Gebrauchtwagen-Test Alfa 147

Gebrauchtwagen-Test Alfa 147 Gebrauchtwagen-Test Alfa 147

Gebrauchtwagen-Test Alfa 147 (ab 2001)

— 16.11.2005

Kein billiger Italiener

Wertstabil wie ein Audi A3, großer Benzindurst und reichlich Ölverbrauch machen den Alfa 147 nicht gerade zum Sonderangebot. Dafür stimmt der Fahrspaß.

Karosserie und Antrieb

Schön und leider nicht selbstverständlich, wenn im Leben alles stimmt. Der Job ist sicher, wenn auch langweilig. Die Frau ist fix, aber unspannend. Und das Auto ... könnte eigentlich dem Alltag etwas Pep geben. Wer so denkt, steckt hier im richtigen Text – und ist potentieller Alfa-Anwärter.

Seit März 2001 rollt der 147 durch Deutschland, 16 Monate davon als 2.0 TS bei uns im Dauertest. Anfangs nervte die Verarbeitung, doch mit dem Kilometerstand wuchs die Zufriedenheit. Am italienischen Fließband steht Gründlichkeit nicht immer im Vordergrund, wie unsere Leser wenig überrascht melden. Wassereinbruch im Innenraum klingt nach einem Leiden der sechziger Jahre, nicht aber nach der Ära der perfektionierten Kunststoff- und Klebetechnik. Lästig, aber kein echter Beinbruch. Doch Qualität sieht anders aus.

Typische Alfa-Problemzone wurde mit den Jahren die Hinterachse: Der TÜV rügt hier regelmäßig, der 147 ist da dreimal schlechter als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge vergleichbaren Alters. Bei einem Kauf von Privat ohne Gewährleistung können auch kleine Defekte große Löcher in die Brieftasche nagen.

Häufige Defekte bei der Elektronik

Ein 147 kann gnadenlos sein: funktionslose Bordcomputer, bewegungsunfähige Fensterheber, kalte Sitzheizung – wo Strom fließen sollte, staut sich nicht selten die Wut auf das Auto. Aber wir wollen den Alfa-Technikern an dieser Stelle ein Kompliment machen: Uns ist kein Italiener bekannt, an dem Reparaturen mit so wenig Aufwand möglich sind wie beim 147.

Klar, Bastler haben bei dieser Fahrzeuggeneration schlechte Karten, doch mit sinkender Arbeitszeit sinken auch allfällige Werkstattkosten. Das bemerkten auch die Versicherungen – und stuften den 147 nicht teurer ein als andere vergleichbare Kompakte.

Bevor Sie jetzt zur Probefahrt starten, noch einige Ratschläge: • Ölstand prüfen. Vor allem die Benziner verbrauchen bei sportlicher Bewegung sehr viel Schmierstoff. • Große Felgen: 16 Zoll rütteln den Wagen unkomfortabel durch. • Knackt der Wagen bei Kälte? Ja? Schade, erst mit steigender Temparatur wird das Geräusch wieder verschwinden. • Kratzt das Getriebe? Keine Angst, meist fehlt nur etwas Fett am Schaltgestänge. Und daß das Serviceheft keinesfalls fehlen sollte, ist ja selbstverständlich.

Historie, Schwächen, Kosten



Modellgeschichte:3/01 Markteinführung als Dreitürer. Drei Benzinmotoren: 1.6 TS Eco (105 PS), 1.6 TS (120 PS), 2.0 TS/2.0 TS Selespeed (150 PS) • 5/01 Einführung des Fünftürers und des ersten Dieselmotors im 147 mit 115 PS11/02 Endtopf der Abgasanlage erhält verbesserten Korrosionsschutz, verbesserte Scheibenwaschdüsen • 2/03 neuer Diesel mit 140 PS, ab sofort heißt das Topmodell 3.2 V6 24V GTA und leistet 250 PS. Neupreis: 30.800 Euro • 12/04 großes Facelift mit stark veränderter Front.

Schwachstellen: Hoher Bremsenverschleiß? Kann nur an der Fahrweise des Vorbesitzers liegen, denn die Scheibenbremse (Foto) des 147 genießt hier einen guten Ruf. Für die Hinterachse gilt das nicht, Reparaturen sind oft bereits nach drei Jahren notwendig. Die Abgasanlage der Fahrzeuge bis November 2001 gelten als überaus korrosionsfreudig. Defekte an der Elektronik/Elektrik finden meist ihre Ursache in mangelhaften Steckverbindungen. Schwächen in der Verarbeitung sind hauptsächlich bei Kälte hörbar, wenn der Kunststoff im Innenraum in Kurven knackt. Ölverlust am Antriebsstrang ist vor allem am Motor, etwas seltener am Getriebe regelmäßig erkennbar.

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa 147 2.0 Twin Spark, 110 kW/150 PS, Baujahr 01. Alfa Romeo bemüht sich offensichtlich um günstige Ersatzteilpreise und bietet vieles als günstiges Austauschteil an. Motorschäden sind dennoch sehr teuer.

Fazit und Modellempfehlung:



Fazit von Peter Winkler, Gutachter TÜV Rheinland Group: "Erstklassige Rostvorsorge, Bestnote für Kraftstoffanlage, Bremsleitungen und die Wirkung der vorderen Fußbremse – der Alfa 147 kann hier gut punkten. Ganz anders sieht es an der Hinterachse aus, hier vermerken die TÜV-Techniker regelmäßig einen Mangel im Protokoll. Wenig umweltfreundlich erscheint der Ölverlust am Antriebsstrang, auch die Beanstandungen an der Auspuffanlage trüben den guten Eindruck dieses Italieners."

Modellempfehlung: Alfa 147 2.0 TS (110 kW/150 PS)

Steuer/Schadstoffklasse 139,84 Euro im Jahr/Euro 3 • Testverbrauch Werksangabe 8,9 Liter, gemessen 10,1 Liter (Super) • Versicherung Vollkasko (21/500 Euro SB): 1222 Euro. Teilkasko (21/150 Euro SB): 131 Euro. Haftpflicht (17): 945 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) • Inspektion 20.000 Kilometer. Kosten: etwa 250 bis 400 Euro • Wertverlust Dreijährige verlieren rund 43 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1000 Euro Verlust.

Autor: Nikolaus Eickmann

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