Gebrauchtwagen-Test Mini II

Mini II Mini II

Gebrauchtwagen-Test Mini II

— 08.02.2008

Mini-Auto zum Maxi-Preis

Die Nachfrage ist größer als das Angebot – schlecht für Fans, denn der Mini muss teuer bezahlt werden. Aber nicht nur der Preis lässt uns zucken, sondern auch die Tücke der Technik des kultigen Kleinen.

Eigentlich müsste die Geschichte des BMW-Mini mit den märchenhaften Worten "Es war einmal ..." beginnen. Nicht, weil der Typ R50 bereits vom Nachfolger abgelöst wurde, sondern wegen des riesigen Erfolgs, mit dem nach der unglücklichen Affäre von BMW und Rover kaum einer zu rechnen wagte. Doch die knuffige Kiste eroberte mit ihrem gelungenen Retro-Stil und dem Gokart-Handling die Massen im Sturm – Autokauf ist eben doch Gefühlssache. Was die Wahl eines Gebrauchten nicht gerade erleichtert. Denn bei der Besichtigung eines Secondhand-Mini ist nicht das Herz gefragt, sondern nüchterner Sachverstand. Schon deshalb, weil der adrette Kleine nie wirklich dem Premiumanspruch von BMW gerecht wurde. Die anfänglichen Lackprobleme hat BMW zwar in den Griff bekommen, nicht jedoch die schwankende Verarbeitungsqualität.

Der süße Charmeur hat einen bitteren Beigeschmack

Zahnschmerzen: Die bis August 2004 eingebauten Schaltgetriebe haben auffällig oft Zahnausfall.

Die macht sich beim Mini durch beständige Klapper- und Knarzgeräusche im Innenraum bemerkbar – mal tönt es aus dem Armaturenbrett, mal von den Türverkleidungen oder aus dem Heckbereich. Bekannt sind auch Wassereinbrüche und Spannungsrisse in der Frontscheibe, ausgeschlagene Wischerarme, gammelnde Türbeschläge, mitunter sogar brechende Sitzgestelle. Die meisten Mini-Fahrer nehmen es jedoch gelassen und sehen über solche Gebrechen milde hinweg. So viel Nachsicht dürfen sich Gebrauchtwagenkäufer allerdings nicht erlauben. Denn im umfangreichen Mängelsortiment des kleinen Charmeurs finden wir auch deftige Schäden. Richtig teuer wird es beispielsweise, wenn das unterdimensionierte Getriebe des englischen Zulieferers Midland Gears kollabiert, was bei den bis August 2004 in den Modellen One und Cooper eingebauten Fünfgang-Schaltboxen gar nicht so selten der Fall ist. Bedenklich auch, dass der TÜV bei den Hauptuntersuchungen bereits nach fünf Jahren überdurchschnittlich oft Rost an tragenden Teilen feststellt.

Keine Premium-Qualität, aber Premium-Preise

Gewohnter Anblick: Der Chrysler-Motor und das Getriebe verlieren häufig ihren Schmierstoff.

Zu den kostspieligen Schwachpunkten zählt ebenfalls die Lenkung. Die kann mit ausfallender Servo-Unterstützung, defekten Lenklagern oder zu viel Spiel teuren Kummer bereiten. Vergleichsweise oft sind außerdem defekte Antriebswellen und Kupplungen ein Thema unter Mini-Besitzern. Ob kleines Malheur oder große Reparatur – muss der Mini in die Werkstatt, leert sich das Portemonnaie zügiger als bei anderen Kleinwagen. Schließlich stellt BMW auch beim Mini die üblichen Stundensätze des Premium-Marktsegments in Rechnung. Gut, dass wenigstens die in Brasilien gefertigten Chrysler-Motoren des Mini II trotz des häufig festzustellenden Ölverlusts standfest sind. Dennoch raten wir Mini-Interessenten generell zum Kauf beim Händler, der eine umfassende Gebrauchtwagengarantie bietet. Und die kann sich schnell rentieren, denn vor allem bei älteren Mini-Exemplaren ist im Schadenfall von BMW keine Kulanz mehr zu erwarten. Die Erfolgsgeschichte des Mini hat eben nicht nur märchenhafte Seiten.

Die Schwächen des Mini

Das Urmodell des Mini war nie ein Paradebeispiel für sorgfältige Verarbeitung und guten Rostschutz. Daran gemessen, ist der Mini II ein deutlicher Fortschritt. Im Vergleich mit der Konkurrenz in der Kleinwagen klasse leistet sich das Kultmobil allerdings einige peinliche Schwächen, die überhaupt nicht zu Image, Preis und Premiumanspruch von BMW passen. Denn der TÜV stellt bereits nach fünf Jahren öfter als beim Durchschnitt Rost an tragen den Teilen fest. Auch die Lenkung fällt bei den Hauptuntersuchungen häufig mit zu viel Spiel auf. Richtig teuer wird es bei Modellen bis August 2004, wenn das zu schwach dimensionierte Schaltgetriebe des englischen Herstellers Midland Gears den Geist aufgibt. Nicht besonders standfest ist außerdem die Kupplung. Weitere typische Schwächen: Ölverlust am Antrieb, Lackmängel bei frühen Exemplaren, leergesaugte Batterien, verschlissene Antriebswellen und Radlager, Spannungsrisse in der Frontscheibe, ausgeschlagene Scheibenwischergelenke, Klappergeräusche. 

Fazit und Modellempfehlung

Experte Holzwarth rät: Einen Mini nur mit umfassender Garantie kaufen!

Fazit von AUTO BILD-Experte Uli Holzwarth
So ein nettes kleines Auto – und so viele Mängel. Dass die nicht zwangsläufig auftreten müssen, ist nur ein schwacher Trost. Wer trotzdem einen Mini haben will, sollte ihn beim seriösen Händler kaufen – und nur mit einer umfassenden Garantie.  

Modellempfehlung Mini Cooper, 1598 cm³, 85 kW/115 PS, Höchstgeschwindigkeit 200 km/h

Wenn Mini, dann einen Cooper – wie die Mini-Neuwagenkäufer favorisieren auch wir die Kraft-Version. Als goldene Mitte wollen wir den 115-PS-Mini aber nicht bezeichnen. Dafür ist die Leistungsentfaltung zu zäh und der Verbrauch zu hoch: durchschnittlich zehn Liter Super sind für dieses kleine Auto nicht mehr zeitgemäß. Doch der Mini One mit 90 PS ist kaum sparsamer, während der Cooper S  speziell auf der Autobahn zum hemmungslosen Säufer wird. Und der Diesel? Dessen Phlegma passt schon gar nicht zum agilen Mini. 
KOSTEN Mini Cooper
Unterhaltskosten
Testverbr. – CO2 10,3 Liter Super/100 km – 239 g/km
Inspektion 150 bis 350 Euro
Haftpflicht (14) 457 Euro *
Teilkasko (21) 161 Euro *
Vollkasko (18) 697 Euro*
Kfz-Steuer (Euro 4) 108 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Berlin, Fahrer: Versicherungsnehmer+ Partner (30 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise **
Lichtmaschine (AT) 526 Euro
Anlasser (AT) 332 Euro
Wasserpumpe (AT) 351 Euro
Zahnriemen entfällt, Kette
Endschalldämpfer 441 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 552 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 371 Euro
** inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Autor: Ulrich Holzwarth

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