Gebrauchtwagen-Check Lada Niva — 01.04.2009
Morgenluft für den Allrad-Discounter?
In der Ära der schmalen Kassen taucht er wieder auf: der unfassbar billige Lada Niva. Checker Wolfgang Blaube klärt, wie wenig der Sowjet-Kraxler gebraucht kosten darf – und wie wenig mehr als Nagelneuwagen.
Ausgleichsgetriebe ölfeucht, Fensterheber klemmt, Dellen, Kantenrost
Grauimporte starten bereits bei 7350 Euro. Das wirft die Frage auf, was angesichts derart lächerlicher Zahlen ein Gebrauchter kosten darf. Ich sehe ins Netz, stoße auf einen 2000er Niva 1.7i. Erste Hand, 60.000 gelaufen, 2888 Euro VB. Mache mich sofort auf die Socken. Und lande auf einer Art Rasthof, den ein mutiger Youngtimer-Schrauber bewohnt. Benz W 123, 116er S-Klasse, Granada … und – ach ja, dort hinten – der himbeerrote Niva, der einem Kumpel des Hausherrn gehört. Schon die Anzeige hatte nichts beschönigt. Ausgleichsgetriebe ölfeucht, Fensterheber klemmt, leichte Kratzer und Dellen, Kantenrost. Punkte, denen ich den Auftakt meiner Besichtigung widme. Befund: Der gute Mann übertreibt wohl sicherheitshalber. Was ich entsprechend feststelle, repräsentiert lediglich das Minimalmaß altersgerechter Gebrauchsspuren. Voll im Soll: neue Reifen und Zughaken samt 1900-Kilo-Auflastung. Auch die Testfahrt zeigt ein sauberes Bild. Ich vernehme nicht mal Getriebe- oder Radlagergeräusche.Drei Tage später ist der Lada Niva für 2500 Euro verkauft
Der größte Niva-Nuller – hier findet er (noch) nicht statt. Tatsächlich schaffen es die Russen seit 35 Jahren nicht, Wälzlager mit einigermaßen akzeptabler Halbwertszeit zu bauen. Es geht die Mär, dass sie sich in Togliatti, der größten Autofabrik weltweit, noch immer aus dem Regal bedienen, dass sie in den Siebzigern zigmillionenfach befüllten. Wie auch immer: Bis auf unerhebliche kosmetische Defizite ist dieser 4x4-Lada jeden Cent seines Aufrufs wert. Einer der zahlreichen Interessenten käme übermorgen, um das Auto zu kaufen, frohlockt der nette Anbieter. Und tatsächlich: Als ich mich drei Tage später melde, ist der Niva weg. Für 2650 Euro. Ein günstiger Preis für ein erstaunlich gutes Auto. Und wenn sie nicht gestorben wären. So könnte diese Geschichte hier enden. Tut sie aber nicht. Denn angesichts der aktuellen Finanzsituation spanne ich nochmal den Bogen zurück auf den Textanfang. Stichwort Abwrack-Bonbon, im Schöne-neue-Welt-Jargon Umweltprämie genannt: Wie gesagt, starten Grauimporte bei 7350 Euro. Minus 2500, macht 4850 Euro. Ein nagelneuer, echter Geländewagen zum Kurs einer besseren Couchgarnitur – da können alle anderen Hersteller, die gerade mit ihren Sensationsofferten werben, gepflegt nach Hause gehen. In diesem Kontext nochmals die Frage: Was kann – was darf – ein gebrauchter Niva kosten? Eigentlich so gut wie gar nichts. Doch Vorsicht: Neu und grau ist die Kiste, wie ich bereits in meiner Niva-Kaufberatung schrieb, ein Bausatz auf Niveau eines vormontierten Baumarkt-Fahrrades. Der nach gezielten Verbesserungen schreit.

































