Gebrauchtwagen-Check Honda CR-V

Gebrauchtwagen-Check Honda CR-V

— 28.10.2009

Sauberer Typ von klebrigem Anbieter

Der Honda CR-V gehört auf dem 4x4-Gebrauchtmarkt zu den ersten Empfehlungen, typische Mängel sind ihm praktisch fremd. Der Checker prüft ein Exemplar – bei dem nur der menschliche Faktor schwächelt.

"Wir müssen beide ein gutes Bauchgefühl haben" – das ist sein ständiger Lieblingsspruch. Was er damit meint: Er will, dass beide Seiten von dem Deal profitieren. Er, der provisionsabhängige Gebrauchtwagenverkäufer , und sein Gegenüber, der potenzielle Kunde. Letzterer bin ich. Zumindest glaubt der Mann das. Er ist ein Prototyp des Verkäufers, der jedem die unbedingte Gewissheit vermitteln will, genau dieses Auto sei das allerbeste der Welt. Abwechselnd lobt er die treffsichere Wahl oder gratuliert zum erlesenen Geschmack, er duzt jeden und alles. Und verschafft einem schon mal prophylaktisch Gewissensbisse. Für den Fall, dass man doch nicht kauft. Bis wieder das Stichwort Bauchgefühl fällt – seine kleine Moralkeule für zwischendurch.

Alle News und Tests zum Honda CR-V auf der neuen Honda CR-V-Seite

Behutsam gebraucht: Am Interieur offenbaren sich keinerlei Abnutzungen.

Ein origineller Typ. Einmal mehr stelle ich fest: Ein Gebrauchtwagenkauf kann ein echtes Erlebnis sein. Unglaublich, was sich mir hier – bei einem großen VW -Vertragshändler – bietet. Ganz klar: Solche Menschen machen das Leben bunt. Dass ich mein eigenes Auto lieber von jemandem kaufe, der nicht bekennendermaßen sein eigener größter Fan ist, ist eine andere Sache. Dieser Unterhaltungskünstler mit der Lizenz zum Flöten ist mir auch deshalb willkommen, weil der Fahrzeugtyp, um den es diesmal geht, ein echter Langweiler ist. Jedenfalls nach den hier geltenden Kriterien. Denn gravierende Schwächen sind nicht rapportiert – der Honda CR-V ist ganz einfach ein sehr gutes Auto. In der ersten Generation (Typ RD1/RD3), die sich ab April 1997 anbot, wie auch in der zweiten (RD8), die von März 2002 bis Januar 2007 lief. Höchstens dies hört man: Offenbar neigt der neuere CR-V, gebaut in England, im harten Einsatz eher zu Rostbefall als sein Vorläufer – das Japan-Original . Ein Qualitätsunterschied, der sich auch bei anderen Marken und Modellreihen beobachten lässt.

Der 4x4-Honda ist auf Augenhöhe mit dem Toyota RAV4

Selten beladen: Der geräumige Kofferraum präsentiert sich ohne Dreck oder Kratzer.

Das war’s aber auch schon. Damit rangiert der 4x4-Honda auf Augenhöhe mit dem Klassenprimus Toyota RAV4. Ein Wort zu meiner Entscheidung für ein Frühwerk der Auflage zwei: Es ist relativ günstiger als der Ur-CR-V. Den gibt es als 1997/1998er in gutem Zustand und mit verdaulicher Laufleistung kaum für unter 5000 Euro. Daneben stellt der Aufruf von 8500 Euro für ein besser ausgestattetes, moderneres Auto mit recht frischen 83.000 km einen lohnenswerten Aufpreis dar. Davon, dass mein Testkandidat keinerlei Korrosionsbefall zeigt, kann ich mich lange und ausgiebig überzeugen. Denn entgegen der blumigen telefonischen Zusage meines neuen Bauchgefühl-Blutsbruders sind die roten Nummern nicht da – ein weiterer glücklicher Gewinner überziehe seine Probefahrt-Zeit, höre ich. Und auch das: Ich könne den Honda auch hier, auf dem Betriebsgelände, in Aktion testen. "Tempo 60 ist hier allemal machbar", jubelt der Überzeugungstäter. Danke, ich warte lieber. Und denke: Himmel, was für ein Spinner ……

Das Bauchgefühl zählt

Nachdem die Schilder endlich gelandet sind und der CR-V nach weiteren 20 Minuten sogar betankt ist, geht es endlich los. Erwartungsgemäß fährt er wie ein Neuwagen, die Technik ist somit genauso tipptopp wie das gepflegte Äußere und das Interieur. Unfallfrei, Scheckheft – alles stimmt. Sogar der Preis, der eher zu niedrig angesetzt ist. Mein Tipp: kaufen, halten. Nur eines ist eigenartig: Ich bekomme es mit, als der Gute-Laune-Garant sich verplappert: Bereits seit Ende 2008 bietet er den CR-V an. Was die Frage provoziert: Warum schlug bislang niemand zu? Weil ein VW-Händler nicht die Honda-Klientel erreicht? Möglich, aber unwahrscheinlich angesichts der Dauerinserate im Netz. Eher kann ich mir vorstellen, dass die Persönlichkeit des Anbieters das Problem ist. Mal so gesagt: Für diesen CR-V entscheidet man sich wohl nicht wegen, sondern trotz des Verkäufers. Was angesichts dieses speziellen Charakters ein überaus couragierter Schritt wäre. Ist halt meine Meinung. Man kann es auch Bauchgefühl nennen.
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Nur wenige Modelle sind so zuverlässig und sorglos, dass sich auf eine Gebrauchtwagen-Garantie getrost verzichten lässt. Der Honda CR-V gehört zu dieser Spezies. Weshalb ein tendenziell günstigerer Privatanbieter den besseren Kauf versprechen kann – finanziell. Und in diesem besonderen Fall sogar menschlich …

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