Gebrauchtwagen-Test Kia Retona (1999–2001)

Gebrauchtwagen-Test Kia Retona (1999–2001) Gebrauchtwagen-Test Kia Retona (1999–2001)

Gebrauchtwagen-Test Kia Retona

— 17.11.2006

Ewiges Geruckel

Der Kia Retona war bei seinem Erscheinen eine Preissensation: 25.990 D-Mark, umgerechnet nur 13.288 Euro kostete 1999 der Koreaner. Billig ist er auch heute als Gebrauchter, aber leider nicht unproblematisch.

Unzuverlässiger Turbodiesel

Das Angebot klang damals verlockend: Ein richtiger Geländewagen mit vermeintlich genügsamem Zweiliter-Turbodieselmotor für weniger als 26.000 D-Mark. Da griffen auch in Deutschland viele zu – und fielen im Laufe der nächsten Jahre nicht selten aus allen Wolken. Wieder einmal entpuppte sich ein ach so langlebiger Dieselmotor als Kostenfalle.

Zum einen ist er nicht sonderlich sparsam, denn unter 8,5 Liter/100 km lässt sich der Verbrauch auch per Schleichfahrt nicht drücken. Im Alltag muss man eher mit zehn Liter/ 100 km rechnen – für einen kleinen Zweiliter-Diesel in einem 1500 Kilo leichten Geländewagen ist das aus heutiger Sicht zu viel. Zum anderen hält der Kia-Dieselmotor das Versprechen nicht, ein robustes und unproblematisches Triebwerk zu sein. Im Gegenteil: Schon nach einer Laufleistung von lächerlichen 80.000 Kilometern steigt das Risiko von teuren Zylinderkopfschäden Rapide an.

Mindestens ebenso ärgerlich sind die bei vielen Retona 2.0 TD auftretenden Probleme mit der elektronischen Regelung der Verteilereinspritzpumpe. Die Elektronik musste für den deutschen Markt nachgerüstet werden, um die Abgasgrenzwerte der Norm EU2 einhalten zu können. Und genau diese aufgepflanzte Regelung ist verantwortlich für ein nervtötendes Geruckel des Motors im Teillastbereich. Also dann, wenn man nur wenig Gas geben

Wenig haltbar: Der Turbodieselmotor macht zahlreiche Probleme.

muss wie beispielsweise im Innerortsverkehr. Daran ist nichts zu rütteln. Bislang sind offenbar alle Versuche gescheitert, das Geruckel zu beseitigen. Eine komplette Amputation der Elektronik wäre illegal, da dann die Betriebserlaubnis wegen der Veränderung am Motor und der dann anderen Abgaswerte erlischt.

Es fallen zuweilen auch noch Teile der elektronischen Steuerung komplett aus, beispielsweise das Magnetventil. Auch die restliche Elektrik macht zu oft Ärger. Allen voran die kurzlebige Lichtmaschine, die bei einigen Lesern noch nicht einmal 70.000 Kilometer überstand. Der Anlasser erweist sich zudem als empfindlich gegenüber ausdauernden Startversuchen nach eisigen Winternächten. Radlager und Lenkungsgelenke dagegen halten. Aber nur dann, wenn man bei den serienmäßigen Sechs-Zoll-Felgen und den Reifen der Dimension 215/75 R 15 bleibt. Breitradliebhaber müssen, wie so oft, mit drastisch erhöhtem Verschleiß am Fahrwerk rechnen.

Wenig Kritik bei der Alltagstauglichkeit

Im Gelände überzeugt der robuste und hochbeinige Koreaner.

Auch der Rost ist beim Retona bereits ein Thema: 27% klagen schon jetzt über erhebliche Korrosion, vor allem am Unterboden, teilweise auch an den Türen. Weitere 51% haben immerhin leichten Rostbefall feststellen müssen, ebenfalls meist am Unterboden. Nicht wenige Retona-Besitzer ärgern sich über die zahlreichen Schwachstellen ihres Kia besonders ausgiebig, denn mit den Alltagsqualitäten wären sie eigentlich sehr zufrieden. So gibt es wenig Kritik für die Punkte Komfort, Ausstattung und Geländetauglichkeit. Kein Wunder, denn der Retona federt anständig und war ab Werk bereits mit Servolenkung, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung ausgestattet.

Auch bei der Geländetauglichkeit heimst der Koreaner gute Noten ein. Unter den Retona-Besitzern sind zahlreiche Jäger und Förster, die oft und bei jedem Wetter auf unwegsamen Wald- und Forstwegen unterwegs sind. Klagen gibt es hier nur wenige, denn die Bodenfreiheit von 215 Millimetern reicht ebenso aus wie die durch die Geländeuntersetzung verstärkte Kraft an steilen Anstiegen. Die kompakten Abmessungen helfen zudem, in dichten Wäldern Schäden an der Karosserie zu vermeiden.

Wieder ein Retona? Die Kunden sagen "Nein"

Der aktuelle Kia Sportage spricht Retona-Fahrer anscheinend nicht an.

Die Probleme mit den Defekten und dem ruckelnden Dieselmotor frustrieren offenbar die Retona-Besitzer. Enttäuscht wollen sie sich beim nächsten Autokauf von der Marke Kia abwenden. Nur sieben Prozent können sich vorstellen, wieder einen Retona zu kaufen, der dann gebraucht erworben werden müsste. Der aktuelle Kia Sportage spricht die Retona-Besitzer offenbar überhaupt nicht an: Nicht eine einzige Stimme erhält er. Immerhin 13% bleiben Kia als Kunden dadurch erhalten, dass sie aufsteigen wollen und den größeren und teureren Sorento kaufen. Bleiben dennoch erschreckende 80% übrig, die Kia verloren zu gehen drohen. 34% sind noch völlig unschlüssig, welches Auto es als Nächstes sein soll. Aber 46% haben bereits ihre Wahl getroffen und die Abkehr von Kia beschlossen.

