Gebrauchtwagen-Test BMW 1er

— 28.01.2008

Einer für ewig?

Längs eingebaute Motoren und Heckantrieb – in der Golfklasse ist der 1er-BMW einzigartig. Und bis jetzt auch auffällig solide. Alles in allem ist er ein jugendlicher Typ ohne auffällige Mängel.



Wahre Größe kommt von innen, heißt es. So gesehen, ist der 1er-BMW gerade mal ein Durchschnittstyp. Auf der Rückbank geht es eng zu, auch der Kofferraum fällt nicht üppig aus. Dennoch zählt der kleinste BMW zu den ganz Großen in der Kompaktklasse. Weil er mit Heckantrieb und hoher Fahrdynamik einen ganz anderen Schwerpunkt setzt. Und zwar – typisch BMW – auf die Freude am Fahren. Und das scheint auch auf Dauer zu klappen. Nach etwas mehr als drei Jahren ist der 1er nämlich noch immer ein weitgehend unbeschriebenes Blatt im AUTO BILD-Kummerkasten. Wenn Leser am 1er etwas bemängeln, sind es eher nervige Kleinigkeiten. Beispielsweise rappelnde Armaturenbretter. Oder quietschende Sitze. Auch Klagen über Softlackablösungen an einigen Kunststoffteilen des Interieurs und rasch verschleißende Bezugstoffe der Sitze gibt es hin und wieder. Außerdem ein paar entladene Batterien hier und einige aufgeregt flackernde Warnlämpchen dort.

Gravierende Defekte sind beim BMW 1er die Ausnahme

Filigranarbeit: die aufwändige Mehrlenker-Vorderachse mit zahlreichen Lagerbuchsen.

Hin und wieder strandet aber auch mal ein 1er mit einer Panne auf dem Seitenstreifen. Meist aufgrund von Elektronikproblemen. Im Vergleich zu so manchen Konkurrenten ist der BMW jedoch ein zuverlässiger Kompaktwagen. Zumal gravierende Defekte beim 1er die Ausnahme sind. Nur beim 116i der Baujahre 2004 und 2005 gab es einige kapitale Motorschäden. Ursache war jedesmal eine abspringende Steuerkette. BMW tauschte die Triebwerke anstandslos aus, eine Rückrufaktion wegen eventuell fehlerhafter Steuerkettenspanner oder Gleitschienen gab es jedoch nicht. Zweimal wurden allerdings die Vierzylinder-Dieselmodelle zur Nachbesserung in die Werkstätten beordert. Der erste Rückruf vom August 2006 betraf alle bis März 2005 produzierten 118d und 120d. Hier musste eine Schraube am Generator wegen Bruchgefahr ausgetauscht werden. Und im Mai 2007 waren bei rund 500 Exemplaren des 120d die Spannbratzen – das sind die Halter der Einspritzdüsen – ebenfalls wegen Bruchgefahr auszutauschen.

Ansonsten blieb der kleinste BMW bislang von weiteren Malaisen verschont. Auffällige Schwächen oder gar Mängelschwerpunkte sind nicht auszumachen. Was jedoch nichts daran ändert, dass das überraschend breit gefächerte Spektrum an ärgerlichen Lappalien nicht sorecht zum Premiumanspruch der Marke passen will. Gespannt sind wir auch, wie die Radaufhängungen mit den zahlreichen filigranen Achslenkern und Lagerstellen dem Alltagsstress standhalten. Bei anderen BMW-Modellen erwiesen sich die Achsen jedenfalls häufig als überdurchschnittlich verschleißanfällig. Eine hohe Lebensdauer dürfen  Gebrauchtwagen-Käufer hingegen von den Triebwerken erwarten, trotz der Schäden beim 116i. Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Vierzylinder erste Wahl. Spielt aber Fahrspaß die entscheidende Rolle beim Kauf, zeigt speziell der 130i mit dem bärenstarken Sechszylinder, was wahre Größe ist.

Schwächen des BMW 1er

Rund drei Jahre nach der Markteinführung steht der kleinste BMW überwiegend gut da. Eine auffällige Konzentration von Problemen ist bislang nicht auszumachen. Ausnahme: Beim 116i gab es einige Motorschäden wegen abgesprungener Steuerketten. Ansonsten sind es jedoch meistens ärgerliche Lappalien, die den 1er-Besitzern zu schaffen machen. Dazu gehören viele Klapper- und Quietschgeräusche von Armaturenbrett und Sitzen, die ebensowenig zum Premiumanspruch passen wie die Softlack-Ablösungen an Kunststoffteilen oder mitunter rasch verschleißendeSitzbezüge. Vereinzelte Elektronik-Spinnereien sind ebenfalls bekannt, Rost ist dagegen kein Thema. Bislang gab es zwei Rückrufe: wegen Bruchgefahr einer Generatorschraube (118d/120d) und Befestigung der Einspritzdüsen (120d).

Bewertung von AUTO BILD-Experte Uli Holzwarth

Der kleinste BMW ist weder besonders praktisch noch komfortabel. Dafür punktet der heckgetriebene 1er mit seinem überzeugenden Zusammenspiel aller Fahrspaß-Faktoren. Schön, dass dabei Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht zu kurz kommen.

Modellempfehlung: BMW 118i, 1995 cm³, 95 kW/129 PS, Höchstgeschwindigkeit 206+ km/h, ab 16.500 Euro bei Laufleistungen um 30.000 Kilometer.

