Gebrauchtwagen-Test Mercedes C-Klasse

Gebrauchtwagen-Test Mercedes-Benz C-Klasse Gebrauchtwagen-Test Mercedes-Benz C-Klasse

Gebrauchtwagen-Test Mercedes C-Klasse

— 23.11.2006

Schwäbisches Roulette

Die C-Klasse ist ein Glücksspiel: Im Kern sind die meisten Exemplare grundsolide. Aber es gibt auch schwarze Schafe, an denen der Rost nagt.

Typische Mängel und Historie

Die Ehre genießt nicht nur in südlichen Ländern höchsten Stellenwert, sondern auch in der Automobilbranche. Während Familienclans schwarze Schafe zur Ehrenrettung schon mal verstoßen, sind den Autoherstellern in dieser Hinsicht natürlich die Hände gebunden. Schlägt ein Familienmitglied aus der Art, bemühen die Automobilproduzenten zur Wiedergutmachung deshalb lieber das Zauberwort Kulanz. Ein Begriff, der Besitzern einer Mercedes C-Klasse des Typs W 202 durchaus geläufig ist.

W 202: Die erste C-Klasse war der letzte Mercedes mit klassischer Front.

Denn so mancher W 202, insbesondere aus den frühen Baujahren, hat mittlerweile ein mehr oder weniger ausgeprägtes Rostproblem. Oft gammeln nur die Türrahmen unter den Dichtleisten und einige Schnittkanten am Unterboden. Manchmal rosten jedoch sogar tragende Teile wie die Federaufnahmen. Das Gemeine daran: Von außen sind solche Korrosionsschäden oft nur schwer zu erkennen. Selbst gepflegte Rentnerautos aus erster Hand können betroffen sein. Mercedes ist jedoch um Schadensbegrenzung bemüht und beseitigt den Gammel in der Regel kulant, sofern das Fahrzeug ein Mindestmaß an Fürsorge erhielt.

Eine eingehende Inspektion des Unterbodens ist empfehlenswert

Schwachpunkt Rost: Doch Mercedes zeigt sich meist kulant.

Ein Massenphänomen scheint Rost bei der ersten C-Klasse allerdings nicht zu sein, denn beim TÜV verhält sich der Typ W 202 in diesem Punkt unauffällig. Kaufinteressenten empfehlen wir dennoch eine eingehende Inspektion des Unterbodens. Ein eventueller Ölverlust an Motor, Getriebe und Hinterachsdifferenzial offenbart sich dabei ebenfalls schnell. Sind diese neuralgischen Punkte in Ordnung, gilt es, bei der Probefahrt auf übermäßiges Lenkungsspiel sowie auf heulende oder wimmernde Geräusche aus dem Hinterachsdifferenzial zu achten. Harte Lastwechselschläge und ein Klackern beim Rollen mit herausgenommenem Gang haben ihre Ursache meist in gelockerten Buchsen an der vorderen Hardyscheibe.

Zu den weiteren typischen Schwächen der ersten C-Klasse zählen darüber hinaus defekte Bremsschläuche, streikende Benzinpumpen und hakelige Zündschlösser. Bei den Dieselmotoren leiden ausgerechnet die modernen Varianten, insbesondere die beliebten CDI-Triebwerke ab 1997, häufiger unter Unregelmäßigkeiten an Hochdruckpumpe, Einspritzdüsen und Druckregler. Die Ottomotoren erweisen sich hingegen als problemlose Dauerläufer, die Laufleistungen von deutlich über 200.000 Kilometern ohne Überholung schaffen. Selbiges gilt auch für die Schalt- und Automatikgetriebe. Ausnahme: Die Fünfstufen-Automatik des Jahrgangs 1998 macht öfter Ärger, wie zahlreiche Zuschriften im Kummerkasten belegen.

Weitgehend zuverlässig: Elektrik, Achsen und Mechanik sind top.

Top hingegen sind die haltbaren Achsen, die weitgehend zuverlässige Elektrik und die insgesamt sehr robuste Mechanik. Die kommt übrigens auch in den CLK- und SLK-Modellen zum Einsatz, denn beide Baureihen basieren auf der Technik der C-Klasse. Das spart Entwicklungskosten, weshalb Mercedes mit Einführung der zweiten C-Klasse (Typ W 203) im Jahr 2000 diese Politik beibehielt. Seitdem umfasst die Modellpalette der C-Klasse nicht nur die wesentlich dynamischer gezeichnete Limousine und die praktische Kombi-Variante, sondern auch das zweitürige Sportcoupé mit Heckklappe.

