Gebrauchtwagen: Laguna, Avensis, Passat

Drei Lademeister im Gebrauchtwagen-Check Drei Lademeister im Gebrauchtwagen-Check

Gebrauchtwagen: Laguna, Avensis, Passat

— 30.06.2006

Reifeprüfung der Lademeister

Viel Platz, kräftige Motoren – alles kein Problem. Aber wenn Zuverlässigkeit die Hauptrolle spielt, kommen zwei der drei Kombis ins Schleudern.

Passat ist beliebtester Kombi

Daran gibt es keinen Zweifel: Der Deutschen liebster Kombi heißt VW Passat Variant. 1997 wurde das aktuelle Modell eingeführt und Ende 2000 grundlegend modellgepflegt. Es gehört vor allem gebraucht zu den gesuchtesten Familienwagen. Doch mit dem deutlich dynamischer gestylten Renault Laguna Grandtour und dem relativ preiswerten Toyota Avensis Combi gibt es Alternativen, die durchaus einen Blick über den Tellerrand lohnen. Schließlich ist der Passat wegen der hohen Nachfrage auch der teuerste der drei Lademeister, vergleichbares Alter und Motorisierung vorausgesetzt.

Besonders gesucht sind die TDI. Klar, mehr Drehmoment bei entsprechend niedrigem Verbrauch gibt es sonst nirgends. Aber wir bitten zu bedenken: Stärkere Benziner sind meist für weniger Geld zu bekommen, für die Differenz läßt sich eine ganze Weile tanken. Und kein TDI glänzt mit gehobener Laufkultur, auch nicht der V6. Die ist eher eine Domäne der Renault-Diesel. Die Common-Rail-Motoren laufen deutlich leiser. Aber weil auch ihre Preise eher hoch liegen und sie mit Zahnriemen, Turbolader und Einspritzung die gleichen Schwächen haben wie die VW-TDI, raten wir beim Franzosen ebenfalls zum Benziner.

Wer einen einigermaßen zuverlässigen Diesel fahren möchte, kommt also am Avensis nicht vorbei. Damit meinen wir aber nicht den altbackenen, nur 1998 und 1999 angeboten Turbo-D, sondern den ihn ablösenden D4-D. Der katapultierte Toyota aus der Diesel-Steinzeit ins Hier und Heute, muß sich vor den besten europäischen Selbstzündern nicht verstecken.

Stabil und zuverlässig: Avensis

Probleme mit dem D4-D sind uns unbekannt, nicht aber mit seiner Peripherie: Das Zweimassenschwungrad und die Kupplung bekommen Spiel, klopfen dann bei Lastwechseln. Ab Baujahr 2001 soll das Problem nicht mehr auftreten, aber uns sind auch jüngere (Einzel-)Fälle bekannt. Ähnliches gilt für die durchbrennenden Zylinderkopfdichtungen der 1,6-Liter-Benziner, die nur bis 1999 vorkommen dürften. Doch gelegentlich tritt der Schaden auch bei jüngeren Avensis auf.

Dafür ist sein Fahrwerk über jeden Zweifel erhaben. Zwar nicht übermäßig komfortabel – aber dafür stabil. Genau hier kranken die Europäer. Ob nun kompliziert wie im Passat oder eher simpel wie im Laguna – wenn diese Autos zum TÜV kommen, rütteln die Prüfer zuerst an den Vorderachsen. Wobei die vom Audi A4 übernommene Vierlenker-Achse des VW seit jeher wegen erhöhten Verschleißes auffällt.

Was das Zögern des Konzerns um so dreister erscheinen läßt, denn die fälligen Rückrufe kamen nur häppchenweise: 1999 der für die Spurstangen und erst 2003 einer für die Traggelenke – nicht zuletzt auf hartnäckiges Nachfragen des AUTO BILD-Kummerkastens. Kleiner Trost: Im freien Zubehörhandel gibt es mittlerweile VW-Achsen, die deutlich haltbarer als das Original sind (Infos unter www.meyle.com).

Fazit von Hendrik Dieckmann

Für den Renault sind uns solche Lösungen nicht bekannt. Schon der Vorgänger polterte gern mal mit den Achsen, beim aktuellen Laguna tritt das Problem in noch viel größerem Umfang auf. Übrigens auch an der Hinterachse, deren Beanstandungsquote um das Dreifache über dem Durchschnitt liegt. Die der Bremsscheiben übrigens um nahezu das Vierfache. Ursache ist mal wieder das Fehlen eines Abschirmblechs zur Radinnenseite hin. So können sich Schmutz und kleine Steine zwischen Bremsbelag und -scheibe verklemmen und tiefe Rillen hineingravieren.

Hier zeigt allerdings auch der Toyota Schwächen. Seine Bremse ist für engagierte Fahrweise bei voller Beladung zu schwach ausgelegt. Ein paar kräftige Bremsmanöver genügen, um die Scheiben zu verziehen. Perfekt ist also keiner der drei Gebrauchten. Aber einer ist zuverlässiger als die anderen: der Avensis. Renault muß nachsitzen, und VW-Fahrer sind gegen Kritik sowieso immun – sonst wäre der Passat nicht Kombi Nummer eins.

