Gebrauchtwagen-Test Audi A3

Gebrauchtwagen Audi A3 Attraction Gebrauchtwagen Audi A3 Attraction

Gebrauchtwagen-Test Audi A3

— 30.10.2008

Premium-Stempel verdient

Der Audi A3 ist recht teuer und nicht besonders geräumig, aber dennoch ein echter Gebrauchtwagen-Tipp. Auch Probleme mit dem Luftmassenmesser, die beim Vorgänger-Modell ein Dauerärgernis waren, sind anscheinend passé.

Mit dem ersten A3 hielt 1996 ein neuer Begriff Einzug in die Kompaktklasse: premium. Ein Anspruch, den der kleine Audi mit wackelnden Sitzen und abblätternden Softlack-Oberflächen zunächst nicht so recht einlösen konnte. Der im Frühjahr 2003 vorgestellte Nachfolger kennt solche Probleme nicht. Seine Verarbeitungsqualität setzt bis heute die Maßstäbe – und andere Premium-Hersteller unter Zugzwang. Dazu kann der A3 eine Kundenzufriedenheit vorweisen, die sogar japanische Hersteller neidisch werden lassen kann.

Die Verarbeitungsqualität des Audi A3 setzt bis heute die Maßstäbe.

Was aber nicht bedeutet, dass der Ingolstädter völlig frei von Schwächen wäre. Grundsätzlich lässt sich die Baureihe in zwei Gruppen aufteilen: in sachte motorisierte Gleiter, die lange und problemlos Kilometer abreißen, und in die sportliche Fraktion, die zu engagierter Fahrweise bei entsprechendem Verschleiß animiert. 2.0 TDI und TFSI gehören in letztere Kategorie, erst recht in der quattro-Version. Bei diesen tauchen gelegentlich Kupplungsschäden im AUTO BILD-Kummerkasten auf – wohl auch eine Frage der Bedienung. Aber auch Turbolader und Zylinderköpfe leiden mitunter, woran in vielen Fällen Chiptuning beteiligt sein wird.

Probleme mit dem Luftmassenmesser scheinen passé

Eine der häufigsten Pannenursachen ist dagegen auf Wartungsfehler zurückzuführen. Wird beim TDI der Kraftstoff-Filter schlampig montiert, dringt Luft ins Dieselsystem – der Motor bleibt stehen. Das war es dann aber auch schon. Probleme etwa mit dem Luftmassenmesser, die beim Vorgänger-Modell ein Dauerärgernis waren, sind bei Audi anscheinend passé.

Auch das Fahrwerk ist außerordentlich standfest – keine Selbstverständlichkeit im VW-Konzern. Wenn der TÜV mal mault, betrifft es eher die anfälligen Antriebswellenmanschetten oder die Einstellung des Abblendlichts. Die überfordert anscheinend viele Werkstätten, ebenso die Kontrolle der Scheibenbremsen an der Hinterachse. Denn bei diesen setzen sich gern die Beläge in den Schächten fest. Folge: eine mangelnde oder ungleichmäßige Bremswirkung.

Ansonsten zeigt dieser Audi aber kaum typische Schwächen. Gelegentlich geht mal ein Klimaanlagen-Kompressor kaputt oder der Lüfter des Kondensators. Ärgerlich, aber auch bei anderen Marken ist das nicht ungewöhnlich, wenn die Anlage jahrelang im Automatik-Modus betrieben wird. Am verdienten Premium-Siegel des Audi A3 können solche Verschleißerscheinungen jedenfalls nicht rütteln.

Die Problemzonen des Audi A3

Schwachpunkt: Die Antriebswellenmanschetten sind vergleichsweise oft defekt.

Generell gehört der Audi A3, wie die meisten Mitglieder der Golf-V-Familie, zu den besonders soliden Gebrauchtwagen. So sind Schäden am Fahrwerk nahezu unbekannt. Einzig die Antriebswellenmanschetten fallen öfter durch Beschädigungen aus. Rückrufe betrafen bei dieser Baureihe lediglich die Kopfairbags und das Zweimassen-Schwungrad der Zweiliter-TDI, ansonsten ist die gesamte Technik unauffällig. Selbst den Zahnriemen der Nockenwellensteuerung, beim Vorgängermodell ein echtes Risiko, hat Audi beim Typ 8P im Griff. In Einzelfällen werden jedoch immer wieder Motorschäden an den TDI bekannt, allerdings liegt dabei oft die Ursache im Dunkeln. Zu einem hohen Prozentsatz dürfte Chiptuning daran beteiligt sein, wie auch an den vielen Kupplungsproblemen. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass der A3 in den stärker motorisierten Ausführungen (etwa S3) gern heftig rangenommen wird - Verschleiß an der Kupplung ist dann eher vom Talent des Fahrers als von der Konstruktion abhängig.

