Gebrauchter Audi Q7 im Test

Audi Q7 Audi Q7 Audi Q7

Gebrauchtwagen-Test: Audi Q7

— 07.11.2016

Beim Dicken purzeln die Preise

Der Audi Q7 kam später als Touareg und Cayenne. Und das ist heute ein Vorteil. Der Allradler ist zuverlässig und macht kaum Probleme.

Auf Wunsch gab es eine dritte Sitzreihe. Der Laderaum fällt nicht hoch aus, ist dafür aber zwei Meter lang.

Die Spätgeborenen einer Familie sind oft besser dran. Die großen Brüder haben bereits manche Wege geebnet, wovon das Nesthäkchen dann profitiert. So ist es auch bei den drei Allrad-Brüdern aus dem Volkswagen-Konzern. 2002 kamen VW Touareg und Porsche Cayenne mit reichlich gleicher Technik auf gleicher Bodengruppe – und mussten in ihren ersten Jahren etliche Kinderkrankheiten auskurieren. Der Q7 mit ebenfalls sehr viel gleicher Technik und ebenfalls in Bratislava gebaut, kam erst Ende 2005 und geriet noch schwerer und noch größer: 15 Zentimeter mehr Radstand, 30 Zentimeter mehr Außenlänge als VW und Porsche. Das schafft nicht nur Platz für einen zwischen 1,15 und zwei Meter langen Gepäckraum, sondern auch für eine (gegen Aufpreis lieferbare) dritte Sitzreihe. Die taugt mangels Platz für Knie und Kopf allerdings nur für Leute bis etwa 1,60 Meter Körpergröße. Für die kleine Handballmannschaft reicht es.
Modellgeschichte Audi Q7 (4L)
2006 Verkaufsstart des Q7; L/B/H 5,09/1,99/1,74 m; 3.6-VR6-Benziner (280 PS); 4.2-V8-Benziner (350 PS); 3.0-V6-Turbodiesel (233 PS); alle mit Automatikgetriebe.
2007 zusätzlich 4,2-Liter-V8-Turbodiesel (326 PS); 3.0 TDI jetzt mit 240 statt 233 PS.
2008 zusätzlich 6,0-Liter-V12-Turbodiesel (500 PS).
2009 Facelift mit neuer Front, neuen Leuchten, neuen Instrumenten; 4.2 TDI jetzt 340 statt 326 PS.
2010 8-Stufen-Automatik statt 6 Stufen (außer V12 TDI); 3.6 VR6 und 4.2 V8 entfallen, stattdessen 3.0-V6-Kompressor-Benziner mit 272 oder 333 PS; zusätzlich 3.0 TDI mit 204 PS; 3.0 TDI nun mit 245 statt 240 PS.
2015 Ablösung des ersten Q7 (interner Modellcode: 4L) durch den Q7 der zweiten Generation (intern: 4M).

Audi Q7 im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt

Reifen, Fahrwerk und Bremse verschleißen sehr schnell

Die Gnade der späten Geburt bewahrte den Audi Q7 vor den schlimmsten Elektronik-Querelen seiner Brüder. Während VW Touareg und Porsche Cayenne bereits 2010 von ihrer jeweils zweiten Generation abgelöst wurden, lebte der Audi Q7 in erster Generation fünf Jahre länger. Erst seit Herbst 2015 rollt der Nachfolgetyp mit um rund 300 Kilogramm verringertem Gewicht durch Alu-/Stahl-Mischbauweise vom Band. Das hohe Gewicht plagt in der Tat diverse Baugruppen der ersten Q7-Generation. Die Vorderreifen halten oft nicht länger als 20.000 Kilometer, die Bremsen selten mehr als 50.000. Verschlissene Radaufhängungen sind ab 125.000 km oft ein Grund für eine Mängelrüge bei der Hauptuntersuchung, Lenkgetriebe mit zu viel Spiel ab 175.000 Kilometer. Und doch darf der Q7 insgesamt als empfehlenswerter Gebrauchter gelten. Klar, die Unterhaltskosten sind wegen ungünstiger Versicherungsklassen und teurer Verschleißreparaturen an den Bremsen hoch.
Ersatzteilkosten*
Kotflügel vorn 425 Euro
Scheinwerfer 687 Euro
Bremsscheiben vorn (ein Satz) 459 Euro
Bremsbeläge vorn (ein Satz) 315 Euro
Automatikgetriebe (AT) 5652 Euro
Motor ohne Anbauteile (AT) 11.032 Euro
Generator (AT) 638 Euro
Anlasser (AT) 383 Euro
Wasserpumpe (AT) 113 Euro
Auspuff ohne Kat 937 Euro
*Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Q7 3.0 TDI mit 240 PS und Automatikgetriebe, Baujahr 2009.