Zentraler Schwachpunkt beim W 203 ist die Elektronik

Die CLK-Neuauflage bedient sich ebenfalls wieder aus dem Technik-Baukasten der C-Klasse. Aus gutem Grund. Denn Motoren, Getriebe und Fahrwerk sind sehr solide. Mit zwei kleinen Einschränkungen: Die Stabilisatoraufnahme an der Vorderachse verschleißt auffällig schnell, und die CDI-Motoren haben häufiger Probleme mit der Common-Rail-Pumpe sowie verkokenden Leitschaufeln am Turbolader. Zentraler Schwachpunkt beim W 203 ist jedoch die Elektronik. Selbst kleine Störungen in einem der zahlreichen und miteinander vernetzten Steuergeräte können großen Ärger verursachen. Beispielsweise im Motormanagement. Oder im Kombi-Instrument, das bis 2003 eine hohe Ausfallquote verzeichnet. Rost an den Schnittkanten des Unterbodens ist leider auch bei dieser C-Klasse immer wieder zu beobachten. Gebrauchtwagenkäufer sollten daher nach Möglichkeit ein Facelift-Modell ab 2004 wählen, das besser verarbeitet ist und weniger Elektronik-Ärger verursacht.

Letztlich zeigen beide Modelle als Gebrauchte ein durchwachsenes Bild, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Gemessen am Premiumanspruch von Mercedes ist das jedoch zu wenig. Bleibt also nur zu hoffen, dass die eingeleitete Qualitätsoffensive greift. Und die neue, ab Frühjahr 2007 lieferbare C-Klasse dem Stern wieder alle Ehre macht.

Modellgeschichte der Mercedes C-Klasse

6/1993 Einführung der C-Klasse (W 202) • 3/1996 Einführung des T-Modells • 6/1997 Facelift: neue Motoren, Vorstellung CDI-Diesel, Bremsassistent, verbesserte Ausstattung • 3/2000 Start des Typs W 203 (Limousine) • 9/2000 Start des Sportcoupés (CL 203) • 1/2001 Einführung des T-Modells • 7/2002 Allradantrieb 4Matic erhältlich • 2/2004 Modellpflege: neues Cockpit, kratzfester Nanolack, geänderte Frontpartie, überarbeitete Dieselmotoren, direktere Lenkung • Frühjahr 2007 neue C-Klasse Limousine

Schwächen, Kosten, Daten, Urteile

Mercedes C 180 (W 202, 1993–2001)


Schwachstellen Mechanik und Elektrik der ersten Mercedes C-Klasse gelten als solide und unauffällig. Nicht jedoch die Karosserie, selbst wenn der TÜV dem W 202 in diesem Punkt (noch) ein gutes Zeugnis ausstellt. Denn vor allem bei Modellen der ersten Baujahre ist Rost an Türkanten, Federaufnahmen und Radläufen durchaus ein Thema. Weitere Problemzonen sind das übermäßige Lenkungsspiel, mangelhafte Bremsschläuche, ein leckendes, heulendes Hinterachsdifferenzial, ausgeschlagene Querlenkerbuchsen, defekte Automatikgetriebe (Bj. 1998) und Lichtmaschinen.

Preis ab 3500 Euro (bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 1799 cm³, Leistung: 122 PS, Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h • AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)

Mercedes C 220 CDI (Typ W 203, seit 2000)

Das Styling der aktuellen C-Klasse ist dynamischer als beim W 202.

Schwachstellen Qualitativ erfüllen erst die Modelle nach dem Facelift im Jahr 2004 die Erwartungen. Zuvor hagelte es öfter Kritik wegen zahlreicher Elektronik-Fehler. Betroffen waren vor allem Motormanagement (Benziner und Diesel) und das Kombi-Instrument. Bei den CDI-Triebwerken gab es zudem häufiger defekte Zylinderkopfdichtungen und verkokende Leitschaufeln des Turboladers. Kummer bereiten außerdem öfter das Automatikgetriebe, ausgeschlagene Spurstangenköpfe und defekte Türdichtungen. Ein leidiges Thema ist darüber hinaus Kantenrost am Unterboden.

Preis ab 14.000 Euro (bei Laufleistungen um 80.000 Euro) • Technische Daten Hubraum: 2148 cm³, Leistung: 143 PS, Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h • AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)

Das Mercedes-Benz C-Klasse-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit dem Benz in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.


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Autor: Ulrich Holzwarth

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