Gebrauchtwagen-Check Daihatsu Terios — 06.01.2009
Der sprichwörtliche Telefonkaufkandidat
Wer eine Allrad-Antwort auf die aktuelle Wirtschaftslage sucht, wird im Daihatsu Terios fündig. Unprätentiöse Technik, geringe Betriebskosten – so fährt man der Depression gelassen davon, meint der Checker.
Daihatsu steht für unaufgeregte Japaner
Nun denn, neuer Check, neues Glück. Und damit zurück zum gebotenen Ernst. Apropos: Witzig ist die derzeitige Wirtschaftslage ohnehin nicht. Weshalb Otto Normalverbraucher in automobilem Kontext auf Ballhalten spielt. Oder sicher zurückflankt – in Regionen leicht verdaulicher Preise und Risiken. Auf gut Deutsch: Kleine Autos mit gesunden Genen sind gefragt. Der Suzuki Vitara etwa. Ach, hatten wir schon? Gut, nehmen wir eben den Daihatsu Terios. Daihatsu. Das ist eine Marke, die viele Offroad-Aspiranten überhaupt nicht im Schirm haben.Weil sie wenig Aufregendes bietet? Das wäre ungerecht. Denn Daihatsu, übrigens das Kleinwagen-Label des Toyota-Konzerns, steht für unaufgeregte Japaner, die in Japan gebaut werden. Und nicht in Thailand oder England oder sonstwo, wo ganz einfach die Qualität nicht stimmt. Siehe Pappenheimer anderer Marken. Keine selbstverliebte, sondern schlichte, robuste Technik. Sparsam in Leistung, Abmessungen, Fixkosten, Verbrauch. Sehr gute Korrosionsvorsorge. Das ist Daihatsu. Eine der wenigen Marken, an denen die derzeitige Krise vorbeikriselt. Logisch. Die Geländemikrobe Terios trifft genau diese Charaktere. Deshalb wähle ich sie.
Es gibt keine Schwachpunkte
Gleich nach der Geburt dieser Idee rufe ich meinen Kollegen Martin Braun an, um die typspezifischen Schwachpunkte abzustimmen. Seine Spontanreaktion: "Ein Telefonkaufkanditat." Das sagt Martin immer, wenn er ein 4x4-Modell meint, zu dem ihm kaum typspezifische Schwachpunkte einfallen. Und das ist – wer Martin kennt, weiß das – gleichbedeutend mit: Es gibt keine. Na gut, wer dem Terios nicht gewogen ist, bemäkelt die Kupplung, die im Offroad-Betrieb mangels Geländeuntersetzung einen guten Teil ihres Lebens lassen kann. Und die E-Differenzialsperre, die bei längerem Nichtgebrauch schon mal haken kann. Wir reden hier aber von Befunden im besseren Promillebereich.
Einzige Macke des "Jahreswagens": die Stoßfänger-Schramme
Ergo heißt es: Terios ansehen, aufgrund des subjektiven Eindrucks auf den Pflegezustand schließen, Preis prüfen, kaufen. So und nicht anders täte ich es, hätte ich Interesse an dem Kleinen, den ich besichtige. Er steht bei einem Daihatsu-Vertragshändler auf dem Land. Seine Vita: Tageszulassung Ende 2004, dann – im Mai 2005, mit null Kilometern – in die zweite Hand gegangen, im Spätsommer 2008 in Zahlung gegeben. Da steht er nun. Im Jahreswagenzustand. Einzige Macke: die Stoßfänger-Schramme, die der Händler bereits in der Internet-Annonce bebildert. Eine Ehrlichkeit, die sich beim telefonischen Erstkontakt fortsetzt. Ungefragt erzählt er von einem Wildschaden, der in seinem Betrieb behoben wurde. Wie gut?Mal so gesagt: Ich als gelernter Karosseriebauer – also ehemals professioneller Unfallinstandsetzer – vermag die tierische Havarie absolut nicht zu identifizieren. 8790 Euro soll dieser Terios, ein Vollausstattungsvertreter mit Beinamen Top, kosten. Damit ist er kein Schnäppchen. Aber exakt so ausgepreist, wie wir es für angemessen halten. Eine Garantie käme oben drauf. Aber mal Hand aufs Herz: Wer braucht die schon, bei einem Daihatsu aus erster Damenhand mit 55.500 Kilometern auf der Uhr? Ich jedenfalls würde den Aufpreis sparen. Und damit nebenbei den Zeitgeist treffen.

































