Gebrauchtwagen-Check Ford Explorer — 29.04.2009

Vom Groschengrab zum Geheimtipp

Der Ford Explorer ist billig zu haben, aber als US-Säufer alter Schule verschrien. Checker Wolfgang Blaube rechnet nach – und landet bei Zahlen, die den Zwei-Tonnen-Benziner zum überaus maßvollen Geldverkoster stempeln.

Wir alle müssen ja heutzutage unsere Ansprüche herunterschrauben und kürzer treten. Das ist mein Glück. Denn somit haben Sie, liebe Leser, sicherlich Verständnis für die bescheidenen Fotos, die ich diesmal abliefere. Herzlichen Dank dafür. Dunkles Auto in knalligem Gegenlicht, kein Bild der Sitze, Armaturen-Schuss bei schiefstehendem Steuer – sowas habe ich Ihnen in keiner der bislang 27 Checker-Folgen zugemutet. Aber diesmal ging es nicht anders. Denn ich musste ernsthaft eine Enttarnung befürchten – der Verkäufer machte den Eindruck eines Skeptikers mit sehr feinen Antennen. Grund genug, den Ball – besser: die Kamera – schön flach zu halten. Andererseits zeigte sich der Privatanbieter als jemand, der den Wartungs- und Reparaturaufwand nicht zeitwertgerecht begrenzt. Deshalb offerierte er ein älteres, günstiges Auto in gutem Zustand. Womit sich die schwach bebilderte Geschichte zum Guten wendet.

1993 lancierte Ford die Europa-Version des weltweit meist verkauften SUV

Geschmeidig und stark: Vierliter-V6 mit 204 PS, 339 Nm und Euro-2-Einstufung.

Heute geht es mir nicht darum, ein Exemplar X des Typs Y aufzuspüren, um es nach modellspezifischen Macken zu durchflöhen. Sondern mal zu zeigen, wie gut ein Typ Z für wie wenig Geld sein kann. Womit wir wieder bei der neuen Bescheidenheit sind. Typ Z, das ist hier ein Ford Explorer, Generation UN105. Kurzhistorie: 1989 löste der Explorer (Typ UN46) den Bronco II ab, im Januar 1993 lancierte Ford die Europa-Version des weltweit meist verkauften SUV. Einziger Motor bei uns: der seit 1964 gebaute Kölner V6, mittlerweile von 2,0 auf 4,0 Liter Hubraum (165 PS) erstarkt. Mit dem umfassenden Facelift zum Mai 1995 wurde der Explorer UN46 zum UN105 (156 PS), er erhielt das rundliche Gesicht und eine komplett neue, deutlich bessere Querlenker-Vorderachse (vorher Pendelachse). Ab 11/1996 bekam der V6 zwei oben liegende Nockenwellen anstatt der einen zentralen, 204 PS waren das Resultat. Derart blieb der UN105-Explorer bis zum Sommer 2001 im deutschen Ford-Programm.

Der "15-Liter-Säufer" Explorer fährt relativ günstig

Typisch Ami: Der Automatik-Wählhebel sitzt an der Lenksäule.

Seinen Erben der – noch immer aktuellen – Baureihe UN152 präsentierten die Kölner auf der IAA 2001. Und beschlossen kurz vor dem Verkaufsstart das sukzessive Ende sämtlicher werkseigener US-Importe. Darum ist der UN152 einzig als Grauer zu haben. Ausgesprochen günstig sind alle dieser Modellreihen zu haben. Viele preisbewusste Allrad-Aspiranten haben halt Bammel vor den horrenden Benzinkosten. Genau darin liegt die Chance für diejenigen, die wirklich nachrechnen, anstatt sich von Stammtischparolen einschüchtern zu lassen. Die kommen beim Zugrundelegen eines durchschnittlichen Nutzungsprofils zwar auf eine Kraftstoffbilanz, die etwa 600 Euro pro Jahr höher ist als beim vergleichbaren Diesel. Aber auch auf eine praktisch analoge Steuerersparnis – und zusätzlich zu einer Einsparung der Versicherungsbeiträge von gut einem Drittel, weil der Otto-motorisierte Explorer relativ günstig eingestuft ist.

Ohne Anspruch auf eine akademisch detaillierte Vergleichsrechnung gilt jedenfalls unterm Strich: Bleibt die Jahresfahrleistung im statistischen Rahmen, fährt der "15-Liter-Säufer" Explorer relativ günstig. Punkt. Dass er außerdem als grundsolide gilt, ist ein weiteres Plus. Gut, die Steuerketten der ohc-Version können scheppern, die Automatik hält langen Vollgas-Passagen nicht ewig stand, Rost an den Übergängen zu den Kunststoff-Anbauteilen kann vorkommen. Aber das war's im Wesentlichen. Vernünftig erhaltene UN105- Frühwerke winken bereits ab 3500 Euro. Der hier gezeigte Vertreter, ein sehr später (8/2001) mit 204 PS, bot sich für läppische 5500 Euro feil. Eckdaten? Erst Vorführwagen, dann drei Halter. Scheckheft, unfallfrei, frisch gewartet. 108 000 Kilometer, zwei Schrammen, sonst keinerlei Defekte. Limited-Paket mit allem möglichen bis hin zur Sitz-Memory.

Gute Sommer- und Winterräder. Damaliger Neupreis: rund 80.000 Mark. Zwei Tage nach meinem Besuch ist der Explorer verkauft. Für 5300 Euro. An jemanden, der rechnen kann – und sicherlich mehr Freude daran haben wird als Sie mit meinen Fotos. Vielen Dank nochmals für Ihr Verständnis ...

Fazit

Das Ergebnis ist nicht neu, aber wieder mal erstaunlich: Mit dem soliden Explorer rollt ein weiterer Billig-Benziner vor, der mit günstiger Steuer (277 Euro) und Versicherung (HP 22/TK 18/VK 20) seinen 15-Liter-Durst mehr als egalisiert. Nur für Vielfahrer rechnet er sich weniger – und für Leute, die an ewige Klischees glauben.

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