Gebrauchtwagen-Test Oberklasse-Kombis

Gebrauchtwagen-Test Oberklasse-Kombis Gebrauchtwagen-Test Oberklasse-Kombis

Gebrauchtwagen-Test Oberklasse-Kombis

— 14.09.2006

Gestern Luxus, heute günstig

Der Traum vom Raum – früher unerschwinglich, jetzt bezahlbar. Lohnt das lange Warten auf günstige Preise für die gebrauchten Oberklasse-Kombis Audi A6 Avant, BMW 5er Touring (E34)und Mercedes W124 T?

Drei mit guten Langzeitqualitäten

Der Kauf eines Gebrauchtwagens führt so manchen auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Weil alte Sehnsüchte wieder erwachen, wenn einstige Traumwagen nach vielen Jahren finanziell in greifbare Nähe rücken. Wie zum Beispiel eine Mercedes E-Klasse des Typs W124. Jene Baureihe, die mittlerweile einen fast schon legendären Ruf in Sachen Solidität und Langzeitqualität genießt. Als Kombiversion lief sie letztmalig 1996 vom Band, hat also mindestens zehn Jahre harten Auto-Alltag absolviert. Kilometerstände deutlich jenseits der 200.000er-Marke sind eher Regel als Ausnahme.

Und die hinterlassen auch am robusten Mercedes-Benz ihre Spuren. Rost ist dank guter Vorsorge das kleinste Problem. Neuralgische Punkte sind in dieser Hinsicht lediglich die Bereiche um das Kofferraumschloss und rund ums Schiebedach. Auch unter den vollflächigen Seitenplanken findet sich öfter Gammel. Grund: Im Lauf der Zeit erlahmen die Halteclips, wodurch die leicht vibrierenden Kunststoffplanken den Lack an den Auflageflächen abschaben – mit den bekannten Folgen.

Machen oft schlapp: die vorderen Traggelenke des W124 T-Modells.

Eine intensivere Kontrolle empfiehlt sich beim Fahrwerk. Denn übermäßiger Verschleiß an der Lenkung gehört anscheinend zum W124 wie der Stern auf der Haube. So bemängelt der TÜV sehr häufig zu viel Luft im Lenkgetriebe und ausgeschlagene Spurstangen. Nicht ungefährlich, wenn die auf Zug beanspruchten Traggelenke der vorderen Radaufhängungen Spiel bekommen: Wird das dumpfe Knacken auf Dauer ignoriert, können die Traggelenke aushaken und die Vorderräder samt Aufhängungen zur Seite wegklappen. Das passiert zwar meist nur beim Rangieren mit vollem Lenkeinschlag, kann aber dennoch zum Unfall führen.

Bei hohen Laufleistungen unterliegen ebenso die vielen Lager der komplizierten Raumlenker-Hinterachse einem erhöhten Verschleiß. Trotz akzeptabler Ersatzteilpreise kommt der Austausch teuer. Wer mit seinem gebrauchten Traumwagen keinen finanziellen Albtraum erleben möchte, sollte daher die Billigangebote meiden und sich bei der Suche nach einem 124er-Kombi auf scheckheftgepflegte Fahrzeuge mit belegbaren Laufleistungen um 100.000 Kilometer beschränken.

Als sehr harmonische Variante gilt dabei der 150 PS starke E 220 T, der ordentliche Fahrleistungen und

Die gibt es oft auch bei jüngeren Benz: rissige Hardyscheiben.

überschaubare Unterhaltskosten am besten unter einen Hut bringt. Solche vergleichsweise wenig gelaufenen Fahrzeuge werden zwar zunehmend seltener, aber das Geld – ab zirka 7000 Euro für einen E 220 T der letzten Serie – ist dafür gut angelegt. Denn der weitere Wertverlust ist ebenso gering wie das Risiko teurer Reparaturen.

Kleinere typische Mängel wie rissige Hardyscheiben am Getriebeausgang, Ölverlust an Motor, Getriebe und Hinterachs-Differenzial, ausgeleierte Zündschlösser oder einseitig wirkende Feststellbremsen weisen aber auch jüngere Exemplare auf. Das ändert jedoch nichts daran, dass der aus dem Vollen geschnitzte 124er klassische Mercedes-Tugenden wie Solidität und Zuverlässigkeit überzeugender in die heutige Zeit transportiert als die Nachfolger.

Der A6 der C4-Baureihe ist ein echtes Langzeitauto

Ein Urteil, das auch auf den Audi A6 Avant des Typs C4 zutrifft. Die bis 1997 gebaute, sehr geräumige Kombiversion mit den Genen mehrerer Audi-100-Generationen präsentierte sich zum Ende ihrer Laufbahn als ausgereiftes und nahezu komplett ausgestattetes Oberklasse-Modell. Eine robuste Mechanik und die vollverzinkte Karosserie machen den A6 Avant zu einem echten Langzeitauto. Besonders gut harmoniert der stattliche Kombi mit dem kultivierten 2,6-Liter-V6-Motor, dessen 150 PS für zügiges Reisen genügen.

Ausgereift und nicht zu teuer: Der A6 ist meist eine gute Entscheidung.

