Gebrauchtwagen-Check Opel Agila & Co

Gebrauchtwagen-Check Opel Agila A (seit 2000) Gebrauchtwagen-Check Opel Agila A (seit 2000)

Gebrauchtwagen-Check Opel Agila & Co

— 08.05.2006

Quadratisch, praktisch – auch gut?

Der Opel Agila wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich. Der kleinste Rüsselsheimer überzeugt aber mit ungeahnten Langzeitqualitäten.

Viel Platz auf kleinstem Raum

In der Opel-Modellhierarchie rangiert er ganz unten, doch Kenner wissen längst Bescheid – der Agila ist ein ganz Großer. Viel Platz auf kleinstem Raum ist seine Stärke. Bei nur 3,50 Meter Außenlänge passen vier Erwachsene bequem hinein und können sogar noch ein bißchen Gepäck (248 Liter) mitnehmen.

Doch die typische Besetzung besteht meistens aus einer Mutti und ein bis zwei Zwergen, unterwegs im Einsatzgebiet zwischen Krabbelgruppe und Kindergarten. Dafür genügt der kleinere der beiden Benziner, der aus dem Corsa C bekannte Einliter mit 58 oder später 60 PS. Der 1,2-Liter steigert zwar das Tempo noch mal erheblich und verbraucht kaum mehr, wird aber auch teurer gehandelt.

Aus diesem Grund scheidet auch der ab 2003 angebotene Diesel aus, dessen Mehrkosten kaum vom Minderverbrauch aufgewogen werden und der sich daher eher für Gewerbekunden empfiehlt. Außerdem steigert der Diesel die Pannenanfälligkeit des an sich sehr zuverlässigen Agila. Denn mit Turbolader und Hochdruck-Dieseleinspritzung befinden sich technische Bausteine an Bord, die schon mal einem Defekt erliegen könnten.

Motor und Technik

Aber auch von den im Grunde anspruchslosen Benzinern sind Überraschungen bekannt: So kam es vor allem in den beiden Jahren nach Modellanlauf zu einigen Motorschäden. Ursache waren insbesondere Wasserverlust durch undichte Pumpen oder vom Marder zerbissene Schläuche, aber auch gerissene Steuerketten. Was tragisch war, schließlich hatte Opel gerade deswegen den Zahnriemen aus seinen neuentwickelten Motoren geworfen.

Inzwischen dürfte das Problem aber aus der Welt sein, wie auch Ölverlust durch undichte Öldruckschalter. Wodurch übrigens beachtliche Mengen Motoröl verschwinden können, was letztlich zu einem größeren Defekt führt. Doch das sind Einzelfälle, die wahren Dramen spielen sich auch beim Agila in den kleinen schwarzen Kisten ab – in der Elektronik: Das Motormanagement versagte am liebsten in den ersten beiden Baujahren. Damit auch die daran gekoppelte Wegfahrsperre. Und manchmal fehlte schlicht der Zündfunke, was dann aufs Konto der Zündspule ging.

Mangelte es hingegen an Sprit, war die entsprechende Pumpe kaputt. Oder ihr Relais. Eine verbesserte Kraftstoff-Förderung ging im Mai 2001 in Serie. Für den Gebraucht-Agila-Kunden bedeutet das: einfach ein Auto ab Baujahr 2002 nehmen. Oder noch besser: ein nach dem Facelift Mitte 2003 gebautes. Denn damals legte die Verarbeitung noch mal deutlich zu. Aber auch ältere Fahrzeuge verdienen durchaus eine Empfehlung, wenn die Mängelliste abgehakt ist und auch der Preis stimmt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte: • 4/00 Vorstellung des Opel Agila. 1,0-l-Dreizylinder, 58 PS, und 1,2-l-Vierzylinder, 75 PS. Drei Ausstattungsvarianten: Basis, Comfort und Elegance. ABS Serie ab Comfort • 11/01 Sidebags serienmäßig • 12/02 Anlauf Sondermodelle N-Joy und Color Edition • 6/03 ABS serienmäßig auch im Basismodell, Einführung 1,3-l-Common-Rail-Diesel (von Fiat), 70 PS; Motorleistung des Einliter-Benziners auf 60 PS angehoben • 6/04 1,3-Liter mit 80 PS ersetzt 75-PS-Motor.

Schwachstellen: • Die Elektronik ist auch beim Agila häufige Ursache für Stillstand. Ab Baujahr 2002 wurden Wegfahrsperre, Zündanlage und Motorsteuergerät stetig verbessert. • Motorschäden betreffen die Baujahre bis einschließlich 2001. Ursachen sind neben Ölverlust durch defekte Öldruckschalter auch Überhitzungen wegen Wassermangels und vereinzelt gerissener Steuerketten. • Die Kraftübertragung machte 2000 und 2001 Ärger: Der Ausrückhebel der Kupplung brach, und das Schaltgestänge hakte aus. • Die Karosserie ist recht gut verarbeitet, nur gelegentlich lösen sich Dichtrahmen der Frontscheibe oder wackeln Sitze. Häufiger kommt es zu Störungen der Schlösser und infolgedessen abgebrochener Schlüssel.

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer beim Opel-Vertragshändler am Beispiel Opel Agila 1.0 12V, 43 kW (58 PS), Baujahr 2002. Verschleißartikel sind relativ günstig, aber der Preis der Lichtmaschine sprengt den üblichen Rahmen – lieber im freien Handel umsehen.

Fazit und Modellempfehlung



Fazit von Peter Winkler, Gutachter TÜV Süd: "Der Opel Agila reift im Alter. Denn bei seiner zweiten Hauptuntersuchung nach fünf Jahren schneidet er relativ besser ab als bei der ersten, drei Jahre nach Erstzulassung. Typische Schwachstellen: die Fußbremse der Vorderachse, deren Scheiben häufig verschlissen sind und deren Wirkung oft zu wünschen übrigläßt. Leicht zu beheben sind dagegen Mängel an der rückwärtigen Beleuchtung – meist genügt das Erneuern defekter Glühlampen."

Modellempfehlung: Opel Agila 1.0 12V Comfort (43 kW/58 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 68 Euro im Jahr/Euro 4 • Testverbrauch: 7,2 Liter. Werksangabe: 6,4 Liter (Super) • Versicherung: Vollkasko (15/500 Euro SB): 536 Euro. Teilkasko (14/150 Euro SB): 87 Euro. Haftpflicht (16): 665 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Hamburg, 100 Prozent) • Inspektion: 30.000 Kilometer. Kosten: etwa 150 bis 250 Euro • Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 42 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 600 Euro Verlust.

Autor: Hendrik Dieckmann

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