Gebrauchtwagen Ford Focus (1998–2004)

Gebrauchtwagen Ford Focus (1998–2004)

— 06.03.2006

Focus im Fokus

Der Golf aus Köln gilt als Musterknabe. Doch wer nah genung ans Motiv zoomt, erkennt kleine Kratzer.

Fast hat es den Anschein, als könne man den Ford Focus unbesehen kaufen. Schließlich war er im AUTO BILD TÜV-Report 2002 der Mängelzwerg, und der ADAC bescheinigt ihm höhere Zuverlässigkeit als seinen wichtigsten Konkurrenten VW Golf und Opel Astra. Und trotzdem ist die Umsatz-Stütze von Ford in unserem Kummerkasten mit 250 Fällen gut vertreten, wie auch die ADAC-Techniker über die Vielzahl der möglichen Mängel staunen. Was nicht bedeutet, daß jeder Fehler an jedem Auto auftreten muß. Aber es könnte passieren.

Glücklicherweise selten: kapitale Motorschäden. Aber sie kommen vor, beim Benziner jedoch seltener als bei den Dieseln. Meist ist ein übergesprungener und schließlich gerissener Zahnriemen schuld, bis einschließlich Baujahr 2000 oft auch Ölmangel. Weil der Kunststoff-Öldeckel beim Zudrehen zerbricht und dann unterwegs abfällt, der Motor sein Schmiermittel ins Freie pumpt.

Nun bieten moderne Diesel schon wegen ihrer geballten Technik viel Platz für Pannen, da machen auch die TDCi-Motoren von Ford keine Ausnahme. Neben Kolbenbrüchen und gerissenen Zylinderköpfen beunruhigt vor allem eine große Zahl defekter Turbolader. Außerdem zeigt die Common-Rail-Einspritzung auch im Focus die üblichen Undichtigkeiten und gelegentliche Defekte der Hochdruckpumpe.

Getriebe und Fahrwerk

Läßt der Focus Diesel mal Leistung vermissen, kann es bei den ersten DI-Modellen bis Baujahr 2001 auch an einem defekten Gaspedalsensor liegen. Auch undichte Wasserpumpen ziehen sich durch beide Motor-Bauarten und -jahre. Was teuer werden kann, denn unbemerkter Wasserverlust führt unvermeidbar zu Überhitzungen des Motors, durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen oder gar Kolbenfressern.

Absolut selten hingegen: Ölverlust an Motor oder Getriebe. Nicht aber an der Servolenkung. Hier gilt es, genau nach der Ursache zu forschen, denn nicht immer ist das Lenkgetriebe undicht und wird in Folge unnötigerweise ausgetauscht. Oft liegt es nur an der Verschraubung der Ölschläuche oder der Servopumpe selbst. Aber auch die hydraulisch betätigte Kupplung kann undicht werden, vor allem vor Baujahr 2002. Wer dann trotz schlecht oder gar nicht mehr trennender Kupplung weiter am Schalthebel herumfuhrwerkt, muß sich nicht über ein defektes Getriebe wundern – das im gleichen Bauzeitraum vorkommen kann.

Kaum zu tadeln hingegen ist das Fahrwerk: Die Straßenlage ist legendär, der Komfort stimmt, die Haltbarkeit ebenfalls. Nur die ungenügend abgedichteten Radlager machen öfter mal vorzeitig schlapp. Ein Defekt, der – im Gegensatz zu den vielen möglichen anderen – mit ziemlicher Sicherheit jeden älteren Focus irgendwann mal erwischt. Das wagen wir unbesehen zu behaupten.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte:10/98 Modelleinführung des Escort-Nachfolgers mit drei- oder fünftüriger Schrägheckkarosse. ABS, Front- und Seitenairbags serienmäßig; Benzinmotoren mit 75, 100, 115 und 130 PS2/99 Einführung Stufenheck-Limousine und Kombi, 1,8-l-Direkteinspritzer-Diesel mit 90 PS • 1/01 Einführung TDCi-Dieselmotoren, zunächst mit 115 PS • 9/01 Facelift, erkennbar an den neuen Klarglas-Scheinwerfern • 3/02 Sportmodell ST 170, 173 PS, mit Schrägheck oder als Kombi • 11/04 Modellwechsel.

Schwachstellen:Lichtmaschine (Foto) gehört zu den Spitzenreitern in der Focus-Pannenstatistik. Betroffen sind vor allem die Baujahre 1998 und 1999, aber auch jüngere Jahrgänge. • Fahrwerk kommt in der TÜV-Statistik sehr gut weg, bei AUTO BILD allerdings häufen sich Leser-Beanstandungen defekter Radlager. Aber auch Querlenker-Buchsen und Stabilisator-Gestänge werden moniert. • Korrosion ist in TÜV-relevantem Ausmaß bisher unbekannt. Viele Leser beschweren sich aber über Kantenrost an Türen, Klappen, Scharnieren oder angerostete Aufnahmen der Heckklappen-Gasfedern. • Dieselmotoren spalten sich in zwei Lager: die sehr robusten DI-Motoren (75 und 90 PS) und die deutlich anfälligeren TDCi (ab 2001).

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Ford Focus 1.6, 74 kW/ 100 PS, Baujahr 2000. Mit einem ausgeklügelten Austauschsystem sorgt Ford für günstige Ersatzteile. Einzig die Bremsklötze erscheinen teuer, halten aber auch bis zu 100.000 km.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit von Peter Winkler, Gutachter TÜV Süd: "Der Ford Focus schneidet unterm Strich deutlich besser ab als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge, zeigt auch wesentlich seltener erhebliche Mängel. Schelte kassieren allein die häufig defekte Heckbeleuchtung und die Bremsanlage. Deren Wirkung läßt an der Vorderachse bei Dreijährigen manchmal zu wünschen übrig, die Handbremse zieht gelegentlich schief. Lob hingegen für stabile Radaufhängungen und öldichte Motoren."

Modellempfehlung: Ford Focus Trend 1.6 (74 kW/100 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 108 Euro im Jahr/Euro 4 • Testverbrauch: 8,0 Liter. Werksangabe: 6,8 Liter (Super) • Versicherung: Vollkasko (16/500 Euro SB): 556 Euro. Teilkasko (15/150 Euro SB): 91 Euro. Haftpflicht (16): 599 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) • Inspektion: 20.000 Kilometer. Kosten: etwa 150 bis 300 Euro • Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 43 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 900 Euro Verlust.

Autor: Hendrik Dieckmann

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