Gebrauchtwagen-Check Audi allroad quattro 2.5 TDI — AUTO BILD ALLRAD 11/2008 — 07.11.2008
Hier entscheidet vor allem der Anbieter
Aus Rentnerhand selten: Audi allroad quattro 2.5 TDI. Dieses Exemplar ist absolut zweitlackfrei, mit astreiner Historie und aus perfektem Vorbesitz.
Der Audi allroad quattro 2.5 TDI: Anfang 2000 lanciert, mittlerweile günstig zu haben – aber ein echter Sonderfall. Der Checker erzählt, warum er den Urtyp des hochbeinigen A6 Avant von privat bevorzugt.
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Persönlicher Eindruck und tiefes Vertrauen sind hier nötig
Warum ich das alles aufwärme? Weil es in diesem speziellen Fall nicht gilt. Hier zählt vielmehr die Feststellung, dass ein Händler zwar die "Sorglos-Variante" bietet, aber keinen persönlichen Eindruck des Vorbesitzers vermitteln kann. Ein Umstand, der bei vielen Modellen eher belanglos, hier jedoch entscheidend ist. Die Rede ist vom Audi allroad quattro 2.5 TDI. Und dessen Qualität, die wie bei kaum einem anderen 4x4 von der vormaligen Behandlung abhängt. Denn der Zahnriemen-V6 mit 180 PS (ab 2003 auch 163 PS) gilt als werkseitig überzüchtet und thermisch kritisch, bei unvorsichtiger Behandlung können sich Vorschäden einnisten, die sich spät – und dann extrem teuer – rächen. Ist der bisherige Halter eventuell ein Vollgas-Desperado, dem das Leben nach dem Leasing wurscht ist? Finger weg. Vertraute er einst der Biodiesel-Freigabe durch Audi, die Bosch als Hersteller der konventionellen Verteilereinspritzung stets verweigerte? Finger weg. Ließ er eine Leistungssteigerung mittels Chiptuning installieren? Finger weg. Jedes dieser Kriterien kann aus dem Selbstzünderherz eine Zeitbombe machen, die irgendwann hochgeht und dann Reparaturkosten auf Zeitwertniveau nach sich zieht. Was nutzt dann eine zeitlich sehr begrenzte Sachmängelhaftung oder Garantie? Was also nötig ist, um sich mit einem frühen TDI-allroad guten Gewissens anfreunden zu können, ist tiefes Vertrauen – in den oder die Vorbesitzer, in dessen oder deren Erzählungen und Fahrweise. Das ist natürlich rein subjektiv, nährt aber die Chance auf ein Auto, dessen Treibsatz die 300.000-Kilometer-Marke bei bester Gesundheit passiert. Einmal mehr listet das untere Ende der Preisskala, die im hohen vierstelligen Euro-Bereich beginnt, Typen mit horrenden Laufleistungen, angeboten von Dritt- und Viertbesitzern. Oder von Händlern, die den Verkauf an privat ausschließen – eben wegen der eingangs zitierten Sachmängelhaftung.
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Rundum positiver Eindruck
Ich arbeite mich preislich empor, spreche mit zahlreichen Inserenten. Doch das Vertrauen fehlt schon am Telefon. Bis ich beim Anbieter des hier gezeigten allroad lande. Der Mann ist Rentner, kaufte den werksfrischen allroad vor sieben Jahren für gut 104.000 Mark. Tuning, Biodiesel, Dauervollgas? Alles negativ, schwört er. Was ich spätestens beim Ortstermin glaube. Immer sorgsam warmgefahren? Dazu nur so viel: Die nächste Autobahn ist von seinem Wohnort 40 Kilometer entfernt. Was stört, sind die Schrammen an den äußeren Kunststoffteilen und die Blessuren an den inneren Softlackflächen.Was indes begeistert, sind – abgesehen von den Stoffsitzen – die absolute Vollausstattung inklusive abnehmbarer AHK, Solardach, Navi plus und Winterrädern sowie der makellose Erstlack der Blechhaut. Scheckheft? Durch die Bank einschließlich Zahnriemen, und zwar stets beim ausliefernden Audi-Betrieb. Der Demonstrationsrunde des sehr zaghaft fahrenden Verkäufers folgt meine ausgiebige Probefahrt. Sie bestätigt den rundum positiven Eindruck: Diesen satten, straffen allroad-TDI kann man bedenkenlos kaufen – sofern es nicht Leder sein muss. Was ist gegen diesen persönlichen Eindruck vom Vorbesitzer schon die Garantie oder Gewährleistung eines Händlers, die zwei Wochen vor dem Motorschaden ausläuft?