Fazit von AUTO BILD-Autor Hendrik Dieckmann: Der VW bietet am meisten fürs Auge, mit engen Fugen und ansehnlichem Plastik im Innenraum. Nützt mir aber wenig, wenn mal wieder seine Vorderachse knarrt oder der Zahnriemen den Motor über den Jordan schickt. Der Renault zeigt die gleichen Schwächen und dazu noch eine labile Elektronik, also bleibt für Freunde gepflegter Zuverlässigkeit wieder nur der Toyota. Mit ihm kommt man an, hat dabei aber nur wenig Freude. Denn das Fahrwerk ist unpräzise, die Bremse schwächelt, und die Motoren zeigen sich zäh.

Renault Laguna Grandtour (seit 2001)

Schade, aber die Zuverlässigkeit des Laguna hält nicht mit seinem erfrischenden Design mit. Sowohl im AUTO BILD-Kummerkasten als auch in der ADAC-Pannenstatistik ist der geräumige Franzose gut bekannt. Das hohe Sicherheitsniveau – ESP und Kopfairbags serienmäßig – mußte anscheinend am Fahrwerk eingespart werden, was die Schäden an Vorderachse und Bremse erklären würde. Für den Laguna sprechen der ausgezeichnete Komfort und die üppige Ausstattung.

Schwachstellen: Schon die erste Hauptuntersuchung zeigt oft ausgeschlagene Traggelenke an der Vorderachse oder defekte Spurstangen. Typisch Renault: riefige oder verschlissene Bremsscheiben und rutschende Keilrippenriemen. Viel Ärger machen der Chipkarten-Schlüssel sowie die Motorelektronik.

Technische Daten: Bauzeit: seit 2001. Motoren: Benziner von 107 bis 207 PS, Diesel von 91 bis 150 PS

Unterhaltskosten Laguna Grandtour 2.0 IDE, 140 PS:Testverbrauch: 8,5 l Super/100 km • Inspektion: 250 bis 400 Euro • Haftpflicht (13): 532 Euro • Teilkasko (17): 115 Euro • Vollkasko (15): 515 Euro • Kfz-Steuer (Euro 4): 135 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine: 640 Euro • Anlasser (AT): 275 Euro • Wasserpumpe: 395 Euro • Zahnriemen: 500 Euro • Endschalldämpfer: 400 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 440 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 320 Euro

Toyota Avensis Combi (1998–2003)

Gegenüber seinem biederen Vorgänger Carina wirkt der Toyota Avensis direkt modern. Glücklicherweise gehört Zuverlässigkeit weiter zu seinen Tugenden. Etwas zierlicher als seine Konkurrenten, bleiben die Abstriche im Platzangebot aber minimal. Störender sind die weichen, nachgiebigen Sitze und die emsigen, aber zum Dröhnen neigenden Benziner. Deshalb sollte niemand am Hubraum sparen, ein Zweiliter darf es im Avensis ruhig sein. Auch empfehlenswert: der D4-D-Diesel.

Schwachstellen: Gelegentlich Probleme mit der Kupplung, bei den Zweilitern (auch Diesel) macht das Zweimassen-Schwungrad Ärger. Auf frühe 1,6-Liter beschränken sich Defekte der Zylinderkopfdichtung, sonst gibt es nur vereinzelt Motorschäden wegen gerissener Zahnriemen. Allgemein schwächlich: die Bremse.

Technische Daten: Bauzeit: 1998 bis 2003. Benziner von 110 bis 150 PS, Diesel mit 90 oder 110 PS

Unterhaltskosten Avensis Combi 2.0, 128 PS:Testverbrauch: 9,0 l Super/100 km • Inspektion: 200 bis 400 Euro • Haftpflicht (16): 646 Euro • Teilkasko (19): 140 Euro • Vollkasko (19): 662 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2): 148 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine: 575 Euro • Anlasser: 535 Euro • Wasserpumpe: 270 Euro • Zahnriemen: 260 Euro • Endschalldämpfer: 360 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 485 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 320 Euro

VW Passat Variant (1997–2005)



Der vor zehn Jahren zunächst als Limousine eingeführte Passat sollte neue VW-Qualitätsstandards definieren. Das tat er auch, allerdings im negativen Sinne. Denn dieses Auto veranlaßte uns, den Kummerkasten ins Leben zu rufen. Doch der Passat Variant hat auch gute Seiten: viel Platz, Komfort, gute Fahreigenschaften. Sowie sparsame und kräftige TDI-Motoren, die aber gesucht und teuer sind – weshalb Normalfahrer mit einem Benziner besser fahren.

Schwachstellen: Peinlich für eine Premium-Marke wie VW sind schnell verschlissene Traggelenke und Spurstangen der Vorderachse. Außerdem sind die Antriebswellen-Manschetten häufig undicht. Ebenfalls typisch VW: defekte Bremsschläuche. Motorseitig ist der Zahnriemen oft der Übeltäter, auf die TDI beschränkt sich Ärger mit Turbolader und Einspritzanlage.

Technische Daten: Bauzeit: 1997 bis 2005. Benziner: 100 bis 275 PS. Diesel: 90 bis 150 PS

Unterhaltskosten Passat Variant 1.8 5V Turbo, 150 PS:Testverbrauch: 9,6 l Super/100 km • Inspektion: 250 bis 500 Euro • Haftpflicht (14): 575 Euro • Teilkasko (22): 189 Euro • Vollkasko (17): 611 Euro • Kfz-Steuer (Euro 3): 122 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine: 455 Euro • Anlasser (AT): 370 Euro • Wasserpumpe (AT): 280 Euro • Zahnriemen: 335 Euro • Endschalldämpfer: 365 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 485 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 295 Euro

Autor: Hendrik Dieckmann

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