Nutznießer dieser Situation ist eindeutig die japanische Marke Suzuki. Von den Modellen Jimny und Grand Vitara erhoffen sich die Kia-Fahrer die gewohnte Geländetauglichkeit und offenbar das, was sie bei ihrem Retona schmerzlich vermissen: Zuverlässigkeit und Langlebigkeit.

Kia Retona prüfen leicht gemacht


Hier einige Schwachstellen des Retona, die auch für den Laien gut zu prüfen sind:
• Wegen des Risikos von teuren Zylinderkopfschäden beim Turbodieselmotor sollte man vor dem Gebrauchtkauf unbedingt eine umfassende Kompressionsprüfung bei einer vertrauenerweckenden Werkstatt vornehmen lassen. Abgasgeruch aus dem

Nicht erschrecken, wenn's ruckelt: Bei niedrigem Tempo ist das normal.

abgenommenen Kühlerdeckel, Ablagerungen im Kühlerdeckel, Ölschlieren im Kühlwasser und Wasserschlieren am Ölmessstab sind Alarmzeichen.
• Zweifeln Sie nicht an Ihren Fahrkünsten, wenn Sie eine Probefahrt mit einem Diesel-Retona machen. Für das leichte Ruckeln, das gerade im Innerortsverkehr auftritt, ist nicht Ihr Gasfuß verantwortlich, sondern die aufgesetzte elektronische Regelung der Dieseleinspritzpumpe. Sie erschwert gleichmäßiges Fahren bei niedrigem Tempo.
• Besonders bei Retona mit nachgerüsteten Breitreifen oder Breiträdern sollten Sie auf eine frische Hauptuntersuchungsplakette (TÜV u.ä.) bestehen, um das Risiko von verschlissenen Fahrwerksteilen zu mindern.
• Achten Sie darauf, dass unmittelbar nach dem Anspringen des Motors auch die Ladekontrollleuchte erlischt (Lichtmaschine!).

Historie, Schwächen, Kosten, Urteil

MODELLGESCHICHTE

1997 Messepräsentation des Kia Retona in Korea als Nachfolger des Asia Rocsta • 1999 Deutschland-Einführung des Retona als 2.0 TD, Vierzylinder-Turbodiesel (elektronisch geregelte Wirbelkammereinspritzung) mit 2,0 Liter Hubraum und 83 PS; Fünfgang-Schaltgetriebe; L/B/H 4,00/1,75/1,84 Meter • 2000 zusätzliche Motorversion Retona 2.0: Vierzylinder-Benziner mit 2,0 Liter Hubraum und 128 PS • 2001 Produktionseinstellung des Kia Retona. Er bleibt ohne echten Nachfolger

SCHWACHSTELLEN

Der von Kia selbst konstruierte Turbodieselmotor macht zu häufig Ärger: Zylinderkopfschäden (31%), elektronische Einspritzung (38%) Probleme macht auch der Allradantrieb: Defekte Verteilergetriebe (8%) sind ebenso ärgerlich wie die ewig defekten vorderen Freilaufnaben (34%) Die Lichtmaschine hält selten länger als 100.000 Kilometer durch. Die Auspuffanlage ist als Ersatzteil billig, eine Lebensdauer von mehr als drei Jahren sollte man aber dennoch erwarten dürfen

ZUVERLÄSSIGKEIT

Die Zuverlässigkeit des Kia Retona ist miserabel. Satte 42 % hatten unterwegs eine Panne. Gründe dafür waren vor allem eine defekte Lichtmaschine (20%), beim Diesel außerdem teure Zylinderkopfschäden und die ewigen Probleme mit der elektronischen Regelung der Dieseleinspritzpumpe. Die Startversagerquote liegt beim Diesel bei 22% (Elektronik), beim Benziner bei 3%.

REPARATURKOSTEN

Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Retona 2.0 TD Schaltgetriebe, Baujahr 2000. Wirklich billig ist nur die kurzlebige Auspuffanlage. Die Lichtmaschine geht ordentlich ins Geld. Und auch der Motor.

TECHNIK

Allradantrieb: Heckantrieb; Frontantrieb während der Fahrt bis 25 km/h zuschaltbar; automatische Freilaufnaben an den Vorderrädern, Differenzialbremse (40%) hinten;

"Nicht empfehlenswert", urteilt Allrad-Experte Martin Braun.

Geländereduktion (1,98:1) Aufbauweise: Leiterrahmen; aufgeschraubte Stahlblech-Karosserie Verbrauch: 2.0: 11l/100 km Normalbenzin; 2.0 TD: 10l/100 km Diesel Höchstgeschwindigkeit: 2.0 Benziner: 156 km/h; 2.0 Turbodiesel 139 km/h

Urteil von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Autor Martin Braun

Als Neuwagen mit drei Jahren Garantie mag der Kia Retona noch eine Empfehlung wert gewesen sein. Für den Gebrauchtkäufer ist er wenig interessant, weil bereits ab Laufleistungen von 80.000 Kilometern das Risiko teurer Lichtmaschinen- und Motordefekte drastisch ansteigt.

Autor: Martin Braun

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