Bewertung von Gebrauchtwagen-Experte Hendrik Dieckmann

Mit dem A3 löst Audi sein Premium-Versprechen bei den Kompakten ein. Das Auto ist edel gemacht und äußerst haltbar – ein zuverlässiger Dauerläufer für Leute, denen Platz nicht alles bedeutet. URTEIL: ****

Modell-Empfehlung

1.9 TDI • Hubraum 1896 cm³ • Leistung 77 kW/105 PS • Höchstgeschwindigkeit 197 km/h

Der Motor des 105 PS starken 1.9 TDI ohne Kunststoffdeckel: Er ist sparsam, hat aber ordentlich Durchzug.

Momentan schießen zwar alle gegen den Diesel und rechnen sich die Benziner schön, vergessen dabei aber eine wichtige Kleinigkeit: Der TDI macht mit seinem kräftigen Durchzug viel mehr Freude. Und Könner am Gaspedal schaffen beim Verbrauch die Vier vor dem Komma, das dürfte mit einem Benziner kaum gelingen. Auch nicht mit den neuen 1.4- und 1.8-TFSI-Motoren, die ansonsten ebenfalls eine uneingeschränkte Empfehlung verdienen. Leider sind sie noch recht frisch und damit entsprechend teuer.
Kosten (Audi A3 1.9 TDI)
Unterhaltskosten
Testverbrauch – CO2 6,6 Liter Diesel/100 km – 175 g/km
Inspektion 150 bis 400 Euro
Haftpflicht (17)* 586 Euro
Teilkasko (21)* 146 Euro
Vollkasko (17)* 562 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4 ohne DPF) 316 Euro
*) Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in HH, Fahrer: Versicherungsnehmer + Partner (mindestens 25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 %
Ersatzteilpreise **
Lichtmaschine (AT) 370 Euro
Anlasser (AT) 315 Euro
Wasserpumpe 335 Euro
Zahnriemen 350 Euro
Endschalldämpfer 330 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 480 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 330 Euro
**) inklusive Lohnkosten und 19 % Umsatzsteuer

Modellgeschichte Audi A3

September 1996 Einführung der Modellreihe A3 auf der Technik-Plattform des erst ein Jahr später erschienenen VW Golf IV. ABS und Doppelairbag sind serienmäßig, ein halbes Jahr später auch Sidebags.

Mai 2003 Neuauflage des A3, technische Grundlage ist der im Herbst debütierende Golf V. Wichtigste Änderung ist die Umstellung der Hinterachse von Verbundlenker- auf eine Mehrlenkerbauart. Motorisierungen: 1.6, 75 kW/102 PS; 2.0 FSI, 110 kW/150 PS; 2.0 TDI, 103 kW/140 PS.

Juni 2003 Erweiterung der Motorenauswahl um den 1.9 TDI, 77 kW/105 PS, sowie den 1.6 FSI, 85 kW/115 PS.

September 2003 Vorstellung des 3.2 V6 (184 kW/250 PS), ausschließlich als quattro lieferbar.

Juni 2004 Einführung des A3 Sportback mit fünftüriger Schrägheckkarosserie. Motorisierungen und Sicherheitsausstattung wie beim Dreitürer. Neue Motorisierung: 2.0 TFSI, 147 kW/200 PS.

Juni 2005 Single-Frame-Kühlergrill im Stil des A6 für den Dreitürer.

Oktober 2005 Dieselpartikelfilter gegen Aufpreis für alle TDI lieferbar.

März 2006 Einführung des 2.0 TDI mit 125 kW/170 PS, Dieselpartikelfilter serienmäßig. Als quattro oder mit Frontantrieb lieferbar, jeweils mit Sechsgang-Handschaltung oder S-tronic.

April 2006 Dieselpartikelfilter für alle TDI serienmäßig.

Alles neu macht der Mai 2008: Facelift für den A3.

August 2006
Neuer S3, 195 kW/265 PS.

Januar 2007 Einführung des 1.8 TFSI. 1,8-Liter-Turboben-ziner, 118 kW/160 PS. Ausschließlich mit Frontantrieb lieferbar.

Juli 2007 Vorstellung des 1.4 TFSI. 1,4-Liter-Turbobenziner, 92 kW/125 PS. Ausschließlich mit Frontantrieb lieferbar.

Mai 2008 Große Modellüberarbeitung. Leicht geänderte Leuchten, Tagfahrlicht als LED-Streifen, Umstellung der TDI auf Common-Rail-Technik.

Autor: Hendrik Dieckmann

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