Wenn es um die Motorisierung geht, darf es bei BMW-Käufern gern etwas mehr sein. Speziell der Sechszylinder ist sehr reizvoll. Doch der 1er entfaltet sein dynamisches Potenzial auch mit den schwächeren Motoren. Unsere Empfehlung für Käufer eines Gebrauchten: der 118i mit dem 129 PS starken Zweiliter-Vierventiler. Denn der Verbrauch ist günstiger als beim schwächeren Basis-116i, obwohl die Fahrleistungen fast das Niveau des 120i mit 150 PS erreichen. Diesel? Lohnt sich fast nur noch für Kilometerfresser.
KOSTEN für die empfohlene Motorvariante 118i (129 PS)
Unterhaltskosten
Testverbrauch 9,1 Liter Super Plus / 100 Kilometer
CO2-Ausstoß 211 g/km
Inspektion 150 bis 450 Euro
Haftpflicht (17) * 550 Euro
Teilkasko (22) * 169 Euro
Vollkasko (19) * 632 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4) 135 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Berlin, Fahrer: Versicherungnehmer + Partner (30 Jahre), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz 100 Prozentssung in Berlin, Fahrer: Versicherungnehmer + Partner (30 Jahre), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise **
Lichtmaschine (AT) 533 Euro
Anlasser (AT) 367 Euro
Wasserpumpe (AT) 253 Euro
Zahnriemen entfällt, Kette
Endschalldämpfer 395 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 641 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 355 Euro
** inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Modellgeschichte des BMW 1er (Typ E81, E87)

Ein jugendlicher Typ ohne auffällige Mängel: Rund drei Jahre nach seiner Markteinführung steht der kleinste BMW recht gut da.

18. September 2004: Markteinführung des 1er-BMW in der fünftürigen Version (Typ E87). Von Beginn an sind jeweils zwei Otto- und Dieselmotoren mit Vierventiltechnik lieferbar: 116i mit 115 PS, 120i mit 150 PS, 118d mit 122 PS und 120d mit 163 PS. Sechs Airbags, das Fahrstabilitätsprogramm DSC, zweistufiges Bremslicht, vier Scheibenbremsen, Run-Flat-Reifen und eine Reifenpannenanzeige mit Luftdrucküberwachung sind generell serienmäßig, ebenso das Sechsgang-Schaltgetriebe (Ausnahme 116i: Fünfgang-Schaltgetriebe). Die Preise starten bei selbstbewussten 19.800 Euro (116i).

Dezember 2004: Der 118i mit 129 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe ergänzt die Angebotspalette beiden Benzinern. Das Zweiliter-Triebwerk basiert auf dem 120i-Motor und besitzt ebenfalls den vollvariablen Ventiltrieb ohne Drosselklappe (Doppel-Vanos mit Valvetronic). Der Preis: ab 21.400 Euro.

September 2005: Start des Topmodells 130i. Der 265 PS starke Reihensechszylinder entstammt dem 630i, hat ein Kurbelgehäuse aus einem Magnesium-Aluminium-Verbund und den voll variablen Ventiltrieb der Vierzylinder-Benziner (Doppel-Vanos, Valvetronic). Im 130i kommt eine überarbeitete DSC-Variante mit erweiterten Bremsfunktionen und Berganfahrassistent zum Einsatz. Optional ist darüberhinaus – erstmals in der Kompaktklasse –die Aktivlenkung mit variabler Übersetzung erhältlich. Zur Serienausstattung zählen des Weiteren 17-Zoll-Aluräder, Sportsitze und ein Lederlenkrad. Als Fünftürer kostet der 130i ab 32.500 Euro.

Aller guten Dinge sind drei: Die dreitürige Variante ist etwas günstiger als die fünftürige.

März 2007: Gründliche Modellpflege: Außen fallen die Änderungen an Niere, Scheinwerfern, Lufteinlässen, Schwellern und Heckleuchten sehr dezent aus. Auch das Cockpit präsentiert sich nur leicht modifiziert, bekommt im Wesentlichen hochwertigere Kunststoffe und eine neu gestaltete Mittelkonsole. Unter der Motorhaube arbeiten jedoch stark modifizierte Vierzylinder-Motoren mit mehr Leistung: Der 118i (143 PS) und 120i (170 PS) verfügt nun über eine Benzin-Direkteinspritzung für den Magerbetrieb, außerdem ist in Verbindung mit Handschaltung bei allen Vierzylindern(Benziner und Diesel) eine Start-Stopp-Funktion serienmäßig. Die Leistung steigt beim 118d auf 143 PS, beim 120d  auf 177 PS, der Partikelfilter ist nun Serie. Weitere Maßnahmen zur Verbrauchssenkung: Bremsenergie-Rückgewinnung, aktive Steuerung der Lüftungsklappe im Kühlergrill, elektrische Servolenkung. Die Preisliste startet ab 21.600 Euro für den 116i.

Mai 2007: Markteinführung der dreitürigen Variante des 1er (Typ E81), wahlweise mit vier oder fünf Sitzplätzen. Die Dreitürer sind 750 Euro günstiger als die Fünftürer und ab dem 118i für alle angebotenen Motorvarianten erhältlich.

September 2007: Neue Top-Motorisierung bei den Diesel-Modellen ist der 123d mit Twinturbo-Aufladung. Der Vierzylinder leistet 204 PS und kostet als Dreitürer ab 30.950 Euro.

Autor: Uli Holzwarth



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