Allradantrieb ist eine häufiger georderte Option bei Audi, die man sich aber getrost sparen kann. Mehr Gewicht und der höhere Verbrauch wiegen schwerer als die bessere Traktion, zumal der A6 auch mit Frontantrieb stabil auf der Straße liegt. Trotz V6-Motors sind gebrauchte Audi A6 meist günstiger zu erstehen als ein gleich starker Mercedes E 220 T. Bei der Besichtigung gilt es, die typischen Schwachstellen des A6 Punkt für Punkt zu prüfen. Dazu zählt vor allem der Zahnriemen, der nicht nur bei den TDI-Modellen vorzeitig reißen kann, sondern auch bei den Benzinern. Ein Nachweis über den erfolgten Wechsel sollte der Verkäufer bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer also immer vorlegen können.

Rost an der Karosserie ist bei unfallfreien Exemplaren normalerweise kein Thema. Wenn der Lack gelitten hat, etwa durch mechanische Einwirkung (Wagenheberaufnahme) oder Reibung (unter Zierleisten oder Dachreling), kann aber auch ein A6 gammeln. Bei viel im Winter gefahrenen Fahrzeugen sind darüber hinaus rostende Motorhalter und Achsteile zu beobachten. Weitere mögliche Macken der C4-Modellreihe: anfällige Bremsleitungen, Undichtigkeiten im Kühlkreislauf (Wasserpumpe, Ausgleichsbehälter), streikende Lichtmaschinen und Fensterheber sowie wackelnde Sitze. Der TÜV zeigt dem A6 darüber hinaus häufig die Gelbe oder gar Rote Karte für übermäßiges Spiel an der Vorderachse.

Auch der BMW E34 bereitet wenig Ärger

Ein Schicksal, das auch die BMW 5er-Baureihe (Typ E34) überdurchschnittlich oft ereilt. Die Kugelköpfe und Gummibuchsen der Vorderachse sind für das Gewicht

Verspielt: E34 haben häufig mit zu viel Spiel an der Vorderachse zu kämpfen.

des BMW anscheinend etwas unterdimensioniert. Probleme macht darüber hinaus die Aufhängung der Hinterachse. Auch die Automatikgetriebe sind eine typische Schwachstelle, weil sie selten 150.000 Kilometer überleben. Fraglich ist zudem, ob der abgelesene Kilometerstand tatsächlich der Realität entspricht, denn der elektronische Zähler lädt zu Betrügereien geradezu ein.

Als anfälliges Bauteil gilt ferner die Wasserpumpe, deren Kunststoff-Flügelrad mit der Zeit versprödet und dann irgendwann von der Welle fällt, wodurch der Motor überhitzt. Ansonsten bereitet ein BMW 520i Touring – ebenfalls mit 150 PS, wie A6 und E-Klasse – nur wenig Ärger. Der Bayer hat zwar eine Anfahrschwäche, vermittelt aber mit zunehmender Drehzahl viel Freude am Fahren. Zumindest für jene, die eine Zeitreise wagen.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteil

Audi A6 Avant 2.6 (Typ C4, 1991–97)

Schwachstellen Unfallfreie Audi A6 sind mit ihrer Verzinkung gegen Korrosion gut geschützt. Rost findet man höchstens an den mäßig geschützten Achsen, an Reibstellen (Zierleisten, Dachreeling) und Auspuff. Die Zahnriemen, insbesondere der TDI-Modelle, gelten als anfällig. Kontrolliert werden sollte der Kühlkreislauf auf defekte Thermoschalter, Wasserpumpen und Undichtigkeiten. Weitere Schwachstellen: poröse Bremsleitungen, Spiel in den Achsgelenken.

Preis ab 6500 Euro (Laufleistung um 100.000 Kilometer)

Technische Daten Hubraum: 2598 cm³, Leistung: 150 PS, Höchstgeschwindigkeit: 209 km/h

AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

BMW 520i Touring (Typ E34, 1991–96)

Vier Sterne: Wie die Konkurrenten bekommt der BMW ein gutes Zeugnis.

Schwachstellen Der 520i Touring zählt zu den fahraktiven Kombis. Vorausgesetzt, die labilen Achsgelenke der Vorderachse haben kein übermäßiges Spiel. Weitere mögliche Schwächen sind abfallende Flügelräder der Wasserpumpe, übermäßiges Lenkungsspiel, schadhafte Hinterachs-Aufhängungen und vorzeitig verendende Automatikgetriebe. Rost hingegen ist kaum ein Thema und betrifft zumeist nur die Auspuffanlage.

Preis ab 6500 Euro (Laufleistung um 100.000 Kilometer)

Technische Daten Hubraum: 1991 cm³, Leistung: 150 PS, Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h

AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Mercedes-Benz E 220 T (Typ W124, 1985–1996)

Vor allem späte Modelle haben sehr gute Langzeitqualitäten.

Schwachstellen Dank solider Konstruktion und Materialen sowie gezielter Modellpflege besitzen vor allem späte Exemplare hervorragende Langzeitqualitäten. Bei hohen Laufleistungen machen aber zu viel Spiel in Lenkung und Achsen häufig Ärger. Ölaustritt an Motor, Getriebe und Hinterachs-Differenzial ist auch nichts Ungewöhnliches. Ebenso streikende Schiebedächer und Fensterheber. Rost? Eher selten.

Preis ab 7000 Euro (Laufleistung um 100.000 Kilometer)

AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Autor: Ulrich Holzwarth

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