Check Suzuki Vitara X-90

Suzuki Vitara X-90 Suzuki Vitara X-90

Gebrauchtwagen-Check Suzuki Vitara X-90

— 17.11.2008

Trauriges Ende der Spaßgesellschaft

"Deutschlands erster Funster", jubelte die Werbung 1996. Heute sind wir erleichtert: Er war auch der letzte. Der Checker will wissen: Wer verkauft und wer kauft anno 2008 einen Suzuki Vitara X-90?

"Spoelar hinten, Schekheft gepfligt" – das sind sie, die Stilblüten in Internetannoncen, die ich besonders liebe. Zeigen sie doch, wie wenig dem Anbieter die seriöse Information seiner Kundschaft am Herzen liegt. Pingelig bis spießig, diese Einstellung? Sei’s drum. Ich gehöre halt zu den Leuten, die bisweilen ihre Klischees pflegen. Apropos Klischee, und damit zum heutigen Kandidaten. Geneigte Leser sehen die Bilder, schon sind sie da, die ätzenden Assoziationen: dauergewellte Friseuse, Wolle-Petri-CDs im Handschuhfach, Fiffi-an-Bord-Sticker, Monchhichi am Rückspiegel. Klischees, wie gesagt. Die ich in den Weiten der sonst so toleranten 4x4-Szene aufgeschnappt habe. Er hat eben eine entsprechende Reputation, der Suzuki Vitara X-90 Funster. Insofern muss ich mich hier gar nicht als Geschmackspolizei in Zivil verpflichten, sondern kann es bei gehässigen Zitaten belassen.

"Lumpi" und "Pinky" im Angebot

Die Party geht weiter: Im Innenraum gibt's Lifestyle-Sitzbezüge.

Na gut, aber wer kauft den notgelandeten Spaßvogel der Allradliga? Wenige, das ist klar. Deshalb sind die Preise im Keller. Allerdings: Wem der Ruf wurscht ist und der Sinn nach einem Geländegnom mit variablem Hardtop steht, der hat kaum Alternativen. Außerdem sollen mittlerweile verstärkt Anhänger des Trashkults auf die Kiste fliegen. Die Jungs etwa, die auch auf Mazda 929 Coupé oder Ford Scorpio II abfahren. Die die breite Ablehnung des Underdogs supercool finden. Für die ist der Funster eine Art Bad-Taste-Ikone und soziale Mutprobe in einem. Alle anderen Leser dieser Zeilen (die erdrückende Mehrheit also) möge sich einfach unverbindlich unterhalten lassen. Meine Netzsuche nach einem Funster gestaltet sich schwierig, ist aber unerhört amüsant.

Die drei zuerst kontakteten Verkäufer sind privat – und weiblich. Vor allem aber gehören zwei davon zur perfekt passenden Spezies, die ihren Autos Namen gibt. Die eine muss sich altersbedingt (bezogen auf die Dame, nicht auf den X-90) von ihrem "Lumpi" trennen, die andere opfert ihren "Pinky" – benannt nach der Lackfarbe – einem soooo süßen PT Cruiser Cabrio. Aber klar doch, denke ich. Und bereue, dass beide Anbieterinnen außerhalb meines Aktionsradius sitzen. Das wäre eine Schau geworden.

3700 Euro sind viel zu viel

Schließlich besuche ich einen Händler (Stichwort "Spoelar"), dem sein Funster garantiert überhaupt keinen Spaß macht – seit 2007 inseriert er diese Netzleiche, kein Schwein ruft an. Ich mutmaße, warum das so ist: 3700 Euro sind einfach viel zu viel für einen Typen, den sowieso fast niemand will. Analog zu der geringen, indes modellspezifischen Laufleistung erweist sich außerdem der Gesamtzustand als zu schlecht. Lack teils verschrammt, Targadach angerostet, Motorraum gammelig, diverse Verkleidungen perforiert. Darüber hinaus ist die Karre voller Laub und Moos, braucht Starthilfe, hat eine verklebte Kupplung. Keine Referenzen für den Anbieter.

Äußerlich zeigt sich der Funster bis hin zum Folienornat komplett original.

Was allerdings überzeugt, ist die sprichwörtlich solide Suzuki-Technik: Einmal in Fahrt, funktioniert jede Kleinigkeit bestens. Selbst die neuralgischen X-90-Punkte sind ohne Befund: Die Freilaufnaben rasten satt ein, die vorderen Dämpfer dämpfen wie neu, der Motor zeigt null Ölschlamm. Einzig die Kofferraumhaube sackt von selbst ab – "Spoelar" zu massig, Aufstellfedern zu schlapp, das alte Lied. Dankend stelle ich den Funster ab, fahre zurück ins Büro. Und ermittle den Vorbesitzer. Besser: die Vorbesitzerin, logisch. Ihre "Suzie" sei immer brav gelaufen, sagt sie, nie Probleme, und – ach ja – es ist ja so schade, dass dieses liebenswerte Begleiterchen dann doch wegmusste. Altersbedingt. Eine zu und zu schöne Geschichte – wenn sich lieb gewonnene Klischees derart bestätigen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang Blaube

Dass die 4x4-Szene den X-90 Funster zu ihrem Lieblingstreppenwitz erkoren hat, hat gute Gründe. Und sorgt für niedrige Preise sowie für lange Standzeiten. Wohl dem, der Gefallen an dem seltsamen Vehikel findet – er bekommt einen soliden Dauerläufer für kleines Geld. Nur der hier muss es nicht gerade sein.

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