Gebrauchtwagen Mercedes-Benz Vaneo

Mercedes-Benz Vaneo W 414 Mercedes-Benz Vaneo W 414

Gebrauchtwagen Mercedes-Benz Vaneo

— 12.11.2008

Der vergessene Stern

Halb Hochdachkombi, halb Kompaktvan: Der Mercedes-Benz Vaneo verschwand so schnell, wie er kam. Dabei bietet er handfeste Qualitäten: Praktische Schiebetüren und ein großzügiges Platzangebot machen ihn zum perfekten Familientransporter.

Machen wir uns mal die Mühe und werfen einen Blick ins Archiv, Abteilung Preise und Ausstattung. Im Jahre 2002 verlangte Mercedes-Benz für seinen Hochdachkombi Vaneo (interne Bezeichnung W 414) mit 82-PS-Benziner 19.348 Euro und 80 Cent. Wer noch Metallic-Lack, CD-Radio, Aluräder und Klimaanlage orderte, zahlte 22.134 Euro. Einen vergleichbaren Renault Kangoo gab es damals für 15.330 Euro. Macht einen Preisunterschied von knapp 7000 Euro. Oder über 30 Prozent. Der Mercedes Vaneo ist Geschichte, er verschwand Ende 2005 heimlich, still und leise vom Markt. Der vergessene Stern. Grob gesagt ist der Vaneo eine A-Klasse (W 168) mit einem derart hohen Dach, dass man beim Autowaschen eine Leiter braucht.

Den Vaneo gab es nur viereinhalb Jahre

Top-Fahrsicherheit: Der Vaneo hat serienmäßig ESP, BAS, ASR, ABS und vier Airbags.

Er hat Schiebetüren wie die günstigen Pampers-Bomber vom Schlage eines Renault Kangoo oder Citroën Berlingo. Und ein piekfeines Interieur wie damals nur der Opel Zafira oder der Renault Scénic. Spötter wurden nicht müde zu sagen: Für einen Hochdachkombi zu teuer und für einen Kompaktvan zu hässlich. Da stand der Vaneo im Oktober 2001 in den Showrooms, aber die Kunden wussten nicht so recht, was sie mit dem Wagen anfangen sollten. Hergestellt wurde er im DaimlerChrysler-Werk Ludwigsfelde bei Berlin, entwickelt von der Nutzfahrzeug-Abteilung. Mercedes plante 50.000 Einheiten pro Jahr. Es wurden 55.000 – verteilt auf viereinhalb Jahre. Ende 2005 wurden die letzten Modelle verramscht, der Vaneo-Stern ging unter. Warum nur?

Als Gebrauchter ist der Vaneo mittlerweile sehr gefragt

Gebraucht ist der Hochdach-Benz ein Hit, man merkt es an gesalzenen Preisen, die für luxuriös ausgestattete Exemplare aufgerufen werden. "Ein guter 1.7 CDI mit 91 PS steht höchstens 14 Tage", sagt ein Hamburger Mercedes-Händler. Die Kunden? Tischler oder Klempner – und die Zielgruppe von einst, junge Familien. Bei der Entwicklung des Vaneo fragte Mercedes junge Mütter sogar nach ihren Wünschen. Leider interessierte man sich fürs Haushaltsnettoeinkommen nicht die Bohne.

Der Vaneo ist kein Dynamiker

Unser Test-Vaneo ist Baujahr Januar 2004 – und soll 11.990 Euro kosten. In der Schwacke-Liste steht er für 11.000. Aber dafür hat der silberne Benz das pralle Programm an Bord: Sondermodell "La Vida" mit Dachreling, CD-Radio, Parktronic, 16-Zoll-Leichtmetallräder, Klimaanlage, abgedunkelte Scheiben. Und gepflegt ist er, aus erster Hand. Als 125-PS-Benziner ist der Vaneo auf keinen Fall übermotorisiert. Und das, obwohl der 1.9er im Vaneo der stärkste Motor war. 1,5 Tonnen (plus erlaubte 430 Kilogramm Zuladung) wollen bewegt werden. In unserem Vaneo gelingt das ganz unspektakulär. Kein Wunder: Die gefühlte Höhe ist die einer Scheunentür, besonders in Kurven wirkt der hohe Aufbau schaukelig. Wie gut, dass Mercedes allen Vaneo serienmäßig ESP spendierte – das hatte man aus dem Elch-Test mit der A-Klasse gelernt.
Gebrauchtwagenpreise Mercedes-Benz Vaneo (W 414) in Euro
Modell
kW/PS
2005 2004 2003 2002 2001
Vaneo Trend 1.6
60/82 9650 8750 7800 7000 6350
Vaneo Family 1.6
75/102 11.050 9900 8950 8000 7800
Vaneo Ambiente 1.9
92/125
11.950 10.850 9800 9050 8750
Vaneo Trend 1.7 CDI
55/75
10.400 9450 8500 7850 7650
Vaneo Ambiente 1.7 CDI
67/91
12.150 11.050 10.000
9200 9000
Durchschnittlich gefahrene Kilometer 67.000 km 82.000 km 98.000 km 115.000 km 130.000 km

Drei Kubikmeter Ladevolumen, maximale Variabilität

Der Vaneo hat die Armaturenanlage der A-Klasse, optional gab es Holz- oder Carbon-Applikationen.

Der Innenraum ist das Sahnestück des Vaneo. Zwar müssen die Beine vorn wegen des doppelten Fahrzeugbodens (Sandwich-Prinzip) etwas angewinkelt werden, aber hinten, wo die Kinder sitzen, herrscht Kinofeeling. Die zweite Sitzreihe ist höhergelegt – sodass die Kleinen immer die Übersicht behalten. Und Papa freut sich über eine Ladefläche fast wie im Laster. Die Rückbank lässt sich klappen und ausbauen. Zum Vergrößern der Ladefläche kann man die hintere Sitzreihe komplett vorklappen – sehr praktisch. Komplett ausgebaut, entsteht im Vaneo Platz für eine ganze Palette. In Zahlen: Es passen drei Kubikmeter rein – oder zwei Übernachtungsgäste.

Technische Mängel sind die gleichen wie bei der ersten A-Klasse

Mehr Ladefläche bietet kein anderes Auto auf 4,19 Meter Außenlänge: Bis zu 3500 Liter fasst der Vaneo.

Marode Bremsschläuche, manchmal auch die Leitungen – das haben Vaneo der ersten Baujahre mit der A-Klasse (W 168) gemeinsam. Im AUTO BILD-Kummerkasten ist bei allen Mercedes-Modellen, die mit einem V beginnen, das Thema Rost weit vorn. Meist betrifft es die Heckklappe (Kantenrost an den Falzen, ums Schloss und die Heckscheibe). Außerdem sind Probleme mit der Hinterachse aktenkundig: Ausgeschlagene Lager und defekte Federn nerven. Und dann sollte man noch genau auf Geräusche an der Vorderachse achten: Wenn's gut läuft, sind nur die Stabistangen kaputt. Allerdings muss manchmal das komplette Lenkgetriebe getauscht werden.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagenexperte Andreas May

Über Geschmack lässt sich streiten. Dass der Vaneo klobig und unförmig wirkt, seine Reifen wie Elefantenrollschuhe aussehen – gebongt. Aber der Kerl hat was: Schiebetüren, eine höhergelegte Rücksitzbank wie im Kino – und er ist ein fein verarbeiteter Benz. Mein Tipp: ein gut ausgestatteter 1.9er aus 2005. Der perfekte Familientransporter für alle Fälle.

Autor: Andreas May

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