Video: Audi Q7 Gebrauchtwagen

Fettes SUV, kleiner Preis

Aber die wirklich teure Technik hält. Zahlreiche Exemplare haben 300.000 und mehr Kilometer mit dem ersten Motor und dem ersten Automatikgetriebe hinter sich gebracht. Echte Pannen und Liegenbleiber sind selbst bei hohen Kilometerständen sehr selten. Nur die Besitzer der ganz frühen Q7 3.0 TDI der Baujahre 2006 und 2007 (233 PS) klagen über Probleme mit dem Automatikgetriebe. Es fällt bei fortgeschrittenem Kilometerstand durch hartes Schalten auf. Dagegen hilft manchmal ein schlichter Getriebeölwechsel, manchmal eine neue Steuereinheit am Getriebe, manchmal aber auch nur ein neues Getriebe für mehrere Tausend Euro.

Anfällige Extras von der Wunschliste streichen

Innenraum ohne Pomp und Glitter. Die Materialien halten, nur der Softlack der Schaltern nicht. Für heutige Verhältnisse wirkt der Bildschirm klein.

Etwas Ärger droht bei allen Modelljahrgängen dann und wann durch elektrische und elektronische Probleme. Aussetzer bei den Steuergeräten, vor allem aber streikende Extras strapazieren Nerven und Geduld der Besitzer. Vorsichtige Q7-Interessenten halten deshalb Ausschau nach einem Exemplar mit möglichst wenig defektprovozierenden Extras. Also möglichst keine Luftfederung, deren Sensoren und elektronische Regelung nicht immer problemlos arbeiten; kein schlüsselloser Zugang, dessen Sensoren rund ums Auto nicht das ewige Leben haben; kein Glasschiebedach, das zuweilen klemmt und undicht ist; keine Standheizung, die vor dem Motorstart zu viel Batteriekapazität frisst; keine Xenoscheinwerfer, die bei Defekten mit wesentlich mehr Geld wieder zum korrekten Leuchten gebracht werden müssen als konventionelles Halogenlicht.

Schwachstellen und Praxistipps

Schwachstellen 1

Die Besitzer früher Q7 von 2006 und 2007 (16 Prozent) sind deutlich weniger zufrieden. Sie beklagen Automatikprobleme, stark verschmutzende Seitenscheiben, schnell verschleißende Bremsen und Reifen sowie Elektronikzicken. Verschlissene Radaufhängungen und Lenkgetriebe (8 Prozent) gibt es praktisch nur bei hohen Laufleistungen ab 125.000 Kilometern.

1 von 5
Größtes Ärgernis sind nach Ansicht der Q7-Besitzer aber die hohen Unterhaltskosten. Kfz-Steuer und Versicherungsprämien zahlt man eben besonders ungern. Besser kommen da die Audi-Werkstätten weg. 87 Prozent der Vertragshändler erhalten gute und sehr gute Noten – ein überdurchschnittlicher Wert. Und dies trotz hoher Kosten. Für eine große Inspektion stehen am Schluss durchschnittlich stolze 690 Euro unten auf der Rechnung. Bei der Frage nach dem nächsten Auto dürfen sich die Audi-Händler auf gute Geschäfte freuen. Er scheint, als ob die Q7-Besitzer geradezu sehnsüchtig auf das neue Modell gewartet haben. Zwölf Prozent geben an, dass sie den Q7 II bereits bestellt haben. Weitere 21 Prozent wollen den Erstbestellern im nächsten Jahr folgen, 19 Prozent auf den kleineren Q5 umsteigen. Markenwechsler nehmen am liebsten den Porsche Cayenne (18 Prozent). Das Geld bleibt also unter Brüdern.

Autoren: Martin Braun, Stefan Diehl

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.