Check Nissan Patrol GR 2.8

Gebrauchtwagen-Check Nissan Patrol GR 2.8 Turbo D

— 30.06.2009

Leicht verwundbarer Truppentransporter

Der Nissan Patrol GR 2.8 Turbo D gilt als Raumriese mit echten Offroad-Qualitäten und robustem Fahrwerk. Doch sein Antrieb ist bisweilen ein Fall fürs Lazarett. Checker Wolfgang Blaube erklärt, was genau als neuralgisch gilt.

So richtig durch dick und dünn, mit sämtlichen Siebensachen sowie sieben Sitzen: Wer angesichts dieses Anforderungsprofils den günstigen Kumpel fürs Leben sucht, hat wenig Auswahl. Was nach dem Sieben und Selektieren unterm Strich übrig bleibt, hat meist einen Namen: Nissan Patrol GR Fünftürer. Der soll es diesmal sein. Meine Wahl fällt auf die Generation Y61, die Anfang 1998 dem Rundaugen-GR (Y60) folgte. Und innerhalb dieser Spezies auf das erste Modell mit Wirbelkammer-Reihensechszylinder. Der war bis Mai 2000 einzige Wahl, ehe der Vierzylinder-Direkteinspritzer kam.

Bestnote: Dieser Patrol GR ist technisch exakt beisammen

Nimmt raue Behandlung übel: der 130 PS starke Turbodiesel.

Ein Kandidat ist schnell gefunden. "1. Hand, Scheckheft, sehr gepflegt", frohlockt das Inserat. Beim Anruf erfahre ich eine Korrektur: Der bisherige Halter kaufte den Nissan Patrol GR 2.8 Turbo D Comfort doch nicht neu, sondern als Neunmonats-Frischling – von einem Autoverleih. Kein Gütesiegel. Denn verantwortungs- und damit rücksichtsloser Betrieb, nicht unüblich im Mietgeschäft, kann gerade bei diesem Modell die Lebensdauer radikal reduzieren. Dazu später mehr. Zunächst gehe ich auf Probefahrt. Für die der recht unterhaltsame, hemdsärmlige Anbieter (ein freier Händler mit weitgehend junger Pkw-Ware) nicht mal meinen Ausweis sehen will. Trotz Gebrauchsspuren im verdreckten Innenraum zeigt sich schnell: Dieser Patrol GR ist technisch exakt so beisammen, wie man es wünscht. Nicht ein Aggregat oder eine Funktion gibt Anlass zum Meckern. Das ist schon mal eine glatte Eins. Die Karosserie, mutmaßlich zu 100 Prozent im Erstlack, verdient ebenfalls die Bestnote. Der Wagen scheint tatsächlich völlig kratzer- und dellenfrei zu sein, soweit der Zustand unterhalb der dicken Schmutzschicht einen Befund zulässt.

Trotz unbestreitbarer Qualitäten ist der Raumriese zu teuer

Der Reihensechszylinder ist mit 2,3 Tonnen leistungsmäßig arg überfordert.

Makellos sind auch die Kunststoffteile, die hier ihrem Ruf, hart im Nehmen zu sein, noch nie gerecht werden mussten. Die Minuspunkte: ausreichend profilierte, aber poröse Dunlop-Pneus, vor allem aber ein großflächig und tiefnarbig vergammelter Rahmen, der fast schon eine strukturelle Schwächung befürchten lässt. Erstaunlich, zumal die ebenfalls neuralgischen Türkanten keinerlei braunen Fraß zeigen. Eine kurze Verhandlung drückt den Preis von 8950 auf 8500 Euro. Damit ist die Luft verbraucht, eine Gebrauchtwagengarantie ist nicht möglich. Ergo ist dieser Nissan trotz seiner unbestreitbaren Qualitäten ganz einfach zu teuer – unabhängig von ähnlichen Kursen, die für analoge Stücke aufgerufen werden. Denn eines ist klar: Die hohe Steuerlast, überaus üppige Versicherungsprämien und ein Verbrauch von 12 bis 16 Liter auf 100 machen den Patrol zum maßlosen Unterhaltfresser, der sich nur über einen günstigen Einstand rechnen kann. Als klare Zahl ausgedrückt: Bei maximal 7000 Euro sähe ich diesen Vertreter – ohne den zitierten Rostbefall. Okay, so viel zum gecheckten Exemplar.

Sorglose 300.000 Kilometer

Zum Patrol GR 2.8 Turbo D generell ist Folgendes zu sagen: Der Sechszylinder entstammt der Limousine Laurel (84-PS-Sauger, ab 1981), in der er als unkaputtbar gilt. Die thermische Belastung durch den Turbo (zunächst 115 PS) kratzt erstmals an der Standfestigkeit. Die später aufgepflanzte digitale Pumpensteuerung (130 PS mit Intercooler) murkst mehr an der Einspritzung rum, anstatt sie zu regeln. Und schafft so Probleme, die als kaum behebbar gelten. Ruckeln, unsaubere Übergänge, übler Rußauswurf: Das sind Symptome mancher Patrol 2.8 Turbo D, angesichts derer es "Finger weg" heißt.

Wachsfreie Zone: massive Rostschäden am ansonsten soliden Patrol-Rahmen.

Nächster springender Punkt: die Behandlung. Etwa lassen Dauervollgas und sportliches Schalten die Technik blitzartig verschleißen; fertige Synchronringe sowie im Fünf-Jahres-Rhythmus ausgebrannte, gerissene Zylinderköpfe sind die Folgen. Auch im unsensiblen Anhängerbetrieb leidet der Nissan Qualen. Andererseits sind sorglose 300.000 Kilometer möglich – bei behutsamem Einsatz. Der 130-PS-Patrol ist somit einmal mehr ein Modell, bei dem Vertrauen in den Vorbesitzer entscheidend ist. Eine Voraussetzung, die so manche Händlerofferte zur Katze im Sack stempelt.
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

"Nicht garantiefähig": So heißt es oft, wenn Händler alte Patrol Y61 anbieten. Indes: Der persönliche Eindruck des Vorbesitzers ist eh die bessere Versicherung – Vorteil Privatkauf. Unser Testwagen hat übrigens keinen Zughaken. Das ist selten und schränkt den Nutzwert ein, erklärt aber zum Teil seine sehr frisch wirkende Technik.

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