Gebrauchtwagen-Check BMW X3

Gebrauchtwagen-Check BMW X3 Gebrauchtwagen-Check BMW X3

Gebrauchtwagen-Check BMW X3

— 29.10.2008

So teuer kann billig unterm Strich sein

Auf dem Gebrauchtmarkt aktueller SUV-Modelle gilt der BMW X3 mit Dieselmotor als besonders begehrt. Was darf man am Fuße der Preisskala erwarten? Mehr als dieses Exemplar, findet der AUTO BILD-Checker.

"Unser X3 2.0d …?" Der Verkäufer des Riesenhändlers, bei dem Hunderte von Leasing-Rückläufern stehen, überlegt. Und weiß dann: "Das Auto ist auf unserem Außenplatz 300 Meter weiter." Ich fahre dorthin, warte auf einen Mitarbeiter. Deutlich später heißt es: Der X3 sei in Reihe 94, den Schlüssel bekäme ich beim Kollegen im Bürocontainer ganz hinten. In Reihe 94 steht ein Audi A6 neben dem anderen. Aber kein X3. Der Container? Verrammelt. Ich irre umher, frage drei Leute. Fehlanzeige – alles Russen auf Einkaufstour und gleichsam nach Bedienung suchend. Endlich erscheint der Schlüsselgewaltige des Containers. Weitere 20 Minuten verstreichen, dann mutmaßt er: Der X3 befindet sich wohl doch im Hauptgeschäft. Ich bitte ihn, sicherheitshalber den dortigen Verkäufer Herrn Sowieso anzurufen, mit dem ich gesprochen hatte. Doch einen Herrn Sowieso kennt er nicht. Er fragt seine Kollegen. Niemand kennt Herrn Sowieso. Genervt fahre ich zurück ins Hauptgeschäft. Vergeblich – dort ist gerade Feierabend.

Was für ein Kuddelmuddel: Keiner weiß, wo der Wagen steht

Absolut unversehrt, aber wenig chic: die massigen, unlackierten X3-Stoßfänger bis Modelljahr 2006.

Nächster Tag, neues Glück. Früh morgens bin ich der einzige Kunde, der einzige Verkäufer nimmt sich viel Zeit. Zunächst klärt er die Sache mit Herrn Sowieso auf. Der arbeite hier schon länger, aber innerhalb des Kollegiums kenne man halt nur die Vornamen. Ach so. Das Kuddelmuddel um den Standort des X3 kann er nicht erklären, bittet aber immerhin um Verzeihung. Und was sagt der nette Mann zum BMW X3? Viel. Außerdem dreht er zur Bestätigung des Gesagten den Computermonitor in meine Richtung. Der Wagen stammt aus dem Fuhrpark eines Reifenherstellers, wurde von einem Außendienstler bewegt. Fast 180.000 Kilometer weit. Bevor ich’s vergesse: Diesmal suche ich einen möglichst günstigen – also frühen – BMW X3 Diesel (3.0d ab 9/2003, 2.0d ab 9/2004). Die Offerten starten bei rund 18.000 Euro. Und einmal mehr mit dem Ärgernis, dass Privatkäufer, Stichwort Gewährleistung zum Tausendsten, draußen bleiben müssen. Was man oft erst beim Anruf erfährt und bisweilen selbst Langstreckenexemplare aus 2006 betrifft. Nun denn, der billigste Selbstzünder-X3 in meinem Umkreis, den auch Nichtgewerbliche kaufen dürfen, ist dieser hier. Jetzt gilt es zu prüfen, ob das Auto empfehlenswert und sein Preis attraktiv ist.

Die Probefahrt offenbahrt nicht die kleinste Schwachstelle

Verhüllt und unauffällig: das sparsame und robuste 2.0d-Herz mit 150 PS und 330 Nm.

Generell gilt der Zweiliter ja als deutlich robuster als sein Dreiliter-Bruder, dessen Common-Rail-Mimik es nicht ewig macht. Die laufleistungsgemäße Überprüfung gilt hier maßgeblich dem Schaltgetriebe, dessen Synchronisierung gelitten haben könnte, sowie den softlackkaschierten Teilen des Interieurs. Die nehmen jahrelangen Körperkontakt nämlich nicht unbeschadet hin. Jetzt aber ran ans Blech. Von außen wirkt der nirgends nachlackierte X3 wie ein Jahreswagen, es gibt weder Kratzer noch Steinschläge. Innen entdecke ich die gleiche Unversehrtheit – abgesehen von den Softlackteilen, die teils arg mitgenommen sind. Dafür offenbart die Probefahrt nicht die kleinste Schwachstelle. Dies ist also ein rundum sehr gutes Auto mit kleinen kosmetischen Defiziten. Dennoch rate ich klar von dem Stück ab. Weil der Preis von 19.950 Euro nicht verhandelbar ist. Außerdem: HU und AU kosten anteilig 50 Euro, die Garantie weitere 359 Euro – und dann fehlt es noch immer am passenden Gebein, denn dieser X3 kommt nur mit Winterrädern.

Meine Kollegen, befragte Händler und ich meinen: Dieses Exemplar, dessen ehemaligen Neupreis ich mit 39.390 Euro ermittle, darf angesichts seiner Laufleistung maximal 16.500 Euro kosten – inklusive allem. Aber was heißt das schon, wenn ein einziger Zeitgenosse reicht, der den überteuerten Preis zu zahlen bereit ist? Drei Tage nach meinem Besuch bei dem Riesenhändler ist der X3 verkauft. Angeblich nach Spanien – eines der Eldorados der Tachostand-Türkereien.

Fazit des AUTO BILD-Checkers

Wieder zeigt sich: Bei Riesenhändlern ist man eine Nummer, die selten gewinnt. Und die untere Preisgrenze begehrter Modelle liegt tendenziell zu hoch. Wer sich für frühe Diesel-X3 interessiert, merke: Der Zweiliter ist die erste Wahl, das etwas frischere Exemplar für etwas mehr Geld der proportional bessere Kauf.

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