Gebrauchtwagen-Check Outlander

Gebrauchtwagen-Check Mitsubishi Outlander 4WD

— 17.12.2009

Dieser Outlander ist ein Reinfaller

Die erste Auflage des Mitsubishi Outlander 4WD ist wenig gefragt – weil sie kaum jemand auf der Rechnung hat. Dabei gilt das Modell als unproblematisch und günstig. Ausnahme: das hier gezeigte Exemplar.

Ausländer? Auch wenn es auf der Hand liegt: Das bedeutet der Name Outlander nicht. Obwohl: Dieser hier ist einer. Denn bislang wohnte er in Dänemark. Und noch eine Spezialität zeichnet ihn aus: Unter seiner Motorhaube befinden sich zwar vier Zylinder, aber fünf Kolben. Der Reihe nach. Sie beginnt einmal mehr mit einem Internet-Inserat. Hübsche Fotos in grünem Ambiente, umfassende Beschreibung der reichhaltigen Ausstattung, vor allem aber ein attraktiver Preis – das spricht an. Ja, bestätigt der freie Händler am Telefon, der Outlander 2.4 4WD sei aus erster Hand und unfallfrei.

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Bleibt ein Rätsel: abgenagter Maiskolben im Mitsubishi-Motorraum. Menschlicher oder tierischer Abfall – die Frage bleibt ungeklärt.

Probefahrt? Aber sicher, der Wagen steht bereit, sagt er. Klingt gut. Was mich lediglich abstößt, ist das Zubehör-Gedöns, das sich anhand der Bilder identifizieren lässt: Die Karosserie ist unterwärts von ästhetisch fragwürdigen, völlig sinnfreien Chromrohren umkränzt. Für denjenigen, der solche "Tuning"-Rudimente ähnlich fies findet wie ich, stellt sich also die Frage, inwieweit sie rückstandsfrei zu entsorgen sind. Vor Ort hat sich diese Frage schon nach dem ersten Live-Eindruck vom Mitsubishi erledigt. Eher ist die Überlegung angebracht, ob nicht gleich das ganze Auto entsorgt werden sollte. Jetzt mal im Ernst: Ist dies das Stück aus der Anzeige? Das unterseitige Röhrenwerk lässt keinen Zweifel. Aber dann stimmen die Auskünfte nicht. Zur vereinbarten Probefahrt fehlen rote Nummern, Sprit im Tank, Luft in den Reifen. Und vorsichtshalber eine leidlich volle Batterie. Aber die Testtour erübrigt sich eh. Denn die Kiste zeigt massiven Rostbefall. Am Unterboden, im Motorraum, an der Karosserie, überall. Vor allem aber sprechen der schlecht sitzende hintere Stoßfänger und die auf der linken Rückleuchte aufliegende Heckklappe, die außerdem lieblose Montagespuren aufweist, eine deutliche Sprache: Dies ist ein Unfallwagen. Und zwar einer, der äußerst amateurhaft wieder zurechtgebogen wurde. Insofern reicht es, wenn ich ein paar Fotos des Corpus Delicti gleich hier auf dem Hof schieße.

Outlander steht für Draufgänger oder Eigenbrötler

Vom Gammel im Motorraum unabhängig: Der 160-PS-Benziner schnurrt wie neu.

Eine Frage habe ich allerdings doch noch: Wie kommt es zu den völlig vergammelten Bremsen, die – wie auch die Aluräder – mal eben mit bereits wieder abblätternder Silberbronze übergepfuscht wurden? Steht der Outlander hier vielleicht schon seit Monaten, gar seit Jahren? Die luftarmen, aber nagelneuen Billigstreifen sprechen dagegen. Wie auch der Verkäufer: Er arbeite erst seit zwei Wochen hier, aber den Outlander sähe er heute zum ersten Mal. Aber klar doch. Jedenfalls scheint es gute Gründe gegeben zu haben, diese Krücke aus Dänemark herauszuschaffen. Dass sie ausgerechnet auf dem anspruchsvollen deutschen Markt gelandet ist, lässt sich nur als Indiz für den Mut des Anbieters erklären. Und für seine Spekulation auf besonders blöde Interessenten.

Schade. Denn grundsätzlich ist der Mitsubishi Outlander der ersten Serie ein überaus empfehlenswertes Auto. Und ein günstiges noch dazu. Weil ihn kaum jemand, der einen flotten Vierbeiner sucht, auf dem Schirm hat – ein typisches Mauerblümchen. Nach Deutschland kam er erst in reifem Alter (das war im April 2003), ab Frühjahr 2007 gab es bereits den Nachfolger. Und es gab ihn einzig als Vierzylinder-Benziner. Wobei der 2.0 (136 PS) und der 2.4 (160 PS) genauso sorglos laufen wie der extrem rare 2.0 Turbo (202 PS). Nach welchen Mängeln sich zu suchen lohnt? Die Kupplung steht im Ruf, nicht sehr langlebig zu sein, die Gelenke des Vordergebeins nehmen Breiträder wie Bordsteine schnell übel, unterwärts könnten die Falze besser vor Rost geschützt sein. Ansonsten aber ist der Outlander – das steht übrigens für Draufgänger oder Eigenbrötler – ein sehr unproblematisches Auto. Falls es nicht eine solche Rübe ist wie diese. Apropos: Der fünfte Kolben stammt vom Maisfeld. Wer ihn abgenagt und hier geparkt hat, bleibt rätselhaft. Wie vieles an diesem Outlander.

Autor: Wolfgang Blaube

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