Gebrauchtwagen Porsche Boxster

Porsche Boxster 2.5 Porsche Boxster 2.5

Gebrauchtwagen Porsche Boxster

— 09.04.2009

Da hilft nur beten

Wie billig darf ein Porsche sein? Den kultigen Boxster gibt es in Internet-Börsen schon ab 9000 Euro. AUTO BILD hat so ein Schnäppchen unter die Lupe genommen. Und wünschte sich biblischen Beistand.

1998er Baujahr, auf der Uhr stehen 144.000 Meilen, also 231.000 Kilometer. Der Preis ist heiß: 12.990 Euro für einen Porsche Boxster mit 2,5-Liter-Motor und 204 PS. Verhandlungsbasis, da geht bestimmt noch was. AUTO BILD fährt hin. Der erste Eindruck: Hier steht ein hübscher Haufen Schrott. Die Karosserie rundherum verbeult, innen riecht es nach einer Mischung aus Schimmel und Wunderbaum, Geschmacksrichtung Vanille. Das Leder porös, die Teppiche nass. Auf der Hebebühne der nächste Schock: Der Motorblock ist verölt, die beiden Katalysatoren wurden aufgeflext und zugeschweißt. Verflixt und zugenäht – was ist das denn?

Die Hälfte aller Boxster-Motoren sind undicht

Aus 50 Metern Entfernung wirkt der Boxster noch ganz frisch – doch der Eindruck schwindet mit jedem Meter Annäherung.

Der Händler erklärt: "Ich habe den Boxster vor einem Jahr aus den USA importiert, für 8000 Euro, aber mit Motorschaden." Inzwischen war das Porsche-Herz zur OP in Polen, der Händler zahlte noch mal 5000 Euro. Aber keiner will den Porsche. Motorschaden. Darüber klagte manch Boxster-Kunde bereits nach weniger als 10.000 Kilometern. Der Grund ist wassergekühlt. Mit dem Boxster und dem Elfer mit der internen Bezeichnung 996 führte Porsche diese Art der Motorkühlung ein, vorher lebten die Boxermotoren von Luft und Liebe. Mit den neuen Aggregaten hatte Porsche plötzlich ein schmieriges Problem. Im Detail geht es um den getriebeseitigen Simmerring der Kurbelwelle. Er hielt bei frühen Modellen einfach nicht dicht. Porsche-Insider sagen, dass die Hälfte aller Boxstermotoren defekte Motorsimmerringe aufwiesen. Erst seit Februar 2005 wird ein neuer Dichtring verwendet, mit ihm soll der Wasserboxer dicht sein.

Der Test-Boxster ist nur notdürftig repariert

Bei unserem Test-Porsche war der Motorschaden kapital. Ventile, die sich in die Kolben gepresst haben – igitt, igitt! Das Öl schoss durch die Katalysatoren geradewegs in den Auspuff. Na ja, zumindest läuft der 986er wieder. Wenn auch nicht rund. Und er hört sich dank der Schweißversuche an der Abgasanlage auch nicht mehr an wie ein Porsche. Nicht nur das. Zwischen 2000 und 3000 Touren, wo eigentlich schon die Post abgeht, macht dieser Boxster den Eindruck einer fußkranken Oma, die bei Grün über die Ampel geht und bei Dunkelrot ankommt. Nach einer Stunde haben wir uns an diese Marotte gewöhnt, parken den Boxster vor einer Kirche. Und werden verjagt. "Hier findet gerade eine Trauerfeier statt, gleich kommen 300 Gäste raus", sagt der Mann im dunklen Anzug. Oh, tschuldigung!

Gute Noten vom TÜV

Wir steigen ein und wollen den Porsche starten – aber nichts passiert. Er orgelt und orgelt und kommt einfach nicht. Welch Trauerspiel, jetzt hilft nur noch beten. Wir schieben den Boxster, diese vermodert riechende und total verbeulte Kiste, vom Parkplatz. Nach einer halben Stunde will er wieder, nach mehrmaligem Orgeln. Wir beschließen, den Motor gar nicht wieder abzustellen. Der Boxster, eine Schrottkiste? Von wegen. Was da in Finnland im Porsche-Auftrag gebaut wird, ist allererste Sahne. Der TÜV attestiert dem Kult-Roadster eine gute Form. Lenkungsspiel, Rost, marode Auspuffanlagen, defekte Antriebswellen oder Bremsleitungen kennt der Boxster nicht. Bei guter Pflege, wohlgemerkt.

Zwei Pannen auf der Boxster-Probefahrt

Kapitaler Motorschaden: Der Ventilteller ist vom Ventilschaft abgerissen und steckt im Kolbenboden.

Unser Zweisitzer wurde behandelt wie ein streunender Hund. Die Wehwehchen nicht beachtet, geschmäht und verjagt – in diesem Fall aus der Werkstatt. Nach drei Stunden ist das Abenteuer "Billig-Porsche" zu Ende. Nicht ohne eine letzte Gemeinheit. Auf dem Händlerhof legt der Motor seine zweite Verschnaufpause ein, will nicht mehr. Wir müssen den Boxster in die Parklücke schieben. "Und, Spaß gehabt?", fragt der Händler. Wir lächeln, wünschen viel Glück für kommende Verkaufsversuche, geben ihm einen guten Tipp: Verhökern Sie die Karre weit, weit weg! Und werfen einen letzten Blick in die Internet-Börsen. Porsche Boxster aus erster Hand, 80.000 Kilometer, von Porsche scheckheftgepflegt, 16.500 Euro. Da muss man nicht mal beten.

Fazit von AUTO BILD Gebrauchtwagenexperte Andreas May

Wie billig kann Porsche fahren sein? Das war unsere Ausgangsfrage. Was feststeht: Zu billig wird teuer. Wer bei der Anschaffung spart, zahlt später doppelt und dreifach. Bei Porsche gilt wie bei keinem anderen Auto: So einen kauft man nur scheckheftgepflegt, am besten aus erster Hand. Dann kostet ein günstiger Boxster 17.000 Euro. Und das ist er dicke wert.

Kosten und technische Daten Porsche Boxster 2.5
Unterhaltskosten
Testverbrauch
12,0 Liter Super
Inspektion
500 bis 800 Euro
Haftpflicht (Klasse 14)
540 Euro
Teilkasko (Klasse 26)
243 Euro
Vollkasko (Klasse 26)
1370 Euro
Kfz-Steuer (Euro 2)
184 Euro
Ersatzteilpreise inklusive Lohn und 19% MwSt.
Lichtmaschine
1235 Euro
Anlasser (für Tiptronic)
705 Euro
Wasserpumpe
440 Euro
Motor komplett neu
19.150 Euro
Hauptschalldämpfer
640 Euro
Kotflügel vorn, lackiert
890 Euro
Bremsscheiben und -beläge vorn
540 Euro
Technische Daten Boxster 2.5
Hubraum
2480 ccm
Leistung
150 kW/204 PS
Höchstgeschwindigkeit
240 km/h
AUTO BILD-Gesamturteil: sehr empfehlenswert*
*gilt jedoch nicht für den verpfuschten Testwagen


Autor: Andreas May

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