Check Chevrolet Tahoe

Chevrolet Tahoe Chevrolet Tahoe

Gebrauchtwagen-Check Chevrolet Tahoe

— 15.05.2008

Jetzt kommt's dicke – auch mängelmäßig?

Gut zehn Quadratmeter Verkehrsraum frisst der riesige Chevrolet Tahoe. Dennoch ist der V8 vernünftiger als sein Ruf – falls sich ein gepflegtes Exemplar findet. Gebrauchtwagen-Checker Wolfgang Blaube landet einen Glückstreffer.

So, nun vergessen wir mal für eine Weile all die Touareg, Range Rover und X5, die gern vorschnell als XXL-Formate eingestuft werden. Und wenden uns wahrer Größe zu. Dem SUV-Standard der Neuen Welt, der im Gewusel unserer mickrigen Teilchenbeschleuniger als monströse Asphaltbarkasse aufspielt. Chevrolet Tahoe (sprich: Taa-Hoo) heißt das Ding. Ist 5,06 Meter lang und 2,02 Meter breit, hat einen 5,7-Liter-V8-Benziner – ja, geht’s denn noch? Durchaus, noch geht es. Und zwar viel vernünftiger als vermutet. Klar, Parknotopfer und Kilometerfresser können gleich weiterblättern. Aber alle anderen sollten dies verinnerlichen: Euro 2, also doch nur 427 Euro Jahressteuer – weniger als ein neuer Mercedes ML 280 CDI mit Partikelfilter. 13 Liter Dahinrollkonsum – bei heute minimalen Preisdifferenzen zwischen Benzin und Diesel.

Geschmacklich kritisch, qualitativ astrein: Interieur mit viel (Plastik-) Holz, Leder und Plüsch.

Und das alles zum günstigen Einstand, weil sich kaum einer traut, dieses wahnwitzige Blechgebirge auch nur mit der Kneifzange anzufassen, die Gebrauchtpreise somit im Keller sind. Sie sehen: Noch geht es. Ethisch wie finanziell. Also packe ich 10.000 Euro ein (rein gedanklich, versteht sich), suche ein paar Vertreter der Vollfettstufe auf, mime den willigen Anwärter. Außer Notizblock und möglichst versteckter Kamera wie immer dabei: meine Erfahrung bezüglich des betreffenden Modells, vervollständigt und abgeschmeckt mit wertvollen Details aus unserem organischen Allradlexikon namens Martin Braun. An dieser Stelle mal kurz was Internes: Danke, lieber Kollege, für deine sagenhafte Treffsicherheit, die mir in 14 Checker-Folgen manche Peinlichkeit erspart hat.

Anspruchsvolle Fans haben es nicht leicht

Dreck mit Sinn: Aus Angst vor Rost fand beim V8 nie eine Motorwäsche statt.

Und so liest sich unsere Schnittmenge der Kann-Baustellen beim Chevy Tahoe, der von 1996 bis 2000 – anfangs auch als Dreitürer – mit Multipoint-Einspritzung (254 PS ab 1/97, davor 250 PS) im deutschen GM-Programm war. Motor: Ölverschlammung bei unregelmäßigem Ölwechsel, folgend Schäden durch mangelnde Schmierung, sonst unzerstörbar. Automatik: starker Verschleiß im Schnellfahrbetrieb durch hohe Öltemperaturen und ständige Gangwechsel (dritter zu kurz, vierter zu lang). Wasserkühler: kurzlebig, Maschinenschaden durch schlagartigen Kühlmittelverlust möglich. 4x4-Antrieb: robust und unauffällig – wie Fahrwerk und Lenkung, solange nicht die Hebel überbreiter Räder daran zerren. Rost: trotz Spritzverzinkung zunehmend ein Thema, Indiz für schlechte Pflege. Interieur: Wollen wir hier über Plastikverkleidungen made in USA reden oder uns lieber nicht die gute Laune verderben? Kurz: Die Kiste hält was aus, wenn man sie ordentlich behandelt und sich inwändig zurückhält.

Fünf Kandidaten nehme ich unter die Lupe – und habe schon keine Lust mehr. Wie nach zwei Jahren Fronteinsatz sehen die Dinger aus. Außen zerbombt, innen zerpflückt, Sitzbezüge Marke Landstreicher, Antriebseinheit Marke Gießkanne, Laufleistung irgendwo zwischen Märchen und Methusalem … und solche Haufen für rund zehn Riesen? Also, seriös finde ich solche Offerten nicht. Doch dann spüre ich das exakte Gegenteil auf: den hier abgebildeten Tahoe. Viert- oder Fünftwagen eines offenbar sehr solventen Autofreaks. Erste Hand, angeboten von einem Bremer US-Van- und- SUV-Spezialisten, der ihn seit jeher betreut – einmal im Jahr Wartung und Reparaturen ohne Rücksicht auf die Kosten. Zustand: bestechend. Nur die linke Fahrersitzwange zeigt, dass dies kein Jahreswagen ist, außen ist nicht mal ein Kratzer, im Kofferraum kein Fussel zu finden. Und genau so fährt sich das Auto auch, an dem keine Spur der zitierten Macken zu finden ist. Mit drin: Standheizung mit Fernbedienung, Sommer- wie Winterräder, eine umfassende Gebrauchtwagengarantie. Ist ja ein Händlerangebot. Nichts wie hin und kaufen, das Ausnahmestück? Zu spät – nach wenigen Tagen ist der Tahoe weg. Schon möglich, dass sich ein genauso gepflegter, zehn Jahre alter Tahoe finden lässt. Soll ja auch Leute geben, die den Lotto-Jackpot knacken. Oder schon mal ein Ufo gesehen haben ...

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang Blaube

Anspruchsvolle Fans haben's nicht leicht. Zwar ist das Tahoe-Angebot recht üppig und bezahlbar. Aber viele stammen aus einem eher lieblosen, investitionsscheuen Vorbesitz. Und das kontrastiert mit den Sensibilitäten des Chevy. Es gilt also, geduldig zu suchen. Immerhin: Mit etwas Glück findet sich in dieser Typreihe ein Kumpel fürs Leben.

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