Check Suzuki Jimny 4x4

Gebrauchtwagen-Check Suzuki Jimny 4x4

— 09.06.2009

Geländezwerg zum Preis eines Riesen

Als Neuwagen ist der Suzuki Jimny eine 4x4-Spardose. Gebraucht gilt der 3,63-Meter-Kraxler aber als überaus teuer. Der Checker Wolfgang Blaube präsentiert ein erstaunliches Zahlenspiel – anhand absolut üblicher Marktpreise.

Wie billig "teuer" sein kann – darum ging es in der letzten Folge. Ein 2001er Ford Explorer, Neupreis rund 80.000 Mark, für 5500 Euro … Das sind Zahlen, die aufhorchen lassen. Jetzt folgt der umgekehrte Fall – mit einem Typen, der neu billig, gebraucht aber überproportional teuer ist: der Suzuki Jimny. Seit Ende 1998 ist die drollige Offroad-Mikrobe auf dem Markt, erfuhr bis heute nur geringfügige Änderungen. Deshalb – aber auch, weil der relative Wertverlust bei kleinen Autos am schmalsten ausfällt – ist der Jimny die Idealbesetzung, um aufzuzeigen, wie knapp die Kursdifferenzen zwischen einem recht alten Gebrauchten und einem entsprechenden Neuwagen ausfallen können.

Vor Ort zeigt sich ein ziemlich ungepflegtes Exemplar

Innen fallen zerkratzte Verkleidungen auf, dem Auto fehlt ABS (damals 613 Euro Aufpreis).

Mein Einsatzort ist diesmal ein kleiner, familiärer Suzuki-Vertragshändler. Er bietet ein Jimny Cabrio vom August 2002 an, 57.000 Kilometer gelaufen, dritte Hand (Vorführwagen, dann zwei Damen). "Erwarten Sie keinen geleckten Neuwagen", hatte der ehrliche Verkäufer bereits am Telefon gewarnt: "Angesichts vieler Schrammen sehe ich das Teil etwa im Dreier-Zustand." Womit der Mann das Mittelfeld der von Oldtimern bekannten Bewertungsskala, die von eins bis fünf reicht, beschreibt. Preisidee laut Inserat: selbstbewusste 7750 Euro. Vor Ort zeigt sich in der Tat ein ziemlich ungepflegtes Exemplar. Rostige Blechstöße und -kanten am Unterboden, Außenlack überall verkratzt, Bremsscheiben riefig. Und statt eines in Wagenfarbe lackierten Stoßfängers bildet ein plastikgrauer der Jimny-Version mit Zweiradantrieb den bugseitigen Abschluss.

Dieser Jimny ist das geforderte Geld nie und nimmer wert

Fortsetzung folgt: Auch die Verkleidungen im "Kofferraum" zeigen sich weitgehend lädiert.

"Hat die letzte Besitzerin selbst drangebaut", entschuldigt sich der Verkäufer für das Indiz, das zusammen mit der laut Wartungsheft lückenhaften Inspektionsvita klar zeigt, worum es der Vorbesitzerin vor allem ging: Kosten zu sparen. Auch wenn die Probefahrt weder eine verschlissene Kupplung noch eine ausgeschlagene Vorderachs- und Lenkmimik (so die typischen Schwachpunkte) offenbart: Dieser Jimny ist das geforderte Geld nie und nimmer wert. Die folgende Verhandlung reduziert den Aufruf auf verdaulichere 7200 Euro inklusive Garantie und Erneuerung des eingerissenen Cabriodach-Hinterteils – meines Erarchtens noch immer viel zu viel.

"Rock am Ring" für 17.000 Euro

Nach Beratungen mit meinen Redaktionskollegen halte ich einen Preis von 4900 Euro für realistisch. Was ein analoger Neuwagen kostet? Im offiziellen Angebot ist das Cabrio derzeit nur als umfangreich ausgestattetes Sondermodell "Rock am Ring" für 17.000 Euro plus Überführung. Wie viele Prozentpunkte drin sind, bleibt offen. Alternativ bietet der Verkäufer seinen aktuellen Vorführwagen an, ein genau ein Jahr und 8000 Kilometer alter "Rock am Ring" für 15.000 Euro. Auch kein Schnapper. Da ist der günstigste Grauimport, der sich im Netz findet, schon deutlich attraktiver: ein zulassungs- wie kilometerloses Euro 4-Cabrio des Modelljahres 2008 für 12.990 Euro. Und das sind gerade mal 5240 Euro mehr als der Insertionspreis meines fast sieben Jahre alten, deutlich verlebten Euro-2-Kandidaten.

Richtig rund wird das Karussell der Kursvergleiche jedoch erst, wenn man die geschlossene Version des Jimny in den Ring wirft – eine echte Alternative zum Cabrio, zumal dessen Reize sich zum einen durch das extrem fummelige Verdeck (das ihn zum besseren Planenwagen macht) relativieren. Und zum anderen durch die Tatsache, dass er von Santana aus Spanien stammt. Spaltmaße, Lackqualität, Rostvorsorge – hängt alles von der Tagesform der Iberer ab. Hingegen wird der "Kombi"-Jimny in Japan gebaut. In konstant guter Verarbeitung. Laut Liste startet er bei 14.600 Euro. Im Netz finden sich karg ausgestattete Grauimporte (keine Fensterheber, keine Zentralverriegelung) mit voller Werksgarantie für nur 11.140 Euro. Spätestens mit diesem Angebot ist auch dem letzten Optimisten klar, dass der hier gezeigte Verbrauchtwagen ganz einfach viel zu teuer offeriert wird. Sein Anbieter kann dennoch gelassen bleiben: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand den horrenden Kurs bezahlt.
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Fazit Nummer eins: Der geschlossene Suzuki Jimny ist empfehlenswerter als das Cabrio. Fazit zwei: Einem Gebrauchten ist ein Neuwagen oftmals vorzuziehen. Denn Letzterer ist üblichenfalls nicht viel teurer, außerdem überzeugen die modernere Abgasnorm, attraktive Finanzierungsangebote sowie die volle Werksgarantie.

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