Gebrauchtwagen-Check Lada Niva

Gebrauchtwagen-Check Lada Niva Gebrauchtwagen-Check Lada Niva

Gebrauchtwagen-Check Lada Niva

— 01.04.2009

Morgenluft für den Allrad-Discounter?

In der Ära der schmalen Kassen taucht er wieder auf: der unfassbar billige Lada Niva. Checker Wolfgang Blaube klärt, wie wenig der Sowjet-Kraxler gebraucht kosten darf – und wie wenig mehr als Nagelneuwagen.

Die Zeiten sind hart. Jeder klebt an seiner Kohle. Was liegt da näher, als den Bodensatz der Preissegmente nach absoluten Billigheimern zu sezieren, wenn es gerade jetzt ein neuer, älterer Offroader sein soll? Und noch während die Frage ihrer Beantwortung harrt, fährt er uns – bockbeinig und laut wie seit 32 Jahren – vors innere Auge: der Discount-Klassiker Lada Niva. Proportional zum Geldwert hat sich der rustikale Russe seit seinem Debüt 1977 ständig verbilligt. Einen Listenpreis gibt es – wie so vieles bei dem rätselhaften Konstrukt Lada Deutschland – derzeit nicht; die Vertragshändler nennen Hauspreise. Derzeit liegen sie bei 10.000 bis 11.000 Euro.

Ausgleichsgetriebe ölfeucht, Fensterheber klemmt, Dellen, Kantenrost

Schnurrt zufrieden neben dem angerosteten Ersatzrad: der 1,7-Liter-Benziner mit 79 PS.

Grauimporte starten bereits bei 7350 Euro. Das wirft die Frage auf, was angesichts derart lächerlicher Zahlen ein Gebrauchter kosten darf. Ich sehe ins Netz, stoße auf einen 2000er Niva 1.7i. Erste Hand, 60.000 gelaufen, 2888 Euro VB. Mache mich sofort auf die Socken. Und lande auf einer Art Rasthof, den ein mutiger Youngtimer-Schrauber bewohnt. Benz W 123, 116er S-Klasse, Granada … und – ach ja, dort hinten – der himbeerrote Niva, der einem Kumpel des Hausherrn gehört. Schon die Anzeige hatte nichts beschönigt. Ausgleichsgetriebe ölfeucht, Fensterheber klemmt, leichte Kratzer und Dellen, Kantenrost. Punkte, denen ich den Auftakt meiner Besichtigung widme. Befund: Der gute Mann übertreibt wohl sicherheitshalber. Was ich entsprechend feststelle, repräsentiert lediglich das Minimalmaß altersgerechter Gebrauchsspuren. Voll im Soll: neue Reifen und Zughaken samt 1900-Kilo-Auflastung. Auch die Testfahrt zeigt ein sauberes Bild. Ich vernehme nicht mal Getriebe- oder Radlagergeräusche.

Drei Tage später ist der Lada Niva für 2500 Euro verkauft

Fast modern: Heute ist Servolenkung Serie, dem 2000er fehlt sie.

Der größte Niva-Nuller – hier findet er (noch) nicht statt. Tatsächlich schaffen es die Russen seit 35 Jahren nicht, Wälzlager mit einigermaßen akzeptabler Halbwertszeit zu bauen. Es geht die Mär, dass sie sich in Togliatti, der größten Autofabrik weltweit, noch immer aus dem Regal bedienen, dass sie in den Siebzigern zigmillionenfach befüllten. Wie auch immer: Bis auf unerhebliche kosmetische Defizite ist dieser 4x4-Lada jeden Cent seines Aufrufs wert. Einer der zahlreichen Interessenten käme übermorgen, um das Auto zu kaufen, frohlockt der nette Anbieter. Und tatsächlich: Als ich mich drei Tage später melde, ist der Niva weg. Für 2650 Euro. Ein günstiger Preis für ein erstaunlich gutes Auto. Und wenn sie nicht gestorben wären. So könnte diese Geschichte hier enden. Tut sie aber nicht. Denn angesichts der aktuellen Finanzsituation spanne ich nochmal den Bogen zurück auf den Textanfang.

Stichwort Abwrack-Bonbon, im Schöne-neue-Welt-Jargon Umweltprämie genannt: Wie gesagt, starten Grauimporte bei 7350 Euro. Minus 2500, macht 4850 Euro. Ein nagelneuer, echter Geländewagen zum Kurs einer besseren Couchgarnitur – da können alle anderen Hersteller, die gerade mit ihren Sensationsofferten werben, gepflegt nach Hause gehen. In diesem Kontext nochmals die Frage: Was kann – was darf – ein gebrauchter Niva kosten? Eigentlich so gut wie gar nichts. Doch Vorsicht: Neu und grau ist die Kiste, wie ich bereits in meiner Niva-Kaufberatung schrieb, ein Bausatz auf Niveau eines vormontierten Baumarkt-Fahrrades. Der nach gezielten Verbesserungen schreit.

Ein neuer Niva darf Geld kosten

Klein, aber rein: der Gepäckraum des Niva.

Hohlraumversiegelung, chromatierte Schrauben, Dichtkeder – das Schnäppchen gilt nur für denjenigen, der bereit ist, den Neuwagen zunächst umfassend zu "restaurieren" Um auch in der Folgezeit den fleißigen Pflegeversicherer zu mimen. Beides tat der Eigner des gezeigten Kandidaten mit größter Sorgfalt. Deshalb ist dieses Exemplar noch so gut in Schuss. Und deshalb wissen wir jetzt, dass auch ein nicht neuer Niva Geld kosten darf. Wenn auch nur sehr, sehr wenig.

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