bester Gesundheit passiert. Einmal mehr listet das untere Ende der Preisskala, die im hohen vierstelligen Euro-Bereich beginnt, Typen mit horrenden Laufleistungen, angeboten von Dritt- und Viertbesitzern. Oder von Händlern, die den Verkauf an privat ausschließen – eben wegen der eingangs zitierten Sachmängelhaftung.

Rundum positiver Eindruck

Ich arbeite mich preislich empor, spreche mit zahlreichen Inserenten. Doch das Vertrauen fehlt schon am Telefon. Bis ich beim Anbieter des hier gezeigten allroad lande. Der Mann ist Rentner, kaufte den werksfrischen allroad vor sieben Jahren für gut 104.000 Mark. Tuning, Biodiesel, Dauervollgas? Alles negativ, schwört er. Was ich spätestens beim Ortstermin glaube. Immer sorgsam warmgefahren? Dazu nur so viel: Die nächste Autobahn ist von seinem Wohnort 40 Kilometer entfernt. Was stört, sind die Schrammen an den äußeren Kunststoffteilen und die Blessuren an den inneren Softlackflächen.

12.650 Euro sind günstig – der Marktwert liegt eher bei knapp 14.000 Euro.

Was indes begeistert, sind – abgesehen von den Stoffsitzen – die absolute Vollausstattung inklusive abnehmbarer AHK, Solardach, Navi plus und Winterrädern sowie der makellose Erstlack der Blechhaut. Scheckheft? Durch die Bank einschließlich Zahnriemen, und zwar stets beim ausliefernden Audi-Betrieb. Der Demonstrationsrunde des sehr zaghaft fahrenden Verkäufers folgt meine ausgiebige Probefahrt. Sie bestätigt den rundum positiven Eindruck: Diesen satten, straffen allroad-TDI kann man bedenkenlos kaufen – sofern es nicht Leder sein muss. Was ist gegen diesen persönlichen Eindruck vom Vorbesitzer schon die Garantie oder Gewährleistung eines Händlers, die zwei Wochen vor dem Motorschaden ausläuft?

Fazit von AUTO BILD Redakteur Wolfgang Blaube

Klar gesagt: Den Vorbesitzer eines allroad 2.5 TDI muss man mindestens so sensibel prüfen wie einen potenziellen Schwiegersohn. Wem dazu das Händchen fehlt, nimmt lieber gleich den erheblich teureren Nachfolger A6 allroad 2.7/3.0 TDI (ab 2006) mit dem sorglosen Steuerketten-V6. Den man sogar getrost beim Händler kaufen kann.

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